24.3.2015 Krähenplage in Taufkirchen Fötö: Reinhard Kurzendoerfer
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Um den Schlaf gebracht fühlen sich Anwohner in Taufkirchen von den rund 240 Saatkrähen, die sich mittlerweile vor allem in der südlichen Waldstraße angesiedelt haben.

10.000 Euro für Vergrämung

Saatkrähen sollen verscheucht werden

Taufkirchen - Lärm in der Brutzeit, enorme Verschmutzung von Gehwegen und Parkplätzen, und es werden immer mehr: Saatkrähen. Taufkirchen geht nun gegen die Vögel vor.

Im Kern drehte sich die hitzige Diskussion im Gemeinderat darum, ob die Krähen erfolgreich vergrämt – also umgesetzt werden – können oder ob die Menschen den Vögeln Platz zum Leben lassen sollten. „Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, die stetige Zunahme, bekommen wir mit den dort wohnenden Menschen wirklich Probleme“, positioniert sich der Zweite Bürgermeister Alfred Widmann (SPD). Seine Parteikollegin Rosmarie Weber berichtete von Schlaflosigkeit der Anwohner, vor allem in der Brutzeit der Krähen von Februar bis Juni. Das gilt vor allem für die Bewohner im südlichen Teil der Waldstraße. Hier sind die Nester der Saatkrähe bis zu 20 Meter nah am Haus. 

Dagegen wetterte Beatrice Brückmann von der ILT: „Das ist doch ein menschengemachtes Problem. Wir nehmen ihnen den Lebensraum, sind aber eigentlich verantwortlich dafür, sie zu schützen.“ 

So stellte die ILT einen Antrag, die Gewofag dazu zu bringen, vor allem in den Schafzimmern schalldichte Fenster einzubauen. Seit den Jahren 2013 und 2014 hat sich die Saatkrähenpopulation von etwa 60 auf 120 Paare verdoppelt. 

Christine Schwarzmüller vom Umweltamt betont aber, dass die Kolonie nicht durch eine biologische Vermehrung angewachsen ist, sondern durch „Zuzug“ aus anderen Gemeinden. Denn nur 80 bis 90 Prozent der Brut der Saatkrähen überleben das erste Lebensjahr. Die Krähen sind besonders geschützt und dürfen, wenn überhaupt, nur mit einer Ausnahmegenehmigung für eine Vergrämung versetzt werden. 

„Eine Vergrämung bringt allerdings keinen voraussagbaren Erfolg mit sich, es gibt noch kein gelungenes Beispiel“, sagt Schwarzmüller. „Man verlagert eher das Problem. Es können sich Splitterkolonien bilden, die sich dann wieder woanders niederlassen. Alles mit ungewissem Ausgang.“ 

Bei einer Vergrämung werden zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Brutzeit die Nester, in denen aber noch keine Eier liegen dürfen, in einen anderen Baum versetzt. Dieser Vorgang müsste aber jedes Jahr wiederholt werden. Kosten für die Entfernung und eine Bestandaufnahme der Nester liegen bei etwa 10 000 Euro pro Jahr. 

Trotz des ungewissen Ausgangs hat der Gemeinderat einen Antrag auf Ausnahmeregelung für eine Vergrämung der Nester im südlichen Teil der Waldstraße beschlossen. Nur die Grünen und ILT stimmten dagegen. Der Antrag auf schalldichte Fenster wurde nicht befürwortet. Das letzte Wort hat nun die Regierung von Oberbayern.

Isabella Lauber

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