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Virtual Reality bei der Schweißer-Ausbildung. 

Wer schläft, wird abgehängt

Aus Handwerk wird Hightech: Wie sich ein Sauerlacher Unternehmen auf die Digitalisierung einstellt

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Die Digitalisierung zwingt den Mittelstand zum Umrüsten, denn wer es nicht tut, wird abgehängt. Damit ihr das nicht passiert, arbeitet eine Firma aus Sauerlach mit dem Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum in Augsburg zusammen. Arbeitnehmer sollen die Angst verlieren, durch Technik ersetzt zu werden.

Landkreis– Was gestern Computer erledigt haben, übernehmen heute Roboter und morgen wohl Maschinen mit ausgefeilter künstlicher Intelligenz. Der digitale Wandel verändert Abläufe in Firmen und den Alltag zahlreicher Menschen. Technik unterstützt sie, schürt jedoch auch die Angst, ausgetauscht zu werden. Norman Weiß, Chef von ME Industries aus Sauerlach, hat seinen 50 Beschäftigten diese Furcht genommen. Sie ist unbegründet, sagt er. „Technik ist ein Hilfsmittel.“ Seit rund zweieinhalb Jahren arbeitet Weiß mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg zusammen.

Das Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums greift kleinen bis mittleren Unternehmen in Sachen Digitalisierung mit kostenlosen Angeboten unter die Arme. Bei einer Regionalkonferenz des Zentrums in Augsburg hat Weiß kürzlich darüber referiert, wie Mittelständler das Thema anpacken.

Sie ist in aller Munde und trotzdem eine große Unbekannte: die Digitalisierung. Ein Wort, das aufgrund seiner vielschichtigen Bedeutung abschreckt. Aber gerade weil es viele Bereiche einschließt, sollen sich Unternehmer damit befassen, sagt Weiß. Wer keine Ahnung hat, wo er ansetzen soll, dem rät er, sich zu überlegen, was in seiner Firma wichtig ist. Denn für das, was Geld einbringt, lohne es sich, Geld auszugeben.

Freilich müssten Mittelständler mit finanziellen Ressourcen haushalten, sagt Weiß. Doch eine Investition berge neben einer Gefahr auch eine Chance. ME Industries fertigt Geräte, die Luftschadstoffe analysieren, und Systeme, die Auto-Batterien miteinander kommunizieren lassen. Um herauszufinden, welche Prozesse verändert werden können, führte ein Team des Kompetenzzentrums vor gut zwei Jahren eine Potenzialanalyse durch mit Gesprächen und Mitarbeiter-Workshops.

In Sauerlach üben die Mitarbeiter mit Scan-Handschuhen und VR-Brillen

Ergebnis: Betriebsabläufe wurden digitalisiert. Eine Software bildet den Weg eines Auftrags innerhalb der Firma ab und zeigt, welche Ressourcen in das Produkt geflossen sind. Stichwort Transparenz: Weil Mitarbeiter durch das Programm mehr Einblicke bekommen, arbeiten sie effizienter.

Die Beschäftigten müssten diese Vorteile jedoch verstehen und weiterentwickeln, sagt Christoph Berger, Geschäftsführer des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums. Dafür haben seine Kollegen und er „Lernfabriken“ eingerichtet, in denen Arbeitnehmer Scan-Handschuhe und Virtual-Reality-Brillen testen können. So sollen sie einerseits die Scheu davor verlieren und andererseits überlegen, wie moderne Technik ihre Arbeit erleichtern kann.

Derzeit plant ME Industries den Einsatz von Robotern in der Elektronikprüfung. Die meisten Menschen mögen routinemäßige Prozesse, sagt Norman Weiß. Veränderungen sorgen für Verunsicherung, deswegen sei es wichtig, Mitarbeiter auf die Reise in die Digitalisierung mitzunehmen. Ihre Sorgen müssten ernst genommen und ihre Ideen gehört werden. Dazu müssen sie darüber hinaus begreifen, wie die Firma in Zukunft überleben kann.

Wer es verpasst, sein Unternehmen dem digitalen Wandel anzupassen, wird abgehängt, sagt Weiß. Und zwar bald, betont er. „Nicht auf lange Sicht, sondern schon mittelfristig.“

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