+
Walter Fölsner, Wieland Geisel und Josef Euringer (v.l.) sind die Gowirich-Stars.

Gowirich-Casting

Das Rennen machen drei Mannsbilder

Garching - Ein Casting und drei Sieger? Das gäbe es bei Heidi Klum sicher nicht. Aber die Stadt Garching hat ja auch kein Top-Model gesucht, sondern einen Gowirich. Nun sind’s gleich drei geworden – alles gestandene bayerische Mannsbilder.

Der gezwirbelte Schnauzer ist schon lange das Markenzeichen von Wiland Geisel. Doch seit Weihnachten sprießt darüber hinaus in seinem Gesicht ein Vollbart – anfangs in zarter Dreitagesoptik, inzwischen durchaus stattlich. „Na, wie siehst Du denn aus?“, begrüßte Stadtrat Salvatore Disanto den in Garching stadtbekannten Geisel unlängst und deutete lachend mit dem Finger auf dessen buschige Gesichtsbehaarung. Doch Geisel, alteingesessener Garchinger und Sohn des langjährigen Ortschronisten Odward Geisel, hat weder seinen Rasierer verlegt, noch hat sein neuer Vollbart modische Hintergründe. Vielmehr bereitet sich der 48-Jährige schon jetzt auf seine Rolle als Gowirich vor. Denn zusammen mit Josef Euringer und Walter Fölsner ist Wiland Geisel als Sieger aus dem Casting der Stadt Garching hervorgegangen. Dieses Trio wird im laufenden Jubiläumsjahr anlässlich des 1100. Geburtstags bei Veranstaltungen in der Gestalt von Gowirich auftreten, dem bajuwarischen Namensgeber von Garching (siehe Kasten). „Weil eine Person mit dieser Aufgabe überfordert wäre, haben wir uns für mehrere Gowirichs entschieden“, erläuterte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) bei der Vorstellung der Auserwählten. „Durch ihre Präsenz im Ort werden sie das Bewusstsein für das Festjahr in die Bevölkerung hinaustragen.“ Beispielsweise sei angedacht, so Gruchmann, dass die drei Gowirichs die Einladungen für den Festakt am 18. April persönlich verteilen – also im Stile von Politikern per Klingelmarathon durch die Straßen ziehen. Selbstverständlich soll das Trio hierfür in die maßgeschneiderten Gowirich-Kostüme schlüpfen, eine Anfertigung der Münchner Schneiderin Veronika Schrallhammer. Die meisten Garchinger freilich dürften das Trio trotz dieser Verkleidung sofort erkennen, schließlich sind sie alle weithin bekannt. Josef Euringer, 54, lebt seit 25 Jahren hier und kennt das Häuserabklappern durch seine Arbeit als Kaminkehrer. Darüber hinaus saß er bis zur Kommunalwahl im Stadtrat. „Aus Verbundenheit mit Garching“ habe er sich für den Gowirich-Job beworben, sagt Euringer Der dritte im Bunde ist sogar ein gebürtiger Garchinger: Walter Fölsner – Urenkel eines früheren Bürgermeisters – kennt den Ort noch als Bauerndorf. Er arbeitet seit mehr als vier Jahrzehnten auf dem Forschungsgelände und ist Mitglied in mehreren Vereinen – allen voran bei den Eintracht-Schützen, wo er 40 Jahre im Vorstand saß. „Ich habe lange überlegt, ob ich mich bewerben soll“, sagt Fölsner. „Aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben.“ Insgesamt seien bei der Stadt fünf Bewerbungen eingegangen, erzählt Karin Schrödel vom Festausschuss. „Ich denke, dass wir mit diesen Kandidaten einen super Querschnitt haben.“ Seinen ersten offiziellen Auftritt hat das Trio beim Festakt am 18. April. Danach sollen die drei Gowirich-Darsteller, die diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen, bei verschiedenen Veranstaltungen mitwirken – allen voran beim historischen Festzug am Sonntag, 5. Juli.

Von Patrik Stäbler

Auch interessant

Kommentare