S-Bahn koppelt die Ayinger Ortsteile ab - 514 Protestunterschriften

Aying - S-Bahn-Kunden aus Aying sehen sich vom MVV ausgebremst. Der seit dem 15. Dezember gültige, neue Fahrplan beschert den Einwohnern gleich dreier Ortsteile spürbare Verschlechterungen: Acht Züge lassen die Gemeinde teils zu Hauptverkehrszeiten links liegen (wir berichteten).

Unterstützt vom Bund Naturschutz, Agenda 21 Aying, der Initiative „S7Ost-plus“ sowie der Gemeinde selbst wenden sich die Betroffenen in einem dringenden Appell an den Landkreis München. Dem dreiseitigen Protestschreiben ist eine von 514 Ayingern unterzeichnete Unterschriftenliste beigefügt.

SPD-Landratskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche übermittelte den Bürgerprotest ihrer amtierenden Landrätin. In dieser Angelegenheit allerdings sind Johanna Rumschöttel (SPD) in Ermangelung einer Zuständigkeit die Hände gebunden. Für den S-Bahnbetrieb ist der MVV zuständig, für den Schienenpersonennahverkehr die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG).

Landrätin Johanna Rumschöttel versprach dennoch, ihr Möglichstes zu tun. Sie wolle sich darum bemühen, den Protest mit dem gebotenen Nachdruck an die richtige Adresse zu leiten, die BEG sowie den MVV. Auch die CSU-Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer-Stäblein hat sich schon für die Ayinger S-Bahnfahrgäste eingesetzt (wir berichteten).

„Entsetzt, enttäuscht und erzürnt“ äußern sich die besonders hart betroffenen Einwohner des Ayinger Ortsteils Peiß, künftig von acht Zügen „links liegen gelassen“ zu werden. Dürrnhaar beklagt den Verlust von sechs Verbindungen. In Großhelfendorf sind es drei. Vor allem die in den Hauptverkehrszeiten morgens und am Nachmittag wegfallenden fünf Züge machen Schülern und Pendlern erheblich zu schaffen. Zumal die Reduzierung des Verkehrsangebots in einem „eklatanten Widerspruch“ zu den vorgeblichen Bemühungen der Staatsregierung und ihrem im Mai 2012 beschlossenen „13 Punkte-Sofortprogramm für besseren Nahverkehr der Metropolregion München“ stehe. Die Unterzeichner hatten gehofft, signifikante Verbesserungen erfahren zu dürfen. Nun müssten sie stattdessen „gravierende Mängel im S-Bahnbetrieb“ erdulden.

Die offizielle Begründung der BEG, wonach die Ayinger doch bitteschön Rücksicht nehmen sollen auf, wie es heißt, „betriebliche Probleme des neuen Betreibers der Mangfallbahn“, habe das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Dass sich die Abfahrt ihrer S-Bahnen vom künftigen Knotenpunkt „Kreuzstraße“ in Richtung München aufgrund von BEG-Schwierigkeiten um eine Minute verzögert, sieht man in Aying nicht ein.

Als nicht minder absurd betrachten die Unterzeichner, dass die Fahrt durch ihr Gemeindegebiet volle vier Streifen kostet. In dem Zusammenhang verweist die Initiative „S7Ost-plus“ auf einen vom Landkreis beschlossenen „Präzedenzfall“. Mit der Zustimmung zum Nahverkehrsplan war Ottendichl (Gemeinde Haar) seinerzeit eine Tarifstufe herabgesetzt worden, um Fahrgästen ein vergleichbares Schicksal zu ersparen. Im Sinne der gebotenen Gleichbehandlung möge man das Gemeindegebiet Aying künftig ebenfalls als Kurzstrecke werten.

Bereits 1973 sei den Ayingern zugesagt worden, die Strecke bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn zweigleisig auszubauen, die Verbindung dadurch zu optimieren. „Seit 41 Jahren leben wir mit einem Provisorium“, heißt es in dem Schreiben. Dabei soll das Fahrgastaufkommen südlich Höhenkirchen-Siegertsbrunn seitdem um 50 Prozent gestiegen sein.

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