Gerader Fluss, gerade Natur: Die Isar unterhalb der Garchinger Brücke.

Renaturierung läuft: Mehr Freiheit für die Isar

Ismaning - Stefan Fach gab sich alle Mühe, die Bedenken der Ismaninger Bürger zu zerstreuen. „Natur ist Dynamik, der starre Zustand der Isar vom Menschen gemacht. Wir müssen etwas tun", sagte der Fachbereichsleiter „Wasserbau und Gewässerentwicklung" im Wasserwirtschaftsamt München bei der Infoveranstaltung im Kulturzentrum Seidlmühle. Im Oktober beginnt unterhalb der Garchinger Brücke die Renaturierung der Isar, Zug um Zug geht es auf Ismaninger Gemeindegebiet weiter.

Die befestigte Uferverbauung wird beseitigt, entfernte Betonplatten werden zerkleinert und wieder eingebracht, zahlreiche Bäume im Verlauf der Arbeiten gefällt. Das Thema sei in den vergangenen Jahren kontrovers diskutiert worden, das Verständnis jedoch immer da gewesen, sagte Ismanings Bürgermeister Alexander Greulich (SPD). „Wenn sich die Flussbette ausweiten, schaffen wir neue Biotope, tun aber auch etwas für das Naherholungsgebiet Isarauen“, sagte er. Klares Ziel der Gemeinde sei es jedoch, die ufernahen (Rad-)Wege zu erhalten und nach eventuellen Hochwassern zeitnah wiederherstellen zu lassen. „Das Ganze wurde vor rund vier Jahren genehmigt.“ Wie eine solche Isar-Renaturierung in etwa aussehen kann, wissen die Ismaninger spätestens nach Fertigstellung der Rauen Rampe an der ehemaligen Großen Schwelle (wir berichteten), im Juli besichtigten Mitglieder des Gemeinderats zusammen mit Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamts im Mühltal ähnliche Maßnahmen im Mühltal, machten sich ein Bild vom ökologischen und flussbaulichen Nutzen.

„Sie nehmen den Isarauen auch Lebensraum weg. Und Sie stehen unter Zeitdruck, weil Sie die Gelder von Eon-Bayernwerk ausgeben müssen“, kritisierte Ismanings ehemaliger Dritter Bürgermeister Walter Stenner (CSU, der unter den Zuhörern saß. Letzteres sei kein Grund, sagte Stefan Fach: Schließlich gebe man „viel mehr Geld“ aus, zudem habe Eon schon angefragt, ob man die Zahlungen womöglich über 2021 hinaus strecken könne. Ein bisschen zwischen den Stühlen sitzt Försterin Maria Reuther. Sie sagt, „die Managementpläne von Wasser und Wald widersprechen sich in Teilen“ und saß, gemeinsam mit Greulich, dem Umweltbeauftragten Ulrich Hilberer, Fach sowie dessen Kollegen Stephanie Winkelmann und Michael Hopfner, auf dem Podium. Reuther hätte sich gewünscht, man hätte mit den Plänen dort angesetzt, „wo die Isar raus will, nicht dort, wo die Isar raus soll“ - sie nannte ein paar Stellen, zum Beispiel am Parkplatz an den beiden Brücken an der B 471. „Das ist auch unser Ziel“, entgegnete Stephanie Winkelmann mit dem Verweis auf „unterschiedlichste Restriktionen“ und den Kompromiss des Beschlusses aus dem Jahr 2007. „Es ist alles in enger Abstimmung geschehen, dass da kein falscher Zungenschlag entsteht“, ergänzte Greulich. Wenn ein neues Verfahren angestoßen werde, passiere die nächsten zehn Jahre nichts, sagte Fach. „Jetzt haben wir das Recht, und für die Natur ist es besser, sofort einzugreifen.“

Die Befürchtungen aus den Reihen des Publikums - unter anderem von Klaus Thoma, Sprecher der Bürgergemeinschaft für Landschaftspflege in Ismaning, dass die Wege am Ufer zu lange überschwemmt würden, der Mensch die Natur nicht mehr in dem Maße nutzen könne, nahm Stefan Fach sehr ernst. „Wir legen einen Korridor fest, in dem sich die Isar frei bewegen kann. Irgendwann geht’s nicht mehr weiter. Der Hochwasserschutz hat erste Priorität.“ Garchings Zweiter Bürgermeister Alfons Kraft (BfG) denkt darüber nach, die historische Treppe an der Isar in Stand zu setzen. „Vielleicht brauchen wir die Fähre wieder, wenn’s mit der Brücke nicht geht“, sagte dazu Greulich und lachte.

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