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„Frei, direkt und unverfälscht“: Sauerlacherin veröffentlich ersten Gedichtband

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Von: Volker Camehn

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„Frei, direkt und unverfälscht“ beschreibt Andrea Wecke ihre Lyrischen Miniaturen, die sie jetzt unter dem Titel „Dein kurzes Leben wie ein Sommerregen“ veröffentlicht hat.
„Frei, direkt und unverfälscht“ beschreibt Andrea Wecke ihre Lyrischen Miniaturen, die sie jetzt unter dem Titel „Dein kurzes Leben wie ein Sommerregen“ veröffentlicht hat. © Volker Camehn

Für ein Gedicht braucht Andrea Wecke gerade mal ein paar Minuten. Dabei hält sie sich mit klassischen Formen nicht lange auf, Kreuz- oder Paarreime etwa wird man in ihren Texten vergeblich suchen. „Ich will da frei sein, direkt und unverfälscht.“ Jetzt hat die Sauerlacherin ihr erstes Buch veröffentlicht.

Sauerlach - Auch betiteln will Andrea Wecke ihre Lyrik-Miniaturen nicht, die wie kurze, impulsive Meditationen daherkommen, wie mentale Momentaufnahmen. „Ich will meine Texte nicht etikettieren.“ Ihre Verse „fließen aufs Papier“ und wenn sie dann in ihr Notizbuch geschrieben sind, ist sie damit auch durch. Sie hackt sie dann noch in ihren Laptop, große Änderungen finden dann nicht mehr statt. Das ewige Gründeln am Motiv ist nicht ihre Sache.

Raus aus der „Schickimicki-Blase“

Andrea Wecke lebt seit 2016 in Sauerlach, seit 2006 ist die heute 47-Jährige mit Bernhard Wecke verheiratet, Vorstandsvorsitzender der hiesigen Nachbarschaftshilfe. Das Paar hat zwei Kinder, Sebastian und David, sieben und zwölf Jahre alt. Wecke stammt aus Niederbayern, aus Frontenhausen, Landkreis Dingolfing-Landau. Der Niederbayer, sagt sie lächelnd, sei „offen, sympathisch aber kompliziert“, Eigenschaften, die sie auch für sich gerne reklamiert. Wobei das Komplizierte sich im Fall Wecke vor allem dadurch ausdrückt, dass sie Dinge auf geradezu bockige Art und Weise hinterfragt: radikal, selbstkritisch, suchend. Ihren gut bezahlten Job bei einem großen Telefonanbieter in München hat sie zum Beispiel irgendwann aufgegeben, weil sie raus aus der „Schickimicki-Blase“ wollte, inzwischen leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM).

Das komplette Gefühlsspektrum

„Mein Kind/tragen und halten will ich dich/so lange, bis der Wind/dich fortweht“, heißt es in einem ihrer Texte. Tod und Vergänglichkeit gehören zu ihren Themen und sind sicher auch Ventil und Verarbeitung, selbst wenn sie sagt: „Da kann ich gut mit umgehen.“ In der Tat findet man in ihrer Lyrik keine Jammer-Jamben, vielmehr geht es bei Andrea Wecke um das komplette Gefühlsspektrum, dass das Leben so bereithält. Liebe, Lust, Leid sind denn auch die Themen in ihrem ersten Buch „Dein kurzes Leben wie ein Sommerregen“ (72 Seiten, Der Kollektiv Verlag), das am 2. Februar erscheint. „Ich freue mich riesig und bin aufgeregt wie ein kleines Kind, das zum ersten mal Weihnachten erlebt“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Das Cover von Andrea Weckes Lyrischen Miniaturen
Das Cover von Andrea Weckes Lyrischen Miniaturen © Volker Camehn

Sich begeistern, Inspiration finden: Manchmal laufe sie barfuß durch den Wald, fühle dann so eine „Verbundenheit mit der Natur“, erzählt sie. Sie lässt sich in solchen Momenten etwa von der Verschiedenartigkeit der Bäume inspirieren und vom moosigen Untergrund. „Unvergleichlichkeit“, nennt Andrea Wecke das. Und diese Unvergleichlichkeit versucht sie in Worte zu fassen, es quasi vergleichbar und damit anschaulich zu machen, ohne dabei in esoterischen Firlefanz abzugleiten. „Ich will immer auch eine neue Sicht auf Dinge und Themen ermöglichen“, ihre Leser sollen sich in den kurzen, aber nie atemlosen Texten wiederfinden.

Fragilität ihrer Texte steht in Kontrast zur Privatperson

„Lässt ihr Innerstes auf/Papier fließen/Das Schreiben wird zum/treuen Gefährten“, heißt es an einer anderen Stelle, an dem vom „Tanz des Lebens“ die Rede ist. Klingt besinnlich und nach einsamem Handwerk. Und doch steht die Fragilität ihrer Texte in Kontrast zur Privatperson Andrea Wecke, die im Gespräch resolut und selbstbewusst wirkt. Möglicherweise hat sie ihre Hospiz-Arbeit mehr geprägt als sie zugeben würde. Denn Andrea Wecke sagt auch: „Dass man sich über Nichtigkeiten aufregen kann, etwa das Gastronomiebesuche eingeschränkt sind, das verstehe ich nicht.“ Aber es muss eben raus. Alles.

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