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Bei einer Rundtour durch die Stadt hat die Jury geprüft, wie fahrradfreundlich Garching ist. Dabei waren der städtische Fahrradbeauftragte Rudi Naisar (Dritter v.r.) und die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (M.).

Sattelfestes Garching

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Jetzt hat es auch Garching geschafft: Die Stadt darf sich „Fahrradfreundliche Kommune“ nennen.

Garching – Wie dicht der Verkehr rund um Garching ist, und wie dringend die Kommune daher aufs Fahrrad setzen muss – das hat Michael Busch am eigenen Leib erfahren müssen. Der Landrat von Coburg ist Vizevorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) und gehörte jener Kommission an, die vor Ort prüfen sollte, ob die Universitätsstadt das gleichnamige Siegel verdient. Doch zum Treffen in Garching kam Busch verspätet. Der Grund: Er war im werktäglichen Stau rund um München festgesteckt – und das, obwohl er vorsorglich eine Stunde früher losgefahren war.

Was einen direkt zum Garchinger Fahrradbeauftragten Rudi Naisar bringt. Denn der wiederholt ja gerne jenen Satz, den er in den Niederlanden aufgeschnappt hat, einem traditionell fahrradfreundlichen Land: „Da sagen sie immer: Wer das Fahrrad nutzt, der entlastet vor allem die Autofahrer – denn er schafft Platz auf der Straße.“ In Garching sind der SPD-Mann Naisar und seine Stadtratskollegen schon seit einigen Jahren bemüht, mehr Bürger vom Auto weg- und zum Fahrrad hinzubringen.

Den Lohn hat die Stadt nun von jener Prüfungskommission bekommen, der neben dem Coburger Landrat auch der Landtagsabgeordnete Erwin Huber sowie Vertreter von Verkehrswacht, Polizei, ADFC Bayern, Innenministerium und AGFK angehörten: Sie sprach sich einstimmig dafür aus, Garching als „fahrradfreundliche Kommune“ auszuzeichnen. Am 24. Oktober soll das Siegel offiziell verliehen werden.

„Wir waren gut vorbereitet und haben in den vergangenen Jahren viel getan“, betont Naisar. Unter anderem habe die Stadt mehrere Gefahrenstellen für Radfahrer entschärft, etwa an der Autobahn-Unterführung an der Schleißheimer Straße oder in Hochbrück, wo ein Holzsteg durch eine Alubrücke ersetzt wurde. Überdies wurden 2015 neue Fahrradständer an beiden U-Bahnhöfen errichtet, und erst kürzlich hat sich der Stadtrat zum Ziel gesetzt, den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr bis 2030 von derzeit 31 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Um die Bedingungen für Radler zu verbessern, habe die Stadt viel Geld in die Hand genommen, sagt Naisar – und tue dies weiterhin. So seien im aktuellen Haushalt 2,9 Millionen Euro für Projekte veranschlagt – „das sind 133 Euro für jeden Garchinger“, so der Fahrradbeauftragte. Wobei mehr als die Hälfte der Summe, nämlich 1,7 Millionen Euro, auf Bundeszuschüsse entfällt. Mit rund einer halben Million Euro unterstützen die ortsansässigen Firmen ihre radfahrenden Beschäftigten, etwa durch überdachte Radständer oder Umkleiden mit Duschen.

Doch bei allen Errungenschaften steht auch einiges auf der To-Do-Liste. Allen voran brauche es eine direkte Radverbindung von Garching nach Hochbrück, findet Naisar. Darüber hinaus soll der Weg nach München über Dirnismaning für Fahrradfahrer sicherer werden. „Hier können wir hoffentlich bald eine Lösung präsentieren“, sagt Naisar. Geplant sei ein neuer Radweg im Westen, sodass man nicht mehr die einstige B 11 kreuzen brauche. Als weiteres Manko bezeichnet Naisar, dass in der Innenstadt etliche Gehwege für Radfahrer freigeben sind: „Die gehören da nicht hin, sondern auf die Straße.“ Hier setzt er auf mehr Tempo-30-Zonen: „Da können Radfahrer ohne Schutzstreifen auf der Straße fahren.“

Die nun erhaltene Auszeichnung, die sieben Jahren Bestand hat, sieht Rudi Naisar „auch als Verpflichtung, dass wir weiter dran bleiben, um den Umstieg aufs Fahrrad noch attraktiver zu machen“. Ein Schritt in diese Richtung sollen neun Stationen für Leihfahrräder sein, unter anderem an den U-Bahnhöfen, am Business Campus und im Gewerbegebiet. Ihr Bau ist fürs Frühjahr anvisiert. Dann wird Garching schon seit einigen Monaten eine „fahrradfreundliche Kommune“ sein – so wie bislang nur ein weiterer Ort im Landkreis: Ausgerechnet der ewige Rivale Ismaning hat das Siegel schon 2014 erhalten.

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