Im Pfarrheim

Rede bei Neujahrsempfang: Ohne Ehrenamtliche schaffen wir das eben nicht

Oberschleißheim – Eine Lanze für das Ehrenamt haben die Gastgeber des Neujahrsempfangs im Pfarrheim St. Wilhelm gebrochen. Pfarrer und Bürgermeister äußerten sich gleichermaßen dankbar dafür, dass sie sich auf ein breitgefächertes Engagement der Oberschleißheimer stützen können.

In Zeiten, da weltweit an die 60 Millionen Flüchtlinge gezählt werden, hält der katholische Pfarrer Ulrich Kampe es für um so wichtiger, im überschaubaren Rahmen einer Gemeinde miteinander in Verbindung zu bleiben. Dass es einen Teil der 60 Millionen Heimatlosen nach Oberschleißheim verschlagen wird, sieht Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) relativ gelassen. Gerade dank ehrenamtlicher Unterstützung sei es im vergangenen Jahr gelungen, Flüchtlinge gut unterzubringen und zu versorgen.

Integration als Herausforderung

Das sei aber nur „Schritt 1“ einer Aufgabe, der sich die Gemeinde in den kommenden Jahren verstärkt werde widmen müssen. „Es ist großartig, wie schnell gerade Kinder die deutsche Sprache lernen“, rief Bürgermeister Kuchlbauer den rund 200 Gästen zu. Flüchtlinge hätten bereits Arbeit oder Wohnungen gefunden. „Dieser zweite Schritt der Integration wird uns länger beschäftigen“, fuhr der Bürgermeister fort.

Das Beispiel von Köln habe gezeigt, dass Integration nicht überall reibungslos verlaufen werde. Im Angesicht der in Oberschleißheim gelebten Willkommenskultur plagen ihn diesbezüglich aber keine Sorgen.

Wie selbstverständlich stützen Politik, Wirtschaft und Kirche sich auf das Ehrenamt. Wie die Pfarrgemeindratsvorsitzende von Maria Patrona Bavariae, Barbara Schedlbauer, sagte, ist jeder dritte Deutsche ehrenamtlich tätig. „Es sind Angestellte, Beamte oder Freiberufler, die abends in der Feuerwehr, im Sportverein oder im Container mit Asylbewerbern freiwillig ihr Bestes geben.“ 

Mehr Anerkennung fürs Ehrenamt

Doch wie danke ihnen die Gesellschaft ihren unentgeltlichen Einsatz? Verspottet als Eigenbrödler, die sonst nichts mit sich anzufangen wüssten; zuweilen auch als Spinner verhöhnt, ließen Ehrenamtliche sich dennoch nicht beirren, am Ideal einer humanen Gesellschaft festzuhalten. Für Barbara Schedlbauer schuldet ihnen die Gemeinschaft mehr Dank als die alljährlich überreichte Urkunde. „Die Politik sollte sich da etwas einfallen lassen.“ Gratis Busfahren in Oberschleißheim etwa, freier Eintritt ins Schwimmbad. Unternehmen sollten ihren ehrenamtlich engagierten Mitarbeitern mehr Freiraum, mehr Vertrauen schenken. Womöglich eilt der Angestellte ja direkt ans Lager einer demenzkranken Mutter. Vielleicht löscht er das Haus eines Vorstandsmitglieds.

Kirche hinkt Entwicklungen hinterher

Kritisch setzte sich Barbara mit der katholischen Kirche auseinander, die wie jede Kommune aufs Ehrenamt angewiesen sei. Papst Franziskus möge die Zeichen der Zeit erkannt haben. „Einige alte Zöpfe sind abgeschnitten.“ So sei es Mädchen erlaubt, zu ministrieren. Statt in Latein liest man die Messe auf Deutsch. „Die Jugend aber ist ungeduldig. Dass heißt, die Kirche muss schneller werden.“ Themen wie Homosexualität und Transsexualität seien oft noch tabu. Kirchen-Obere sollten sich mehr bemühen, mit ehrenamtlich tätigen Helfern Schritt zu halten. Andreas Sachse

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