Falkner Alfred Aigner aus Sauerlach kümmert sich um den Fischadler, der sich in ein Netz verheddert hatte.

Auffangstation in Otterfing

Im Netz verfangen: Tierfreunde retten verletzten Fischadler

Sauerlach - Fast hätte ihn sein Appetit das Leben gekostet: Ein etwa sechs Monate alten Fischadler hat sich auf der Jagd in einem Netz verfangen, das ein Weiherbesitzer in Landsberg am Lech gespannt hatte, um seinen Fischbestand zu schützen. Wie er jetzt aufgepäppelt wird.

Das beherzte Eingreifen von Tierfreunden rettete dem Adler das Leben. Den vollkommen apathischen Vogel übergab der Landesbund für Naturschutz, Kreisgruppe Landsberg, an Alfred Aigner. Seit etwa 30 Jahren leitet der 54-Jährige die Auffang- und Pflegestation für Greifvögel und Eulen in Otterfing – und das ehrenamtlich.

Aigner ist ausgebildeter Falkner und arbeitet als Berufsschullehrer am Förderzentrum Bad Aibling. Er wohnt im nahen Sauerlach. Das Schützen der Greife ist mehr als ein Hobby, es ist seine Passion. „Der Fischadler hat eine totale Überdehnung der Fußmuskulatur und des linken Flügels erlitten, als er versuchte, sich aus dem Netz zu befreien“, erläutert der Experte. Die Zehen seien fest im Kunststoff eingedreht gewesen und seien teils gebrochen. Wie lang er wohl in dem Netz hing, vermag er nicht zu sagen. Nur eines steht fest: „Lang hätte er das nicht mehr durchgehalten“.

Er kann es schaffen, hat aber den Zug verpasst

Der erste Weg führte Aigner und seinen Patienten zu Heike Reball. Die Tierärztin ist auf Vögel aller Art spezialisiert und arbeitet mit der Auffangstation zusammen. Die Untersuchung ergab: Der Adler kann es schaffen. „Allerdings hat er jetzt den Zug verpasst“, so Aigner. Fischadler sind Zugvögel. Normalerweise sollte er bereits am Mittelmeer oder in Afrika sein.

Die Art gilt nicht als gefährdet. Durch intensive Schutzbemühungen hätten sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahren verbessert. Auf etwa 400 Brutpaare schätzt Aigner den deutschen Bestand. Häufig lägen wie in diesem Fall wirtschaftliche Interessen und Naturschutzbelange im Konflikt. Dem Landesbund für Vogelschutz sei das Problem bekannt, so Aigner. Dort will man den Fall bei der Unteren Naturschutzbehörde zur Anzeige bringen, bestätigte ein Sprecher.

Jetzt gibt es jeden Tag Fleischbrei

Falkner Alfred Aigner aus Sauerlach kümmert sich um den Fischadler, der sich in ein Netz verheddert hatte.

Aus geschnetzeltem Fisch bereitet Alfred Aigner derzeit die Mahlzeiten für seinen gefiederten Patienten. 130 Gramm Brei stehen auf dem Menü. Sorgsam wickelt der 54-Jährige seinen Schützling in ein Handtuch, zum Schutz für beide. Dann füttert er den Vogel per Pinzette. Zunächst unwillig, doch gefügt lässt der Adler dies mit sich geschehen. 1,5 Kilo wiegt er momentan, seine Spannweite beträgt bereits 1,60 Meter. Im Frühjahr geht es für ihn zurück in die Natur.

80 bis 100 Vögel werden jährlich in die Auffang- und Pflegestation gebracht, medizinisch versorgt und ausgewildert. Das ist das Ziel des Vogelexperten, das treibt ihn an und ist Lohn für die Mühe. Erst kürzlich konnte ein Rotmilan wieder in die Freiheit zurück. „Er ist sofort in die Thermik geflogen, bis er nur noch ein kleiner Punkt war“. In solchen Momenten gehe ihm so recht das Herz auf, sagt der 54-Jährige, und seine Augen strahlen.

Gefördert wird das Umweltprojekt von der Gemeinde Otterfing wie auch mit jährlich 5000 Euro von der Kreissparkasse Miesbach. Spenden sind für die Auffangstation dennoch unerlässlich. Rund um die Uhr ist Aigner für seine Schützlinge da, 24 sind es derzeit. Klar, aus familiärer Sicht sei das nicht immer einfach. Da gebe es schon mal Konflikte, gibt er zu. Selbst in den Urlaub zu fahren ist selten drin. Aber: „Nur ein bisschen Pflegestation geht halt nicht“, sagt der Tierschützer mit dem großen Herzen.

Kathrin Kohnke

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