Weil eine Hälfte eines Doppelhauses 31 Zentimeter zu hoch ist, gab es jetzt ein Veto im Sauerlacher Bauausschuss.
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Weil eine Hälfte eines Doppelhauses 31 Zentimeter zu hoch ist, gab es jetzt ein Veto im Sauerlacher Bauausschuss. (Symbolbild)

Bauausschuss verweigert seinen Segen

Doppelhaus-Dilemma: Eine Gebäudehälfte ist 31 Zentimeter zu hoch - Bürgermeisterin warnt

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Weil eine Haushälfte ungewollt um 31 Zentimeter höher ist als die andere, legt der Bauausschuss sein Veto ein. Allerdings mit Bedauern.

Sauerlach – Ungewöhnliche Situation im Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Sauerlach: Die Gemeinderäte haben jetzt einen Bauantrag zum Neubau einer Doppelhaushälfte im Ortsteil Lochhofen abgelehnt – einstimmig, aber mit größtem Bedauern. Denn der Fall, mit dem sich der Ausschuss auseinandersetzen musste, ist kurios, und in der Haut des Antragstellers möchte keiner stecken. Der ist nämlich gerade dabei, an einem Doppelhaus die eine Doppelhaushälfte neu zu errichten.

Eigentlich kein Problem möchte man meinen. In dem guten Glauben, das Nachbarhaus habe – wie im Bebauungsplan als Maximum angegeben – eine Wandhöhe von 6,30 Metern, wollte auch der Bauherr seine Doppelhaushälfte in dieser Höhe hochziehen. Doch beim Bau stellte sich heraus, dass das Nachbarhaus nur eine Wandhöhe von 5,99 Meter aufweist. Dies wurde, wie es in der Sitzungsvorlage der Gemeindeverwaltung heißt, erst vom Bauträger und Plan-Ersteller bei fortschreitenden Bauarbeiten bemerkt.

Bauausschuss Sauerlach: „Wir legen uns sonst für die Zukunft ein Ei ins Nest

Das Problem: Die Wand der neuen Doppelhaushälfte trotzdem auf eine Höhe von 6,30 hochzuziehen, ist nicht zulässig. Denn der geltende Bebauungsplan besagt, dass bei Doppelhäusern sowohl Dachneigung als auch First- und Wandhöhe sowie die Farbgestaltung einheitlich auszuführen sind. Wird die Wandhöhe auf 5,99 Meter reduziert, ist das Dachgeschoss für den Eigentümer eigentlich nicht mehr nutzbar.

Davon hat sich Gemeinderat Michael Hohenleitner (CSU) vor Ort überzeugt. Trotzdem plädierte er wie die Verwaltung, der mittlerweile vom Bauherrn beantragten Befreiung von der Festsetzung des Bebauungsplans nicht zuzustimmen. „Wir legen uns sonst für die Zukunft ein Ei ins Nest“, sagte er.

Bauausschuss Sauerlach: Bürgermeisterin Bogner warnt vor Zustimmung

Auch Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) warnte vor einer Zustimmung, bezeichnete den Fall als „verwaltungsrechtlich schwierig“. Aus Sicht der Verwaltung kann Befreiungen von Bebauungsplan-Festsetzungen nur zugestimmt werden, wenn sie die Grundzüge der Planung nicht berühren. Im Bebauungsplangebiet und der näheren Umgebung ist laut Verwaltung kein einziges Doppelhaus vorhanden, welches nicht profilgleich gebaut ist. Deshalb seien in diesem Fall die Grundzüge der Planung sehr wohl betroffen, da der planerische Wille der Gemeinde nicht nur an dieser Stelle die Profilgleichheit von Doppelhäusern wünscht. Sollte man die Befreiungen zulassen, schaffe man eine Präzedenzfall für ähnliche Vorhaben in dem Gebiet und der Umgebung.

Bogner erinnerte daran, dass bisher jeder Bebauungsplan in der Gemeinde und zusätzlich die im vergangenen Jahr erlassene Ortsgestaltungssatzung die Profilgleichheit von Doppelhäusern vorschreibt. Auch habe man erst kürzlich in einem anderen Fall ebenfalls auf die Profilgleichheit bestanden. Dieser Argumentation konnten alle Ausschussmitglieder folgen und stimmten, wenn auch zum Teil schweren Herzens, gegen die beantragte Befreiung.

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