Die Ayinger Pianistin Sophie Pacini
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Ungewöhnliche Klänge im Schützenheim zauberte die Ayinger Pianistin Sophie Pacini mit ihrem Flügel.

Ayinger Pianistin Sophie Pacini gibt BR-Hauskonzert in Altkirchen

Altkirchner Schützen gewinnen BR-Hauskonzert mit Pacini: Beethoven im Schützenheim

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Es ist ein ungewöhnlicher Ort für ein klassisches Konzert zwischen Schützenscheiben und Gewehren. Die Altkirchner Schützen haben ein Hauskonzert des Bayerischen Rundfunks mit Sophie Pacini aus Aying genossen.

Altkirchen – Den Konzertflügel hat das Team des Bayerischen Rundfunks (BR) mitgebracht ins urige Vereinsheim der Schützengesellschaft Gemütlichkeit in Altkirchen. Die Pianistin Sophie Pacini macht gemeinsam mit dem Sender im Beethoven-Jahr eine Tour, um die Musik raus aus den Konzertsälen zu den Menschen nach Hause bringen. In Altkirchen hat man an diesem Abend das Schießeisen ruhen lassen, in Aktion trat ausschließlich die Künstlerin aus Aying.

Ahnungslos in Bezug auf klassische Musik

Die Gemütlichkeit im Vereinsheim Altkirchen ist gleich zu spüren: Musikerin und BR-Team wurden durch das Schützenheim geführt und bestaunten einen dunkelgrünen Kachelofen sowie warmes, helles Holz an der Decke. Sie bekamen die 19 Schießstände zu sehen. Das Schützenheim in Altkirchen ist im Grunde das Haus der Dorfgemeinschaft. Sämtliche Veranstaltungen im Ort werden hier abgehalten . Das Stüberl kann zu einem Saal erweitert werden. Die Wände zieren kreisrunde, handbemalte Schützenscheiben. Hier gab es schon viele gesellige Runden. Ein klassisches Konzert fehlte noch.

Martin Kiendl, Vereinsmitglied seit 35 Jahren, hat von der Reihe im Fernsehen erfahren. Er bewarb sich für das Hauskonzert und wurde als Gewinner ausgelost. Musik hört er gerne im Radio, er orientiert sich in alle Richtungen, hat BR Heimat neben BR1, Rock Antenne und Energy in seinem Gerät gespeichert. Dabei interessiert er sich nicht speziell für Klassik, ist vielmehr für jede Musikrichtung offen und dachte sich zunächst: „Warum nicht ausprobieren? Dran kommen wirst du sowieso nicht.“ Aber dann kam die große Überraschung. Und der Betreiber einer Brennerei und Kelterei in Großeichenhausen hat seine Vereinskameraden zum Konzert eingeladen. Wegen Corona durften knapp 50 Gäste eine Stunde lang Pacini zuhören. Martin Kiendl: „Ich selbst bin musikalisch gesehen ehrlicherweise völlig ahnungslos. Ich weiß nur: Gefällt mir, gefällt mir nicht.“

Nach Beethoven und Liszt gib‘s Würstl und Schnaps

Im Vereinsheim spielte Sophie Pacini aus Franz Liszts Klavierversion der 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven – und brachte auf diese Weise ein ganzes Orchester über die Tasten ins Schützenheim. Mit zwei Consolations von Liszt und der Klavierversion der „Tannhäuser“-Ouvertüre von Richard Wagner ging es weiter – unterbrochen nur von kleiner Pause zum Stoßlüften.

Sehr gut hat das Konzert dem Sportleiter Martin Roth gefallen. Er gibt zu, dass er für gewöhnlich nicht so oft klassische Musik hört: „Man muss sich sozusagen an die Harmonien erst einmal herantasten.“ Sophie Pacini habe sehr kraftvoll und beeindruckend am Flügel agiert. „Das macht Lust auf mehr, und vielleicht fühlt sich ja ein Kammerensemble angesprochen, bei uns Musik zu machen”, meint der Kassier des Vereins nach dem Konzert bei Debreziner und hausgebranntem Schnaps. Spendiert wurde die Verköstigung vom Konzertinitiator Martin Kiendl, der mit dieser Aktion fraglos Vereinsgeschichte geschrieben hat.

Für manche erstes klassisches Konzert-Erlebnis überhaupt

Aber nicht nur für die Schützen war es ein Erlebnis der Sonderklasse. Sophie Pacini resümiert bei Facebook: „Großartiges Publikum, das sein teilweise erstes klassisches Konzert-Erlebnis überhaupt genossen hat und ich – abgesehen davon, sie mit der Kraft von Beethoven, Wagner und Liszt umarmen zu können – bekam die Chance, zum ersten Mal ein professionelles Gewehr auszuprobieren.“

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