Bestens unterhalten: Gut 400 Besucher lassen sich das Starkbier schmecken. Größtenteils hatten sie sich ihre Karten schon im Sommer gesichert. Fotos: Robert Brouczek

Ritter und Putzfrau schenken kräftig ein beim Starkbierfest

Taufkirchen - Auf dem Nockherberg wird am Mittwoch die Fastenzeit eingeläutet - in Taufkirchen hat sie schon am Wochenende begonnen beim Starkbieranstich - zum zweiten Mal organisiert vom Förderverein der Freunde des Wolfschneiderhofs.

Ritter Blech von Hilprantingen alias Michael Müller betrachtete mal amüsiert, mal leicht betrübt, was so los gewesen ist in den letzten Monaten in der Gemeinde. Angelika Steidle, Interimsbürgermeistern nach dem Abgang von Jörg Pötke und letztes Jahr als Münchner Kindl auf der Bühne, hatte heuer einen Auftritt als Putzfrau. Gut 400 Besucher, die, wie Moderator und Vereinsvorsitzender Helmut Rösch zufrieden feststellte, sich ihre Karten großenteils schon im Sommer gesichert hatten, fühlten sich im weißblau eingedeckten Saal bestens unterhalten - und ließen sich das Starkbier schmecken.

Das wiederum hatte, nach leichten Anlaufschwierigkeiten, der Rathauschef persönlich angezapft, assistiert von Landrat Christoph Göbel (CSU) in einer roten Schürze, die ihm gut stand. Dabei war Ullrich Sander, seit Mai 2014 im Amt, mit dem Radl vorgefahren zum Fass - als Anspielung darauf, dass Amtsvorgänger Pötke noch immer sein Dienstfahrrad nicht zurückgegeben hat (s.. Bericht oben).

Schon um 19 Uhr waren die ersten Besucher in Schunkel-Stimmung, den Takt dafür gab die Blaskapelle Taufkirchen vor. In seinem letztlich dann doch eher milden Rundumschlag zog Michael Müller mal einzelne Personen durch den Kakao, mal erinnerte er an kleinere Pannen, die die ganze Gemeinde amüsiert haben dürften im letzten Jahr. Etwa, als an Heilig Drei König plötzlich der Brandmelder losging - und keiner so recht wusste, wie man ihn abstellt. Nur weil die Heiligen Drei Könige ein wenig mit dem Weihrauchfass gewedelt hatten. Dem Krieger auf seinem Denkmal, darauf ging er auch ein, haben in der Gemeinde Unbekannte den Säbel entrissen, und die Burschen, bemängelte er, haben immer noch keine Bleibe gefunden: „Dass im Dorf was zamgeht, verdanken wir immer wieder unseren Burschen.“

Der Ritter, der einen einer Rüstung nachempfundenen Umhang samt Haube trug, machte sich außerdem lustig über den leicht veralteten Internetauftritt der CSU, hielt Sander nochmal seine verunglückte Rede beim Neujahrsempfang vor, die im Zusammenhang mit den auch in Taufkirchen aufzunehmenden Asylbewerbern den Satz enthielt: „Die Menschen hier haben gearbeitet, damit es ihnen gut geht und nicht, damit sie den Rest der Welt versorgen.“ Dazu meinte Blech lapidar: „Die besten Sätze sind immer die, die ein Bürgermeister nicht sagt.“ Ohnehin sei Sander, machte er weiter, wegen der geringen Wahlbeteiligung ja eigentlich nur von einem Viertel der Bevölkerung gewählt worden, „Du bist nur bis zum Hals Bürgermeister.“

Weitere Themen: der dritte Bürgermeister der Gemeinde, überraschend ein Grüner, der an den ungeschickten Freien Wählern vorbeizog, die Gastronomie im Ritter Hilprand-Hof, die das Kulturamt in Gestalt von „Benjamin Blümchen“ sich allzu abgehoben wünsche: „Ihr Ratlosen, wovon träumt Ihr eigentlich nachts?“ Auch auf die Hadertauer-Affäre war er kurz eingegangen („wir haben ein Jahr des Haderns und Hauens hinter uns“), Müller schloss: „Bürger, Knechte, Mägde, Bauern, setzt auf das Fähnlein von uns Rittern, dann kann Euch die Zukunft nicht erschüttern. (… ) Stehet stets füreinander tapfer ein, dann braucht Euch auch nicht bange sein.“

Angelika Steidle als Putzfrau rümpfte erstmal die Nase über die Anglizismen, die längst Einzug gehalten haben im deutschen Sprachgebrauch. Warum man „Sale“ sage statt Schlussverkauf, sie fragte: „Wo bleibt der Nationalstolz?“ Zog dann lustvoll über Leute her, die in S- und U-Bahn zwar nicht mehr miteinander reden, aber gern laut telefonieren. Wischte zwischendurch das Rednerpult ab, meinte dann augenzwinkernd: „Ich bin ja so froh, dass wir wieder einen Bürgermeister haben, der von der Verwaltung was versteht, ich frag mich, was vor ihm die Steidle eineinhalb Jahre gemacht hat.“ Die habe offenbar viel angefangen, aber wenig beendet, weshalb Sander, kaum im Amt, erstmal drei Wochen Urlaub brauchte. Ihr folgten nach auf der Bühne: das Unterschwillacher Bauernballett, eine fünfköpfige Formation, die schon im Fernsehen zu sehen war, sowie die Gstanzlsängerin Renate Maier, die das Publikum ebenfalls routiniert unterhielt. ak

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