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Satire auf Vereinsmeierei und Spießbürgertum

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Tratsch und Intrigen: Das Festkomitee tagt. © Dieter Michalek

Garching – Seine britischen Landsleute lässt der Theaterautor Alan Ayckbourn selten gut aussehen. Das Verhalten der Gentlemen in Tweed und ihrer naserümpfenden Damen gerät in seinen Stücken schnell zur Farce. „Das Festkomitee“ scheint einer Kleinstadt wie Garching auf den Leib geschneidert. Im mit gut 100 Zuschauern voll besetzten Theater im Römerhof brachte die Garchinger „Zeitkind“-Truppe das Stück auf die Bühne.

In einer ganz normalen Kleinstadt tagt ein Festausschuss. Es gilt, das Renommee der vermutlich ziemlich miefigen Kommune zu liften. Das britische Städtchen nennt sich Pendon, und Pendons hervorragendste Bürger sind angetreten, eine Festlichkeit zu organisieren, die ihres Gleichen sucht.

Ray (Holger Schmidt-Lutz), der geborene Vorsitzende, hat zu diesem Zweck eine angeblich historische Begebenheit ausgegraben, die den Feierlichkeiten als Rahmen dienen soll. In „Das Massaker der Zwölf von Pendon“ füsiliert eine Handvoll Adliger eine Schar Aufbegehrender aus der Arbeiterklasse. Dass das historische Massaker dem Festkomitee im Verlauf des Zweiakters zum Spiegel wird, ist früh zu erahnen, bleibt im Detail aber stets überraschend.

Das Besondere an der von der Garchinger „Zeitkind“-Truppe auf die Bühne gebrachten Fassung sind Parallelen, die sich unwillkürlich aufdrängen. In den Tagen, da Garching sein 1100-jähriges Bestehen feiert, mag mancher sich wünschen, mal Mäuschen zu spielen, wenn im Rathaus der Kulturausschuss oder sonstwo ein vom Kulturausschuss initiierter Festausschuss tagen. 

Unter der Regie von Werner Högl ist „Festkomitee“ Gesellschaftssatire und eine von Sarkasmus triefende Anklage von Vereinsmeierei. Aus näselnden Snobs des britischen Bildungsbürgertums sind unter der Regie von Högel Zerrbilder des deutschen Spießbürgertums geworden.

Am Tisch neben dem Vorsitzenden hockt der Bürokrat (Ulrich Luttner), ein Abkömmling des wilhelminischen Beamtentums, der mit 40 noch bei der schwerhörigen Mutter (Rosalie Bauer) lebt. Die Frau des Vorsitzenden (Ulla Hoering) pflegt elitäres Gedankengut und trägt gern Pelz. Vor allem aber hasst sie Trotzkisten. In Ermangelung eines Anhängers der marxistischen Splittergruppe versprüht sie ihr Gift gegen Lehrer Eric (Andreas Mally-Geißbauer), einen waschechten Marxisten, der „Das Massaker der Zwölf von Pendon“ gern revolutionär ausschlachten würde.

Die Freundin (Simone Dirksen) der Frau des Vorsitzenden liebt Schuhe und Marxisten, und Lawrence säuft wie ein Loch. Dass die Lebenspartner des Marxisten und des Schuhe sammelnden Dummchens im Verlauf des Stücks noch ein Wörtchen mitzureden haben, versteht sich von selbst. „Sind Sie wirklich Marxist?“ fragt die Freundin der Frau des Vorsitzenden: „Finde ich toll, wenn es Ihnen Spaß macht,“ kichert sie und flötet: „Ich bin Apothekerin – bis mich jemand bekehrt.“ an

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