Regisseur Curt Linda gestorben

Aschheim - Aschheim - Der Trickfilmpionier Curt Linda ist im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Aschheim verstorben. Er war Produzent, Regisseur und der letzte Verfechter des klassischen Zeichentrickfilms. Der Film war sein Leben.

Künstlerisch gebildet und technisch begabt, gelang es Curt Linda, seine Phantasie in filigrane, liebevoll gezeichnete Einzelbilder umzusetzen. Er wurde 2001 mit dem Ehrenpreis "Deutscher Filmpreis in Gold" für herausragende Verdienste für den deutschen Film ausgezeichnet und erhielt 2000 die Medaille "München leuchtet" für sein Lebenswerk.

1919 kam er als Sohn eines Schauspielers im tschechischen Budweis, im damaligen Böhmen, zur Welt. Im Unterschied zu den heutigen computeranimierten Zeichentrickfilmen waren seine Filme handgemacht. Sein Team zeichnete und kolorierte 24 Bilder pro Filmsekunde -für seinen fünften und letzten Kinofilm "Die Zauberflöte" über 400 000 Einzelbilder.

Linda entwickelte mit seiner Chef-Animateurin die Figuren, schrieb die Drehbücher, formte minutiös die Szenen und trieb das Geld für seine Projekte auf. Nach Aschheim zog er aus praktischen Erwägungen: Das Kopierwerk, mit dem er zusammenarbeitete, war damals in Unterföhring. So hatte er es näher, wenn er die produzierten Bilder am nächsten Tag als Muster ansehen wollte.

1962 eröffnete er sein Filmatelier im Hinterhof eines Jugendstilhauses in der Ainmillerstraße 22 in Schwabing. Linda wollte nicht nur gefälligen Klamauk machen, sondern seine kleinen Zuschauer unterhalten und zugleich bilden. Er produzierte Dutzende Kurzfilme, teilweise auch fürs Fernsehen, "Geschichten aus der Geschichte"; "Märchen der Völker" oder "Opera presto", das waren 13 Opern in einer Länge von jeweils zehn Minuten. "Die Konferenz der Tiere" nach dem Buch von Erich Kästner machte ihn berühmt. Der Film kam 1969 ins Kino und war in Deutschland der erste abendfüllende vollanimierte Zeichentrickfilm in Farbe. Obwohl dieses Plädoyer für den Frieden kein Kassenschlager zu werden versprach, hatte der Film im In- und Ausland großen Erfolg.

1992 produzierte er den beliebten Kinderfilm "Das kleine Gespenst" nach dem Buch von Otfried Preußler.

Curt Linda hatte einen pädagogischen Anspruch an seine Arbeit und blieb seinem Stil der subtileren Darstellung und der leiseren Töne treu, statt seine jungen Zuschauer mit vielen knalligen Bildern zu überfluten.

Sein letzter Film war "Die kleine Zauberflöte", deren Produktion fünf Jahre dauerte. Im Mozarttakt erzählt er die Geschichte des strahlenden Prinzen Tamino und dessen bayerisch grantelnden Gefährten Papageno.

Das Kinovirus hat ihn nie los gelassen. "Es fiel ihm unendlich schwer", erzählt seine Frau Barbara, "als er mit 79 Jahren sein Studio aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste." Dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main hat Linda sein gesamtes Archiv geschenkt, zwei 7,5-Tonner, gefüllt mit Schneidetischen, technischen Geräten, Entwürfen.

Gestern wurde Curt Linda im engen Familienkreis auf dem Nordfriedhof in München beigesetzt.

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