Reiters Direktanruf aus dem Weltall zeigt Verbundesheit zur Uni

Neubiberg - Dem Astronauten Thomas Reiter ist von der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der Bundeswehr-Universität in Neubiberg die Ehrendoktorwürde verliehen worden.

Dass der Kontakt zur Bundeswehr-Uni, wo Reiter den Grundstein für seine einzigartige Karriere gelegt hatte, nie abgerissen ist, zeigt eine Episode bei der MIR-Mission 1995, die Professor Bernd Häuser in seiner Laudatio erzählte. Als Reiter die Möglichkeit hatte, sich mit einem Direktanruf telefonisch aus dem Weltall zu melden, wählte er eine Nummer in Neubiberg - die vom Gründer des Instituts der Luft- und Raumfahrttechnik, dem 2002 verstorbenen Professor Leonhard Fottner. „Spätestens da hat sich Ihre Verbundenheit mit unserer Universität manifestiert“, so Häusler. „Wir sind stolz darauf, Sie als äußerst kompetenten Vermittler komplexer Zusammenhänge der Raumfahrttechnik und Wissenschaft auszeichnen zu dürfen.“

In knapp einer Stunde tauchte Reiter danach ein in die Welt jenseits der Erdatmosphäre, erläuterte die Bedeutung der über 300 zivilen Kommunikations-Satelliten für Live-Übertragungen von der Fußball-WM ebenso wie das Engagement Deutschlands auf der ISS („Bei der Nutzung haben wir mit 40 Prozent der Experimente eine Führungsrolle“) oder Details zu neuen Satellitenprojekten. „TandemX“ zum Beispiel (wir berichteten) liefert bald hoch aufgelöste Bilder in einem breiten Abtaststreifen, „Bird“ etabliert sich als System zur Waldbrandfrüherkennung. Was Reiter vermisst, ist aktuell eine Ausrichtung der Politik: „Es fehlt eine nationale Raumfahrtstrategie Deutschlands mit klaren Missions- und Technologiezielen“, so das Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik. Grundsätzlich aber sei die Bundesrepublik „gut vorbereitet, um auch künftig eine gestaltende Rolle einzunehmen“.

Zur Person:

Thomas Reiter (52) schloss 1982 sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg ab. Es folgte die Ausbildung zum Jet-Piloten, u.a. auf der amerikanischen Luftwaffenbasis Sheppard in Texas. 1982 wurde Reiter ins Astronautenkorps der ESA berufen, 1995 zum Bordingenieur der russischen Raumstation MIR, wo er 179 Tage im Weltall verbrachte. 2006 folgte die Langzeitmission auf der Internationalen Raumstation ISS (Foto: ESA) mit 171 Tagen im Weltall. 2009 wurde Reiter zum Brigadegeneral ernannt.

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