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Feuerwehr

Bitte Abstand bei der Fettexplosion

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Sauerlach - Der Hitze am Boden entfliehen und sich frischen Wind um die Nase wehen lassen, dieser Wunsch erfüllte sich beim „Tag der offenen Tür“ der Freiwilligen Feuerwehr in Sauerlach. Auf der Drehleiter ging es hoch in die Lüfte – ein Publikumsmagnet bei Groß und Klein.

„Ein bisschen Höhenangst hatte ich schon, es hat auch gewackelt, aber es war ein so gutes Gefühl da oben“, sagt Stefanie Grassel stolz. Gemeinsam mit ihrem Mann, der in der Nähe arbeitet und den zwei kleinen Söhnen ist sie heute extra aus Wasserburg angereist. Die Buben sind kaum zu halten. Während der beinah vierjährige Knirps tapfer mit der Mama per Drehleiter in den Himmel schwebt, zieht sein Brüderchen den Vater in Richtung der Feuerwehrfahrzeuge. Mit strahlenden Augen klettert er hinein und darf wie ein echter Feuerwehrmann hinters Lenkrad. Später werden die beiden noch die Hüpfburg entern, selbst einmal mit einem kleinen Schlauch spritzen und sich auf jeden Fall einen bunten Luftballon sichern. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, sich auf dem Gelände an der Wolfratshauser Straße umzusehen.

Quirliges Treiben von Beginn an. Die Polizei Unterhaching wie auch die Kripo München und Vertreter des Bayerischen Roten Kreuzes informierten aus den Sachgebieten. Spektakuläre Vorführungen sorgten für Kurzweil, aber auch Nachdenklichkeit. Wie etwa eine nachgestellte Fettexplosion. „Das passiert in heimischen Küchen schneller als man denkt“, erzählt dazu Michael Guggemoos, Kommandant der Sauerlacher Wehr. Wenn beispielsweise das Telefon klingelt, und der Topf mit Fett auf dem Herd vergessen wird und sich überhitzt. „Die Flammen dann mit Wasser zu löschen, ist das Schlimmste“, warnt Guggemoos. Ein Liter Wasser ergäben etwa 1700 Liter Wasserdampf und kochendheiße Fettspritzer. „Das setzt jede Küche in Brand“, so der Experte. Wie das ausschaut, zeigten die Feuerwehrler Heiko Melges und Michael Heinzinger auf dem Außengelände. Spektakuläre Flammen schlugen den beiden entgegen. Kreisbrandmeister Andreas Englberger, der hier 18 Jahre lang Vize- und sechs Jahre Kommandant war, moderierte. 

Spektakulär anzuschauen auch der Einsatz der Hebekissen. „Bis zu 40 Tonnen Last können mit Hilfe der Kissen bewegt werden, etwa um eingeklemmte Personen zu befreien“, sagt der Feuerwehr-Chef. Und eine Modenschau gab es am Ende auch noch, ein beliebter Evergreen. Zu sehen auf dem Catwalk der Floriansjünger die Haute Couture der Feuerwehr – vom Atemschutzgerät- bis zum Chemikalienschutzanzug und sogar ein Imker-Outfit zum Einfangen ganzer Bienenvölker. Etwa 70 Aktive hat die Wehr, davon sind knapp zehn bei der Jugend. „Wir könnten auf jeden Fall Unterstützung gebrauchen“, sagt Guggemoos und legt Interessierten die Webseite seiner Wehr ans Herz (www. Feuerwehr-Sauerlach.de). „Ansonsten können wir uns nicht beschweren, wir sind sehr gut ausgestattet“, betont Guggemoos. Dennoch hat Sauerlach keine eigene Drehleiter, die stammt von den Kollegen in Taufkirchen. „Die Anschaffungskosten liegen bei 800 000 Euro, der jährliche Unterhalt bei etwa 100 000 Euro“, lautet die schlichte Begründung. Die Wehren agieren kollegial, im Ernstfall bündeln die Ressourcen. 

Was würden sich die Feuerwehrleute für künftige Einsätze wünschen? „Dass Bürger bei Gefahr die Bildung von Rettungsgassen beherzigen und sich für ihr Fahrzeug Rettungskarten zulegten“, sagt Guggemoos. Besagte Karten (Info: www.rettungskarte.de) erleichterten die Bergung Verletzter aus Autos, weil sie für die Feuerwehrleute Infos enthielten, wo genau an der Karosserie Spreizer und Schere anzusetzen sind oder was zu beachten sei, um Airbags nicht nachträglich zu aktivieren. Die Karten gehörten einheitlich hinter die Sonnenblende. „Die Pkw-Infos variieren je nach Fahrzeugtyp, die Karten helfen uns, Zeit zu sparen und damit Leben zu retten“, appelliert der Kommandant nicht nur an die Sauerlacher.

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