Sandra Zumpfe (42) mit Ehemann Matthias. Die 42-Jährige erhielt von ihm eine Spender-Niere.
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Sandra Zumpfe (42) mit Ehemann Matthias. Die 42-Jährige erhielt von ihm eine Spender-Niere.

Medikamente verhindern Wirkung

Keine Antikörper im Blut, trotz doppelter Biontech-Spritze - Münchnerin mit dringendem Appell

  • Katharina Haase
    VonKatharina Haase
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Sandra Zumpfe (42) aus Haar bei München hat bereits zwei Corona-Impfungen erhalten. Dennoch finden sich kaum Antikörper in ihrem Blut. Dabei gilt sie als extrem gefährdet.

Haar - Sandra Zumpfe hat gesundheitlich schon viel mitgemacht in ihrem Leben. Die 42-Jährige hat bereits zwei Organtransplantationen hinter sich. Damit ihr Körper die neuen Organe nicht abstößt, muss Zumpfe täglich Medikamente nehmen. Dies hat nun jedoch fatale Folgen.

Seit März 2020 ist für Sandra Zumpfe nichts mehr, wie es war. Die 42-jährige Erzieherin aus Haar bei München zählt aufgrund ihrer Vorerkrankungen zur Hoch-Risikogruppe, wenn es um eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus geht. Die 42-Jährige war deshalb sehr erleichtert, nachdem sie im April ihre zweite Biontech-Impfung erhalten hatte. Doch nun stellten die Ärzte fest: Zumpfes Körper hat kaum Antikörper gebildet. Für die 42-Jährige ein Schock.

Immun gegen Corona-Impfung: Sandra Zumpfe hat keine Antikörper im Blut - trotz doppelt Biontech

Bereits als Zumpfe acht Jahre alt war, diagnostizierten Ärzte bei ihr einen unheilbaren Herzfehler. Im Alter von 34 nehmen die Probleme bei ihr zu, sie hat ständig Herzrhythmusstörungen, schließlich ersteift ihr Herzmuskel. Nach einem halben Jahr des bangen Wartens erhielt sie im März 2013 ein Spenderherz. Doch die Operation schwächte ihren Körper enorm, ihre Nieren versagten. Viereinhalb Jahre später, im August 2017 folgt also eine zweite Organtransplantation. Der Spender diesmal: Ehemann Matthias.

Die beiden neuen Organe ermöglichen Zumpfe wieder ein normales Leben. Jedoch mit einer enormen Einschränkung: Damit ihr Körper die fremden Organe nicht abstößt, muss Zumpfe täglich Medikamente nehmen. Die unterdrücken, dass ihr Immunsystem die Fremdkörper bekämpft. Die Unterdrückung des Immunsystems macht Zumpfe allerdings besonders anfällig für Infektionen.

Sandra Zumpfe bekam zwei Organe transplantiert: Medikamente schwächen ihr Immunsystem

Die Corona-Pandemie bedeutet für die 42-Jährige daher eine besonders schwere Zeit. „Ich mache nicht mehr viel“, sagte sie Anfang Juni 2021 im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Sie teile das Leid aller Transplantierten. Die Impfung gegen das Virus erschien ihr deshalb als großer Lichtblick. Bereits im Februar erhielt sie die erste Biontech-Dosis, erzählt sie in der BamS. Im April folgte die zweite Impfung.

Eine Laboruntersuchung ergab nun jedoch: Die Medikamente, die Zumpfe nimmt, damit ihr Körper die fremden Organe nicht abstößt, unterdrücken bei ihr die Immunwirkung des Impfstoffs. Es bildeten sich kaum Antikörper im Blut der 42-Jährigen. Sie ist, wie sie sich selbst bezeichnet, eine „Impf-Versagerin“. Ein Umstand, der sie sehr frustriert - und den sie vermutlich mit zahlreichen anderen Menschen teilt, die ebenfalls mit transplantierten Organen leben.

Sandra Zumpfe fühlt sich als „Impf-Versagerin“ - und appelliert an alle, sich impfen zu lassen

Zumpfe hofft nun, dass bald eine dritte Impfung gestattet wird, damit ihr Körper vielleicht doch noch auf den Impfstoff anspringt. Solange die ständige Impfkommission dies jedoch nicht empfiehlt, bleibt Zumpfe nichts anderes übrig, als sich möglichst vorsichtig zu verhalten, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Vor allem jetzt, nach dem Auftreten der noch ansteckenderen Delta-Variante, muss Zumpfe auf der Hut sein. Damit sie wieder am öffentlichen Leben teilnehmen kann, hofft Zumpfe nun auf das baldige Erreichen der Herdenimmunität in Deutschland. „Ich bitte wirklich alle, die sich impfen lassen können, das auch zu tun!“, so Zumpfe. Sie hoffe sehr, dass auch die Menschen, die noch mit der Impfung zögern, sich bald umentscheiden. Dabei zähle sie auch auf die Politik. Wirtschaftsminsiter Hubert Aiwanger hatte sich erst kürzlich dazu geäußert, sich vorerst nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Ministerpräsident Markus Söder forderte ihn bei einer Pressekonferenz daraufhin auf, sich öffentlich zu erklären. kah

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