Ein Original: Gottfried Grasberger war ein Pferde-Narr und alteingesessener Lochhofner. Familie hatte er keine. Seine Beerdigung haben Nachbarn ausgerichtet. Der Argeter Dreikönigsritt, den er ins Leben gerufen hat, war sein ganzer Stolz. Bei jedem Umritt war er dabei (zweite Reihe, mit Stock).
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Ein Original: Gottfried Grasberger war ein Pferde-Narr und alteingesessener Lochhofner. Familie hatte er keine. Seine Beerdigung haben Nachbarn ausgerichtet. Der Argeter Dreikönigsritt, den er ins Leben gerufen hat, war sein ganzer Stolz. Bei jedem Umritt war er dabei (zweite Reihe, mit Stock).
Gottfried Grasberger.
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Gottfried Grasberger.

Nachruf

Bewegender Abschied vom Vater des Dreikönigsritts in Arget

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Er hatte sich immer eine große Beerdigung gewünscht. Jetzt ist Gottfried Grasberger, der „Kreidl-Gottfried“, im Alter von 71 Jahren gestorben und in Arget (Sauerlach) beerdigt worden.

Lochhofen –  Etwa 350 Freunde, Bekannte und Weggefährten waren nach Arget gekommen, nahmen an St. Michael Abschied. Darunter die Gebirgsschützen Waakirchen. Sie geleiteten den Sarg zum Familiengrab, salutierten mit drei Böllerschüssen. Pater Ferdinand Ezekwonna hielt die Trauerrede. „Es war so bewegend, genau so hätte es sich Gottfried gewünscht“, sagt Rosemarie Felbermeier und muss lächeln.

Vereinskameraden waren seine Familie

Etwa 40 Gebirgsschützen in voller Montur, Trachtenvereine, Feuerwehr, Blaskapelle und Männerchor gaben ihm die letzte Ehre, sangen „Alte Kameraden“. „Er ist schon ein echtes Original gewesen, mit einem großen Herz für Pferde“. Sie und ihr Ehemann Hans waren Nachbarn von Gottfried Grasberger, haben die Beerdigung ausgerichtet. „Er hatte sonst niemanden, keine Verwandtschaft oder Familie, nix“, erzählt die Nachbarin.

Sein Tod kam unerwartet. Grasberger hätte am 25. Juli einen Ausflug mit den Waakirchner Pferdefreunden gemacht, es ging an den Chiemsee. „Ihm war am Morgen nicht ganz wohl“, erinnert sich Felbermeier. Mitten im Kreis der Begleiter ereilte ihn vermutlich ein Herzinfarkt. Er sei sofort tot gewesen, sagt die Nachbarin traurig.

1993 kam ihm die Idee zum Umritt

Gottfried Grasberger wurde am 24. Dezember 1946 in Lochhofen geboren. Seine Eltern waren Viktoria und Johann Grasberger, verstorben in den 1990igern. Sie führten einen großen Hof. „Der Vater war der letzte Bauer in Lochhofen, der die Ernte noch mit Pferden eingebracht hat“, weiß die Nachbarin. Ein strenger Vater soll er gewesen sein.

Schon als Bub begeisterte sich Gottfried für die Tiere. Eine Liebe, die ihn sein Lebtag begleitete. So lange er es gesundheitlich einrichten konnte, standen bis zu fünf Pferde in seinem Stall. Nicht verwunderlich also, dass ihm 1993 in einer Stammtischrunde die Idee zum Argeter Dreikönigsritt kam. Erstmals 1994 durchgeführt und seither eine Institution. Jährlich kommen im Schnitt mehr als 500 Zuschauer und gut 100 Reiter mit ihren Pferden nach Arget.

Ein hilfsbereiter Eigenbrötler

Als ihm die ganze Organisation zu viel wurde, holte sich Grasberger die Gemeinde mit ins Boot. Die Adresse des Gutshofes mit etwa 60 Stück Vieh sei früher „An der Kreidlwiese“, heute Altkirchner Straße gewesen. „Deshalb hieß er auch der Kreidl-Gottfried“, erklärt die Nachbarin. 2002 übernahmen die Felbermeiers den Hof, Gottfried Grasberger blieb auf Leibrente.

Schließlich wurde alles abgerissen, 2010 und 2016 entstanden hier zwei Mietshäuser. In einem davon wohnte Gottfried Grasberger, unterstützt von Familie Felbermeier. „Er war manchmal schon ein Eigenbrötler, aber ein geselliger und sehr hilfsbereit“, so die Nachbarin.

Grasberger war Fördermitglied des Männerchors und der Argeter Blaskapelle. Stolz sei er auf seine 25-jährige Mitgliedschaft bei den Gebirgsschützen gewesen. Heiligabend hätte er regelmäßig bei ihnen in Waakirchen verbracht, um gemeinsam der Sendlinger Mordweihnacht (1705) zu gedenken. Eine hohe Tradition.

Der lange Trauerzug, der ihn jetzt auf seinem letzten Weg begleitete, hätte Gottfried Grasberger ganz sicher gefallen.

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