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Nichts geht mehr: Eine S-Bahn der Linie 3 ist aus den Schienen gesprungen.

Nach Unfall in Sauerlach

S-Bahn entgleist – das Krisenmanagement auch

  • Dirk Walter
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Deisenhofen - Ein Auto rutscht auf die Gleise, die Fahrerin rettet sich, aber eine S-Bahn rauscht dagegen und entgleist. So geschehen am Mittwoch Abend. Der Unfall brachte auch das Notfallmanagement der Bahn ins Schleudern.

Gedränge am Bahnhofsvorplatz von Deisenhofen (Kreis München) am Mittwoch Abend kurz vor 21 Uhr. Geschimpfe, Fluchen. Ersatz-Busse kommen nicht, entnervte Reisende kämpfen um Taxis.

Und das zweieinhalb Stunden nach dem Unfall. Was war passiert? Wie berichtet, war eine 64-jährige Autofahrerin gegen 18.15 Uhr bei Sauerlach mit ihrem Wagen beim Abbiegen auf das Gleis geraten. Als eine S 3 nahte, sprang sie noch aus dem Wagen. Doch die S-Bahn mit über 20 Fahrgästen konnte nicht mehr bremsen. Der Mercedes wurde total demoliert, und auch das vordere Drehgestell der S-Bahn sprang aus den Schienen. Verletzt wurde niemand – die Folgen waren trotzdem gravierend. Die zweigleisige Bahnstrecke ist ein Nadelöhr ins Oberland. Der Abschnitt Deisenhofen-Holzkirchen wurde komplett gesperrt, die nach Hause strömenden Pendler strandeten in Deisenhofen.

Eigentlich, so war es in der Bayerischen Oberlandbahn durchgesagt worden, hätten am Bahnhofsvorplatz nun Busse nach Holzkirchen bereit stehen müssen. Hätten – mit jeder eintreffenden S-Bahn und BOB aus München wurde die Reihen der Reisenden dichter. Busse fuhren erst später – „wir haben zunächst nur Taxis bekommen“, räumt ein Bahnsprecher ein. Das Problem dabei: Keiner wusste, wo der Schienenersatzverkehr (SEV) abfahren sollte. Zwar kamen die Autos im Fünf-Minuten-Takt. Doch die meisten, die da im kalten Nebel standen, wollten nicht unbedingt 30 bis 40 Euro für die Fahrt zahlen. Bis dann endlich zwei Bahner mit orangefarbenen Warnwesten erschienen und die Fahrgäste in die Taxis lotsten. Auf die Frage, wann denn der SEV käme, kam die schlichte Antwort: „Das ist der SEV.“

Dann begann das Gerangel um die begehrten Plätze. Obwohl nach Angaben eines Bahnsprechers insgesamt 40 Taxis auf der Strecke im Einsatz waren, reichten die Plätze nicht aus. Teilweise wurde auch mit Ellenbogen um die Fahrten nach Sauerlach, Otterfing und Holzkirchen gerungen. Besonders dreist: Auch einige Taxis, die nicht zum SEV dazugehörten, mischten sich ins Geschehen. Wer hier einstieg, musste natürlich normal bezahlen, was einige Fahrgäste in ihrer Not auch in Kauf nahmen.

Lautsprecher-Durchsagen waren den Abend über rar. Und wenn, dann waren sie zu leise, wie man noch um 22 Uhr am Bahnhof Holzkirchen feststellen konnte. Dort saßen dann die meisten der aus München eintreffenden Pendler erneut geraume Zeit fest. Zwar hatte die BOB einen Pendelverkehr eingerichtet, der aber nur mit Verspätungen funktionierte. Reisezeiten von drei Stunden und mehr von München ins Oberland waren an diesem Abend keine Seltenheit.

Wer am Abend in der Gegenrichtung unterwegs war, hatte ebenfalls Pech: Denn die Quer-Verbindung Deisenhofen-Solln-Harras-Donnersbergerbrücke war von der Bahn kurzerhand gestrichen worden – nur die S 3 fuhr von Deisenhofen Richtung Ostbahnhof.

Während die verunglückte S-Bahn am Donnerstag früh von einem Kran ins Gleis gehoben wurde und selbständig zum Betriebswerk Steinhausen fahren konnte, zog sich die Reparatur an verbogenen Schienen und Schwellen länger hin. Am Donnerstag rollte der Verkehr nur einspurig. Gestern Nacht sollte dann der Schaden wieder komplett behoben werden.

Sebastian Grauvogl / Dirk Walter

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