Familie Schieck steht vor ihrem bunt bemalten VW Bus
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Das große Cannabisblatt auf dem bunt bemalten Bus steht für Frieden und Toleranz. Stolz auf ihren besonderen Bulli sind: (v.l.): Timon (18), Nicola (16), Wolfgang und Nelia Schieck.

Ein Hauch von Afrika

Mit ihrem bunten Bus-Projekt ist diese Familie der Hingucker in Sauerlach

  • Kathrin Kohnke
    vonKathrin Kohnke
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Grauer Alltag und Langeweile sind zwei Begriffe, die der Wortschatz der Sauerlacher Familie Schieck nicht kennt. Vater Wolfgang, sonst als Lufthansa-Pilot unterwegs, Ehefrau Nelia und die drei Kinder griffen zum Pinsel. Und machten aus dem mausgrauen Familien-Bus einen kunterbunten Paradiesvogel.

Sauerlach – Wolfgang (59) Schieck ist seit gut 30 Jahren Boing-747-Kapitän der Lufthansa. Langstreckenflüge sind sein Metier. Normalerweise ist er zwei Wochen monatlich unterwegs. Momentan jedoch seien die Langstreckenflüge ziemlich heruntergefahren, erzählt der erfahrene Pilot. Das bedeutet auch für ihn Kurzarbeit. Die letzten Flüge führten ihn noch nach Barbados, um Passagiere des Kreuzfahrtschiffes AIDA nach Hause zu bringen. „In gleicher Mission war ich im Mai noch in Chicago und Sao Paulo“, erzählt Schieck. Weit über 30 Länder hat er angeflogen. In Europa war er schon überall. „Nur nach Australien und Chile ging es für mich noch nicht“, sagt der Pilot.

Leidenschaft für Segelflug und Afrika

Der 59-Jährige ist bodenständig, geerdet, wie es so schön heißt. Und doch zieht es ihn selbst in der Freizeit noch in höhere Sphären: als Segelkunstflieger vom Segelflugzentrum (SFZ) Königsdorf, etwa 40 Kilometer südlich von München. Bis heute nimmt er regelmäßig an Weltmeisterschaften teil.

Dass eine solche Leidenschaft andere Familienmitglieder nicht unbeeindruckt lässt, ist klar. Sohn Emanuel (20), Physik-Student, absolvierte schon als 14-Jähriger seinen Alleinflug. Den allerersten Flug überhaupt erlebte er noch im Bauch seiner Mutter Nelia. „Das war damals bei meiner praktischen Segelflugprüfung“, erinnert sich die 56-Jährige und lächelt. Sie ist heute im Vorstand der Bürgerenergie Sauerlach, war Flugbegleiterin, später in der Werbebranche tätig.

Weiter zur Familie gehören auch Tochter Nicola (16), Schülerin am Holzkirchner Gymnasium und ihr zweiter Bruder Timon. Der 18-Jährige besucht die FOS in Holzkirchen, spielt gern Handball beim TSV Sauerlach. Beide haben gerade ein Jahr England als Austauschschüler hinter sich – fliegen aber beide selbst nicht.

Allen gemein ist aber ihre Kreativität. Die Schiecks haben es halt gern bunter. Den Stein ins Rollen brachte damals schon der erste Bulli der Familie. „Mit dem alten, angemalten VW-Bus haben wir 1997 unsere Hochzeitsreise gemacht“, erzählt Mutter Nelia. Das Ziel alles andere als gewöhnlich: „Wir fuhren mit ihm quasi einmal ums Mittelmeer“, erzählt Vater Wolfgang. Tunesien, Libyen, Ägypten – unvergessene Momente in der Stille der Sahara. „Danach war der Bus ziemlich fertig und sein Futter von zahlreichen Grenzkontrollen aufgeschlitzt“, erinnern sich die Eheleute. Ein Fotoalbum hält die schönen Erinnerungen bis heute fest. Die Liebe zu Afrika haben sie an ihre Kinder weitergegeben.

Ein Hingucker: der große Elefantenkopf, auf dessen Rüssel der allererste Bulli der Familie düst.

Mit Schablone und freier Hand entsteht der Kunst-Bus

Seit 2003 wohnt die Familie schon in Sauerlach: Er, der gebürtige Hattinger aus dem tiefsten Ruhrpott. Sie, ein Münchner Kindl. Seit Februar steht wieder ein neuer Bus in der Garage. Und mit ihm kam erneut afrikanischer Spirit ins traute Heim. Von der ersten Idee bis zur Ausführung war es nur ein Wimpernschlag. „Wir haben einfach Farbe bestellt“, erzählt Tochter Nicola. Teils per Schablone, teils aus freier Hand entstanden auf dem abgeklebten, geschliffenen Bus Zebras, Dünenketten und ein Regenbogen. Zentraler Hingucker: ein riesiger Elefantenkopf, auf dessen Rüssel der erste Bulli daher gedüst kommt. „In Erinnerung an unsere Hochzeitsreise“, sagt Mutter Nelia.

Nicht fehlen durfte auch an zentraler Stelle, der Front des Busses, ein nicht zu übersehendes Cannabis-Blatt als Symbol für Frieden und Toleranz. Dazu kamen von Wolfgang Schieck noch einige Segelflieger, vom angehenden Physiker Emanuel knifflige Gleichungen – und Tochter Nicola verewigte die schwarze Hauskatze Lilli an der Fahrertür. Der Bus soll – wie sein Vorgänger auch – mindestens 20 Jahre halten. Ob er das packt? Nicola hat da überhaupt keine Zweifel: „Papa repariert einfach alles.“

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