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Auf den liebevollen Namen "Emil" hört dieses 26 Jahre alte Elektromobil, das lediglich Platz für seinen Fahrer bietet. Will Wolfgang Schreiber einmal mit seiner Ehefrau unterwegs sein, muss er in den Polo der Familie umsteigen. Über „Emil“ ist sogar im Guinness Buch der Rekorde etwas zu lesen.

Emil und der Buchautor

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Arget - Solare Elektro-Mobilität: das allein ist die Zukunft. Davon ist Wolfgang Schreiber überzeugt. So sehr, dass der 75-jährige Argeter ein Buch über Solarenergie geschrieben. Er gilt als hartnäckiger Solarpionier.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass es auf Dauer keinen anderen Weg geben wird als den der solaren Elektro-Mobilität”, sagt der Autor Wolfgang Schreiber in seinem aktuellen Buch „but the winner will be – Die Solarenergie“. Über die Grenzen Sauerlachs hinweg ist der gebürtige Karlsruher bekannt. Das liegt vordergründig zunächst an der Art, wie er sich fortbewegt – per „Emil“, nämlich. „Emil“ hat nur drei Räder, kommt aus Dänemark und beschafft sich seinen Treibstoff von der Sonne. „Es handelt sich um ein einsitziges Elektromobil“, sagt Schreiber. Die Tankstelle hat er Zuhause auf dem Dach: eine netzgekoppelte Photovoltaik-Anlage, und das schon seit 1991. „Sie war damals die erste im Versorgungsgebiet der damaligen Isar-Amperwerke“, sagt er. 

Nachdem die Gemeinderäte dem Bau zugestimmt hatte, habe ihn der damalige Bürgermeister zur Seite genommen, erinnert sich Schreiber und lacht. „Aber wir waren uns einig, dass du spinnst“, hätte der ihm gesagt. So oder so. Aus dem Elektro- wurde ein Solarmobil. 26 verdienstvolle Jahre hat „Emil“ jetzt auf dem windschnittigen Buckel. Und wie am ersten Tag gleitet er beinah lautlos, bis zu 50 Kilometer schnell, durch den Ort. „,Emil’ nennen wir ihn nur im Familienkreis“, gesteht sein Fahrer. Offiziell ist das Mobil ein City-El und hat einmal 10 990 D-Mark gekostet. Für 49 365 rein solar zurückgelegte Kilometer gab es 1998 gar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Heute sind es weit über 80 000! Für den Fall der Fälle besitzen die Schreibers noch einen älteren Polo. Er kommt zum Einsatz, wenn auch Ehefrau Maria einmal mitfahren will. 

Auch der Grünen-Politiker Anton Hofreiter (MdB), ein Sauerlacher, hatte mit „Emil"ebenfalls schon das Vergnügen. 

Aber es bedarf mehr, um Schreibers Visionen von der Zukunft unseres Planeten zu verstehen. Sein Buch nennt er verschmitzt eine „Auto-Biographie“, Emil & Co. gehören halt zur Familie. Der Titel sagt alles: „but the winner will be – Die Solarenergie“. Nicht an Experten, sondern an den Normalbürger richten sich die 96 Seiten.

 Der 75-jährige Ingenieur für Elektrotechnik ist heute im Ruhestand. 1966 kam er zur damaligen „Bölkow GmbH“ nach Ottobrunn, sein Fachgebiet ist die Nachrichtentechnik. „Ich habe dort unter anderem an der Stabilisierung von Nachrichtensatelliten mitgewirkt“, sagt er. Damals schon hätte er die CO2-Konzentration in der Atmosphäre als alarmierend empfunden. Der Bericht des Club of Rome 1972 über die Grenzen des Wachstums sowie die erste Ölkrise nur ein Jahr später seien für den Entschluss, sich aktiv einzubringen, Auslöser gewesen. Etwa im Bund Naturschutz oder als Mitglied der Lokalen Agenda, dort im Arbeitskreis Energie. Die „Ernährung“ der Satelliten über Solarenergie ließ den Ingenieur schon früh darüber sinnieren, wie dieses Prinzip auf Fahrzeuge angewendet werden könnte. „Das war praktisch mein Einstieg in die Solarszene“, glaubt er heute. Vor vier Jahren würdigte das Landratsamt München sein Engagement mit der Ehrenurkunde des Landkreises. 

Die Leser seines Buches erfahren eine Menge zum Thema, auch über sperrige Stolpersteine seitens der Wirtschaft und der Politik. Wenige Male allerdings unnötig deftig. Gegengewicht dazu sind eine ganze Reihe von humorvollen Anekdoten, mit denen er am Rande die Texte würzt. Sie geben sympathische Einblicke in den Alltag mit einem wie Emil. In der Summe punktet Kompetenz, die für Diskussionsstoff sorgt und im besten Fall zum Umdenken führt. „Ich habe geschrieben, um meine Ideale weiterzutragen“, sagt der Autor. Diese rüberzubringen ist ihm wichtig. „Wir müssen schnell vom Erdöl weg“, so die finale Forderung. Sein Fazit: Der Strombedarf Deutschlands könne in wenigen Jahren von fossilen und atomaren auf erneuerbare Quellen umgestellt werden. Wind, Sonne, Wasser und teils Biomasse – sie ebneten den Weg in die Zukunft. „Wir sind dabei, CO2-frei zu werden, aber es sind noch so viele Bemühungen dazu nötig“, sagt Schreiber. Mit Blick nach vorn hat er das Buch den sieben Enkelkindern gewidmet.

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