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Die Bewerber fürs Sauerlacher Rathaus, (v.li.) Babak Afshar (SPD), Amtsinhaberin Barbara Bogner (UVB), Ursula Gresser (FDP) und Hubert Zellner (CSU) stellten sich einem gespannten Publikum von rund 350 Besuchern in der Mehrzweckhalle.

Fragenhagel bei großem Besucherandrang

Marathon mit Seitenhieben

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Barbara Bogner (UBV), Hubert Zellner (CSU), Ursula Gresser (FDP) und Babak Afshar (SPD) stellten sich den Fragen der Sauerlacher Bürger. 

Sauerlach – Der Rathaus-Stuhl in Sauerlach ist heiß begehrt. Gleich vier Kandidaten wetteifern heuer in der Gemeinde um das Bürgermeisteramt. Die örtliche Agenda 21 lud daher zu einer Podiumsdiskussion in die Mehrzweckhalle, gut 350 Bürger kamen. Durch den Abend führte Stefan Brainbauer vom BR. Aufgrund des Publikumsandrangs war die Veranstaltung vom Mehrzweckraum in die Halle verlegt worden. „Wir mussten noch jede Menge Stühle dazu stellen“, freute sich Agenda-Sprecher Helmut Kahl über das Interesse. Mit Glocke und Stoppuhr sorgte er für die Einhaltung der Redezeiten. Das hielt die vier Kandidaten mal mehr, mal weniger an der Kandare. 

Zwei alte Hasen und zwei „jungfräuliche Newcomer“

Mit Barbara Bogner (UBV) geht die amtierende Bürgermeisterin ins Rennen, es wäre ihre dritte Amtszeit. Bauzeitamtsleiter Hubert Zellner (CSU) kommt als ihr Hauptkonkurrent aus dem eigenen Rathaus, ist seit 34 Jahren in der Verwaltung tätig. Zwei alte Hasen, souverän, vorbereitet, ehrgeizig. Den beiden gegenüber zwei „jungfräuliche Newcomer“, wie Ursula Gresser (FDP) sich und Mitkonkurrent Babak Afshar (SPD) humorvoll betitelt. Gresser (62) ist Vorsitzende des vor fünf Jahren reaktivierten FDP-Ortsverbandes, Professorin, Internistin und Büroleiterin von Helmut Markwort (MdL). Babak Afshar ist mit seinen 47 Lenzen der Benjamin der Runde. Der Fußballmanager spricht fünf Sprachen, ist Vertriebsprofi – aber auf politischem Parkett eher Neuling. 

Leitfaden der Veranstaltung war ein von der Agenda erarbeiteter Fragenkatalog, den jeder Kandidat zuvor erhielt und daher vorbereitet antrat. Im zweiten Teil dann die Fragen des Publikums, mehr als 20 mögen es am Ende insgesamt gewesen sein. Ohne Pause, am Stück, bis nach 22 Uhr. Ein konzentrierter Marathon mit vereinzelten Seitenhieben. Einige Zuhörer gingen schon vor dem Ende, was vielleicht dem zeitgleichen Spiel des FC Bayern geschuldet war. 

Themen waren Bevölkerungsentwicklung, bezahlbarer Wohnraum und der Lkw-Lärm

Zu den Themen des Abends zählten Bevölkerungsentwicklung, bezahlbarer Wohnraum, Lkw-Lärm an der Staatsstraße, Ortsentwicklung. „Wir haben rund 8300 Einwohner, mehr als 9000 sollten es bis 2026 nicht werden“, betonte Barbara Bogner (59). Das größte Problem sei, dass alles, was gebaut werde, von Leuten mit Geld bezogen werde. „Wir brauchen aber auch Verkäufer/innen und Arzthelfer/innen vor Ort“. Mehr gemeindeeigene Wohnungen fordert Afshar, kleine Seniorenwohnungen Ursula Gresser. Auch Zellner sieht im Wohnungsbau künftig ein Pflichtprogramm. Man müsse zusammenrutschen und auch an die Mitarbeiter der Firmen denken. Die Gründung einer Wohnungsgenossenschaft sei sein Ziel. 

Um mehr Geld in die Gemeindekasse zu bringen, stellt sich Babak Afshar die Ausweitung des Gewerbegebietes vor – attraktiv, mit Grünanlagen und Restaurant. „Das Ganze muss leben“, so seine Überzeugung. Dazu gehört für ihn auch ein von einem Förderverein finanziertes Naturbad mit Geothermie- Anteil. Das kann sich die Konkurrenz ebenfalls vorstellen. 

verschiedene Ziele, verschiedene Ansichten

Am Ende die Ziele im Zeitraffer, die Kür. Energieautarkie und ein Gigabytenetz für den ganzen Ort sieht da Zellner. Wie auch ein Baulücken- Kataster und Bürgerhaus. Langsames Wachstum, eine Schule für alle Abschlüsse und die Erweiterung des Einheimischenmodells präferiert Gresser. Bis 2026 erledigt haben will Bogner das Erdgeschoss des neuen Gymnasiums, mehr Kurzzeitpflegeplätze für Senioren und manches mehr. „Wenn das alles erledigt ist, gehe ich in Pension“, so ihr Fazit. Später sprechen unter anderem Bogner und Gresser im benachbarten „Sulag“ noch über die wichtige Verdichtung des SBahn- Taktes. „Gemeindearbeit heißt Zusammenhalten, auch über Parteigrenzen hinweg“, sagt die Freidemokratin dazu.

Kandidaten-Zitate das Abends 

Hubert Zellner (CSU): „Wir müssen enger zusammenrutschen“. „Der Flächennutzungsplan von 1997 wäre 2012 fällig gewesen, deshalb laufen wir da so aus demRuder.“ „Pro Neugeborenes sollte ein Apfelbaum gepflanzt werden.“ „Es ist noch viel Luft nach oben.“ 

Barbara Bogner (UBV): „Ich bin gegen das Zubauen Sauerlachs, es soll nicht so aussehen wie Aschheim“. „Ich rede auch an der Edeka-Kasse mit den Bürgern“. „Wasserstoff ist eine brillante Idee.“ „Windkraft ja, wenn es genug Wind gäbe.“ „Was an Wohnbauflächen da ist, ist für die nächste Zeit genug.“ 

Babak Afshar (SPD): „Finanzen sind Chefsache.“ „Ich mache seit 20 Jahren Vertrieb im Iran, als Bürgermeister muss man verhandeln können.“ „Es gibt Fördertöpfe für Naturbäder.“ „Vorausschauend planen, um Provisorien zu vermeiden.“ „Autos raus aus dem Ortskern, ich präferiere E-Busse.“

Ursula Gresser (FDP): „Andere Gemeinden schwimmen im Geld und hier werden Projekte infrage gestellt, weil Sauerlach sie sich nicht leisten kann.“ „Noch mal sechs Jahre Stillstand: na dann gute Nacht und schöne Gegend.“ „Wir sind der Autobahn-Südring für München.“

Kommunalwahl im Landkreis München

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München haben wir für Sie in unserem

Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020

aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem

Artikel zu den Landratswahlen

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