In Sauerlach stört man sich an der zu hellen LED-Beleuchtung in den Straßen. Es werde abends taghell.
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In Sauerlach stört man sich an der zu hellen LED-Beleuchtung in den Straßen. Es werde abends taghell.

Gemeinde reagiert

LED-Beleuchtung stört Anwohner in Sauerlach

Die LED-Beleuchtung in Sauerlach mag Strom sparen, aber ihre Helligkeit ist zumindest an einem Ort nicht auf die Bedürfnisse der Anwohner zugeschnitten.

Sauerlach – Beleuchtung ist schön, zu viel Beleuchtung nervt. Klaus Lindner zum Beispiel. Der 55-Jährige wohnt mit seiner Familie direkt an der Oberlandstraße zwischen Arget und Lochhofen. Gut zwei Kilometer ist diese lang, das Teilstück, welches ihn ärgert, misst indes gerade mal 150 Meter. Seit Oktober 2020 stehen in diesem Abschnitt fünf LED-Straßenlaternen – und die leuchten Lindners Grundstück komplett aus. „Das ist wie Flutlicht, volle Breitseite“, ärgert er sich. „Die blenden und sind grell.“

30 Meter taghell beleuchtet

Dass dieses Oberlandstraßen-Teilstück überhaupt alle 30 Meter nächtens in quasi taghell beleuchtet wird, ist einem Gemeinderatsbeschluss von 2019 geschuldet, den dann der neue Gemeinderat wieder unter Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) ein Jahr später umgesetzt hat. Licht für die nächtlichen Spaziergänger, die es laut Lindner hier „aber kaum“ gibt. Von wegen heimleuchten: „Wenn ich hier lebe, weiß ich, dass es an dieser Stelle dunkel ist. Dann nehme ich eben eine Taschenlampe mit“, empfiehlt Lindner. Auch seine Nachbarn fänden die sogenannten Vierkantleuchten, welche jetzt am Straßenrand stehen und bei denen es sich laut Lindner um veraltete Modelle (und damit auch Stromfresser) handelt, „ganz schön hell“. Kein Wunder: Immerhin haben sie eine Farbtemperatur von 4000 Kelvin, was einen recht hohen Blaulichtanteil bedeutet. Viel Blaulicht gleich viel hell. Als Standard gilt für Straßenbeleuchtung heutzutage gleichwohl eine Farbtemperatur von maximal 3000 Kelvin.

Zur Erläuterung

Zur Erklärung: Farbtemperatur (CCT – Correlated Colour Temperature) beschreibt die Farbe einer Lichtquelle. Licht unter 3300 Kelvin wird als „warmweiß“, zwischen 3300 und 5000 Kelvin als „neutral-weiß“ und über 5300 Kelvin als „kaltweiß“ wahrgenommen.

Nutzen heller Beleuchtung ökologisch zweifelhaft

Die (Über-)Beleuchtung an der Oberlandstraße war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Sauerlacher Bau- und Umweltausschusses am 13. Juli, in dem Lindner sein Anliegen zum wiederholten Male vortrug. Zumal die derzeitige Straßen-Bestrahlung (aktuell etwa zwischen 21.30 Uhr und 5.30 Uhr) nicht nur Klaus Lindners Nachtruhe stört („Ich schlafe seit Herbst letzten Jahres schlecht“), sondern ökologisch zweifelhaft sei und somit nicht mehr in die Zeit passe, wie etwa auch Gemeinderat Axel Horn (Grüne) betont: „Weniger Licht ist weniger Insektensterben“ – und bedeute einen geringeren Energieverbrauch. „LED ist zwar energiesparend, wenn man aber dafür mehr Lampen aufstellt, verpufft dieser Effekt wieder“, sagt Horn.

Gemeinde hat etwas unternommen

Mittlerweile ist die Gemeinde teilweise tätig geworden: Zwei von fünf Straßenleuchten wurden auf Lindners Betreiben hin auf der Rückseite geschwärzt, um den Lichtausfall auf sein Grundstück zu reduzieren. Ob es nicht sinnvoller wäre, LED mit geringerer Leistung anzuschaffen, um gegebenenfalls einer unnötigen Lichtverschmutzung vorzubeugen, soll mithilfe eines Kostenvoranschlags geprüft werden. Klaus Lindner will dran bleiben: „Ich lebe ja nicht auf dem Land, um ausgeleuchtet im Hellen zu wohnen.“ Volker Camehn

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