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Auf dem Gebetsteppich stehend, bekommt der Gläubige vom Zeichentrick-Imam Anweisungen.

Firma Motius

Richtig beten mit dem Zeichentrick-Imam

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Garching - Ein intelligenter Gebetsteppich, eine Gestensteuerung fürs Auto oder eine Backmaschine für Chubz-Brot: Die junge Firma „Motius“ auf dem Garchinger Campus ist eine wahre Ideenschmiede – mit besonderen Beziehungen zum Oman.

Hamza Mattoussi kniet auf der hellblauen Gebetsmatte und beugt sich nach vorne, sodass Stirn, Nase und Handflächen den Boden berühren. Einen Moment lang hält der 25-Jährige inne, dann blinkt ein goldener Stern auf dem Tablet-Computer vor ihm auf. „Siehst du, jetzt habe ich’s richtig gemacht“, sagt Mattoussi zufrieden, richtet sich auf und seinen Blick zurück auf den Bildschirm, wo ein Zeichentrick-Imam im weißen Gewand schon die nächste Gebetshaltung vorführt.

Der Student bräuchte diese Anleitung eigentlich nicht – schließlich hat Mattoussi die rituellen Abläufe des muslimischen Gebets schon als Bub gelernt, in seiner Heimat Tunesien, im Religionsunterricht in der ersten und zweiten Klasse. Den tieferen Sinn der fest vorgeschrieben Gebetshaltungen und Gebetstexte habe sich ihm damals aber noch nicht erschlossen, räumt er freimütig ein. „Und die Art und Weise, wie uns das beigebracht wurde, war ziemlich langweilig. Das hatte eher was von Hausaufgaben, die man machen musste.“

Auftrag eines Religionslehrers aus dem Oman

Ähnlich wie damals dem jungen Hamza geht es heute vielen muslimischen Kindern, was einen Religionslehrer aus dem Oman auf eine Idee gebracht hat: Er will seinen Schülern die Abläufe beim Gebet spielerisch vermitteln – mithilfe des Computers. Wie das aussehen kann, daran tüftelt zurzeit die Firma „Motius“ in Garching, deren Produktmanager Hamza Mattoussi ist.

Fünf Studenten gründen das Startup

Doch der Reihe nach: „Motius“ ist ein Startup, das fünf Studenten im Jahr 2012 aus der Taufe heben. Das Quintett besucht damals ein Programm an der UnternehmerTUM in Garching, dem Zentrum für Unternehmensgründung der TU München. „Wir haben uns super verstanden, und bald war klar, dass wir zusammen eine Firma aufbauen wollen“, erzählt Michael Sauer, einer der fünf Studenten. Ihre Idee: eine Firma für Ingenieursdienstleistungen, spezialisiert auf die Entwicklung neuer Produkte. „Unsere Auftraggeber kommen mit einer Grundidee zu uns, und wir erarbeiten dann gemeinsam einen Prototyp oder eine Software“, erklärt Sauer. Das Besondere daran: Neben ihren 14 Mitarbeitern greift die Firma für Projekte auf Studenten und Doktoranden zurück – vornehmlich von der TU. 550 Namen stehen in der „Motius“-Datenbank. Benötigt die Firma für ein Projekt Unterstützung, so kann sie gezielt ein Team aus Informatikern, Maschinenbauern oder Elektrotechnikern zusammenstellen. 

Aufträge auch von BMW und Bosch

In der Anfangszeit will sich das Startup eigentlich auf den Markt im Oman konzentrieren, da einer der Gründer aus dem Land stammt und dort Kontakte geknüpft hat. „Im Oman steht Ingenieursarbeit Made in Germany hoch im Kurs“, weiß Sauer, dessen Firma in der Hauptstadt Maskat ein eigenes Büro unterhält.

Doch schon bald werden auch deutsche Firmen bei „Motius“ vorstellig: Für BMW entwickelt das Startup eine Gestensteuerung in Fahrzeugen; für Bosch tüftelt „Motius“ an einer intelligenten Waschmaschine, die sich per App steuern lässt. Warum solche Konzerne diese Aufträge nicht an ihre eigene Innovationsabteilung vergeben? „Ich glaube, sie schätzen unseren anderen, jungen Blick auf die Dinge“, sagt Sauer. „Wir haben noch nicht den Entwickler-Tunnelblick, den man nach zwanzig Jahren als Entwickler bekommt.“

Zurzeit arbeitet „Motius“ mit gut 40 Studenten an rund einem Dutzend Projekten; der Jahresumsatz sei siebenstellig, verrät Sauer. 

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