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Bauausschuss in Bedrängnis: Mehr als 50 Sauerlacher interessierten sich für den Standort der Flüchtlingsunterkunft. Die Sitzung begann entspannt, endete aber mit hitzigen Zwischenrufen.

Gegen den Plan der Gemeinde

Anwohner protestieren gegen Flüchtlingsheim

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Sauerlach - Die neuen Asylbewerber-Unterkünfte entstehen an der Sommerstraße und Am Otterloher Feld. Mehr als 50 Bürger waren zur Sitzung des Bauausschusses gekommen. Hitzige Zwischenrufe sprengten beinahe den Rahmen.

Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) rief vermehrt zur Räson, versuchte, zu beruhigen. Auch der Hinweis, Besucher hätten in den offiziellen Sitzungen generell kein Rederecht, half wenig. „Bürger sind doch keine Statisten“, hallte es ihr entgegen. Ein schwerer Stand, doch die Gemeinde ist in Zugzwang. Laut Order vom Landratsamt und dessen Verteilungsschlüssel muss Sauerlach in 2016 noch 140 Flüchtlinge aufnehmen. 

Der mögliche Standort an der Sommerstraße war bereits im Vorfeld durchgesickert. Eine Sammelaktion mit 236 Unterschriften war darauf die Antwort (wir berichteten). Aus der Einzelaktion ist mittlerweile eine Bürgerinitiative gewachsen – speziell gegen den Standort Sommerstraße. „Es gibt die Möglichkeiten, Container aufzustellen oder die Mehrzweckhalle umzufunktionieren“, erläuterte Bogner. Die Gemeinde hätte sich dazu entschlossen, zwei Unterkünfte ähnlich der am Lindenweg zu bauen. Im Fokus seien gemeindliche Grundstücke gewesen. „Eine verzweifelte Suche, davon gibt es nicht so viele“, beteuert Bogner. Zehn Parzellen waren am Ende übrig. „Der Gemeinderat hat darauf beschlossen, dass die Sommerstraße ein guter Standort ist.“ Der andere Standort liegt in Nachbarschaft des Jugendzentrums Am Otterloher Feld. 

Der Gemeinde läuft die Zeit davon

Holger Lewerenz, Winterstraße: „Ich habe höchste Bedenken wegen des Standorts an der Sommerstraße, direkt am Schulweg so vieler Kinder. Aber auch für die Flüchtlinge selbst. Die Menschen kommen aus dem Krieg und wohnen direkt zwischen einer Straße und viel befahrenen, lauten Gleisen. Ein Wahnsinn.“

Was fehlt, sind jetzt die Prioritäten. Die Zeit läuft der Gemeinde weg. Schon im Juni soll die erste Eröffnung sein. „Das gibt dem Otterloher Feld erste Priorität“, sagte Bogner. Denn in der Sommerstraße habe das Amt für Landwirtschaft und Forsten die Baugenehmigung zu erteilen. Das dauere. Zudem stünden hier noch die Ergebnisse von Erdbohrungen aus, die über die Beschaffenheit des Grunds informierten.

Josef Amann, Herbststraße: „Der Standort an der Sommerstraße liegt beinahe im Ortszentrum, nahe dem Bahnhof und mitten in einem Wohngebiet. Da passt eine Unterkunft für Flüchtlinge nicht hin. Die Lage spitzt sich insgesamt zu. Ich habe zudem fast das Gefühl, dass die Polizei nicht immer alles sagt.“

Bis zu diesem Punkt war die Stimmung im Sitzungssaal angespannt, aber ruhig gewesen. Die kippte, als Bogner begründete, warum das Ganze in nicht öffentlicher Sitzung behandelt worden war. „Wenn der Rat beschließt, ein gemeindliches Grundstück zu überplanen, ist das sein gutes Recht. Das Gremium hat Planungshoheit“. „Und die Bürger müssen kuschen“, tönte es aus dem Saal zurück. 

"Und die Bürger müssen kuschen", tont es aus dem Saal zurück

„Ich glaube, jetzt ist es wichtig, so schnell wie möglich eine Info-Veranstaltung zu machen“, warf Alexander Rickert (SPD) darauf ein. „Schade, dass wir Gemeinderäte ausbaden müssen, was die Obrigkeit bestimmt“, entrüstete sich Robert Lechner (CSU). Und auch die Bürger würden gegeneinander ausgespielt. Nach den 204 Flüchtlingen müsse Schluss sein für Sauerlach. Zunehmend werde Baurecht ausgehebelt, werde landwirtschaftliche Fläche zu Bauland, so wie am Lindenweg. So viele profitierten von der Lage. „Das ist das Geschäft momentan“, schimpfte Lechner. Kleine Einheiten seien dennoch sinnvoller als Traglufthallen. 

Götz von Borries (UBV) hingegen mahnte: „Wenn wir uns jetzt das Heft aus der Hand nehmen lassen, wird uns womöglich die Mehrzweckhalle genommen.“

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