Ergänzung zum saftigen Grün: Zusätzlich zum Rasenplatz wünschen sich die Fußballer des TSV Sauerlach auch einen Kunstrasenplatz.

Allwetterplatz für die Fußballer

Der Ball bleibt im Spiel

Der TSV Sauerlach wünscht sich einen Kunstrasenplatz. Die Gemeinde sträubt sich noch. Doch jetzt bekommt der Verein Unterstützung durch den Experten Klaus Drescher.

Sauerlach – Taugen Kunstrasenplätze? Lohnt es sich, dafür bis zu 750 000 Euro aus dem Gemeindesäckel zu investieren? Um in derlei Fragen endlich Fakten in der Hand zu haben, lud sich der Gemeinderat Sauerlach einen Experten ein. Für den TSV Sauerlach bleibt der Ball damit im Spiel. Dass der Sauerlacher Traditionsverein längst an seinen Kapazitätsgrenzen angekommen ist, ist unstrittig.

Immer wieder kam das Thema auf den Tisch, beharrte der Verein auf seiner Forderung nach einem Kunstrasenplatz. Mehrfach informierte TSV-Vorsitzender Hans Gruber über inakzeptable Trainingsbedingungen in der Mehrzweckhalle, die in der kalten Jahreszeit aus den Nähten platzt. „Selbst an einem regnerischen Tag wie heute wäre ein Kunstrasenplatz bespielbar“, beteuerte Klaus Drescher – ein, wie Bürgermeisterin Barbara Bogner betonte – „vom Deutschen Fußballbund empfohlener Experte“ in Sachen Kunstrasen. Polytan, die Firma, für die Drescher arbeitet, ist seit mehr als 40 Jahren auf den Bereich spezialisiert.

Mitgebracht hatte der gebürtige Nürnberger zwei handliche Kunstrasenmuster, die er zur Prüfung herumgab. Auch der Finalrasen der Frauen-Fußball-WM 2015 in Kanada oder der Hockeyrasen der Olympischen Spiele in London vor fünf Jahren stammen aus dem bayerischen Burgheim, dem Stammsitz des Unternehmens. „Es gibt nix Schöneres als Naturrasen, aber es gibt halt nicht immer schönes Wetter“, so Drescher. Im direkten Duell Natur gegen Plastik punktete die künstliche Variante in seinen Ausführungen.

Der Kunstrasen, den Drescher favorisiert besteht aus den sichtbaren Rasenfasern, einer Elastikschicht aus Gummigranulat, einer Asphalttragschicht, einer Drainage sowie dem Baugrund. Einfüllgranulat aus Sand stabilisiert das Ganze. Seinen Berechnungen legte der Experte ein Großspielfeld von 6500 Quadratmetern zugrunde. Die puren Baukosten ohne Ausstattung (Flutlicht, Bewässerung, Ballfangzäune) belaufen sich auf rund 487 500 Euro (mit auf rund 673 500 Euro). Der reine Bau eines Naturrasenplatzes schlägt laut Drescher mit etwa 226 100 Euro zu Buche. Durch ganzjährige Bespielbarkeit und geringere Unterhaltskosten punktet letztlich der Kunstrasen. Das Verletzungsrisiko im Spiel sei laut einer Studie der UEFA dabei insgesamt gleich, sagte Drescher.

TSV-Vorstand Hans Gruber und Jugendleiterin Angelika Ellinger verfolgten die Ausführungen mit großem Interesse. Es gab aber auch Bedenken im Gremium. „Ist das verwendete Granulat krebserregend?“, fragte Claus Koch (UBV). Drescher betonte, dass derzeit Untersuchungen liefen, die hauptsächlich Granulat aus recycelten Stoffen wie etwa alten Autoreifen betreffen. „Ich würde kein Risiko fahren und immer neues Granulat nehmen“, sagte der Fachmann. Kunststoffrasen aus seinem Hause erfüllten stets RAL-Gütezeichen-Norm, beteuerte er.

Auch Fragen nach der Haltbarkeit wurden laut. „Etwa 25 Jahre für den Unterbau“, antwortet Drescher. Die Oberschicht liege schwimmend auf und könne nach rund zwölf Jahren erneuert werden. Axel Horn (Grüne) erkundigte sich nach der Bespielbarkeit im Hochsommer. „Eine Beregnungsanlage ist nicht zwingend, aber komfortabler“, urteilte der Experte. Auch über die Dauer der Sitzung hinaus bot er sich dem Gemeinderat als kundiger Gesprächspartner an.

Dort weiß man freilich um die Nöte des TSV, sieht sich aber Sachzwängen gegenüber. Als da wären der Aus- und Neubau der Grundschule, sozialer Wohnungsbau und die Sanierung des Heimatmuseums. Deshalb gab es im Januar zunächst auch keine Zusage, nur eine vage Option auf 750 000 Euro im aktuellen Haushalt für den Bau eines Kunstrasenplatzes – falls am Ende noch Geld übrig ist. Mit seinem Vortrag hat Klaus Drescher zumindest bei den TSV-Verantwortlichen gepunktet und für Zuversicht gesorgt.

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