Zehn Frauen mit einem Symbol: Die Aktiven der „Aktion Regenbogen“ aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn vor 25 Jahren. Das Damenteam hat Spenden für kranke und behinderte Kinder gesammelt.

Der Regenbogen geht unter

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Weil sich keine Nachfolgerinnen finden, löst sich der wohltätige Verein "Aktion Regenbogen" auf

Höhenkirchen-Siegertsbrunn - Rosemarie Heinzl sitzt vor dicken Fotoalben. Sie blättert in Erinnerungen. Ein Vierteljahrhundert Lebensgeschichte und ein Vierteljahrhundert Dankbarkeit, Freude, Hoffnung, aber auch Arbeit stecken in den Seiten. Vor 25 Jahren hat Heinzl gemeinsam mit neun Frauen die „Aktion Regenbogen“ aus der Taufe gehoben. Jetzt fehlt den Regenbogenfrauen, wie sie in Höhenkirchen-Siegertsbrunn genannt werden, Kraft und Zeit, den Wohltätigkeitsverein weiterzuführen. Eine Nachfolgegeneration wird es nicht geben.

Heinzl schaut auf den Boden, als sie dies erzählt. Sie nestelt an der Halskette und spricht leise. „Die Zeit ist irgendwie vorbei.“ Heinzl und die anderen Damen müssen nun entweder arbeiten, Eltern pflegen oder Enkelkinder betreuen oder alles zusammen. Die Regenbogenfrauen, das waren zuletzt: Rosemarie Heinzl, Ulrike Hundhammer, Irmgard Pauli, Resi Neumann, Silvia Dinger, Elisabeth Oelschläger, Christine Langner, Margret Keicher, Adelheid Däumling, Isabella Kameter, Inge Waldmann und Evi Steidl. Den Begriff Regenbogen haben die Frauen als Zeichen der Hoffnung gewählt, „wenn nach einem Gewitter etwas Schönes am Himmel entsteht“, sagt Heinzl.

Angefangen hat alles damit, dass die Frauen „Staubfänger aus dem Keller“ räumen wollten. So nennt es Heinzl. Im Nu entstand ein Flohmarkt, auf dem die Frauen Dinge wie Kaffeemaschinen, Surfbretter und sogar ein Brustmassagegerät verkauft haben. Und selbstgemachtes Gebäck. „Einmal standen am Buffet 100 Kuchen“, erzählt Heinzl. Alle Einnahmen - der Rekord lag in Flohmarkt-Spitzenzeiten bei 6000 Euro - kamen schwerkranken und behinderten Kindern zugute. Weil krebskranke Kinder ohnehin eine starke Lobby haben, konzentrierten sich die Regenbogenfrauen auf Patienten, die etwa an Spina bifida („offener Rücken“) leiden oder zur Dialyse müssen.

Das war einmal. Den Flohmarkt gibt es seit Jahren nicht mehr; auf dem Siegertsbrunner Christkindlmarkt waren die Regenbogenfrauen 2015 zum ersten Mal nicht mehr vertreten. „Wir haben viel bewirkt“, sagt Heinzl. Um sicherzugehen, dass die Spenden auch dorthin fließen, wo sie hin sollen, haben die Frauen Kinder in Krankenhäusern immer wieder besucht. Heinzl zeigt ein Dankesfotoalbum her, das sie von Spina-bifida-Patienten geschenkt bekommen hat. Auf den Fotos sind Mädchen und Buben im Rollstuhl zu sehen, die einen Ausflug machen. Sie lachen. Denken nicht an die Krankheit. Dürfen für Momente das spüren, was für viele Kinder selbstverständlich ist: Unbeschwertheit. „Da geht einem das Herz auf“, sagt Heinzl, Mutter dreier Kinder und bald vierfache Oma.

Demütiger sei sie durch die Regenbogen-Arbeit geworden. Und dankbarer. Außerdem hat Heinzl Freundinnen fürs Leben gefunden. Einmal im Monat treffen sich die Regenbogenfrauen weiterhin. Sie tauschen alte Flohmarkt-Geschichten aus, sprechen darüber, wie es den Kinder wohl geht. Trotz aller Wehmut freut sich Heinzl jetzt, mehr Zeit mit ihren Enkeln verbringen zu können. Nicht ängstlich, aber mit wachem Auge passt sie auf sie auf. Gesundheit, und das weiß Heinzl aus 25 Jahren Beschäftigung mit kranken Kindern, sei nicht selbstverständlich und könne von einer Sekunde auf die andere zerbröseln.

Veronika Jordan

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