Ein kleines Idyll in Gefahr: Von der Bank unter der Kastanie fällt der Blick auf ein Feldkreuz, das sich hier unter den Bäumen im eingezäunten Areal versteckt. Davor zu sehen ist bereits die rot-weiß-markierte Fläche für die Wertstoffinsel, der Bagger war schon angerollt.
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Ein kleines Idyll in Gefahr: Von der Bank unter der Kastanie fällt der Blick auf ein Feldkreuz, das sich hier unter den Bäumen im eingezäunten Areal versteckt. Davor zu sehen ist bereits die rot-weiß-markierte Fläche für die Wertstoffinsel, der Bagger war schon angerollt.

Wertstoffinsel

Gelungener Aufstand

  • Kathrin Kohnke
    vonKathrin Kohnke
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Sauerlach - Der Entschlossenheit von 114 Sauerlachern ist es zu verdanken, dass im Ort ein idyllisches Fleckchen an der Ecke Pechlerweg/Hubertusstraße erhalten bleibt – und eben nicht zur Wertstoffinsel wird.

In der Bürgerfrage-Stunde nutzte Anwohner Martin Popp das Rederecht und punktete im Gemeinderat. Der neue Standort der Wertstoffinsel ist künftig auf dem Areal des ehemaligen Forstamts.

Nicht oft kommt es vor, dass im Ratssaal während der Sitzung applaudiert wird. Genau das ist jetzt passiert. Ihrer Erleichterung darüber, dass am Pechlerweg/Hubertusstraße kein Wertstoffhäusl stehen wird, ließen Betroffene freien Lauf. Zuvor hatte der Architekt Martin Popp (46) einen professionellen Kurz-Vortrag abgeliefert, frei nach Art des Berufsstandes. Fotos, Ortsplan und Alternativ-Vorschläge für andere Standorte fehlten da nicht.

Popp wohnt in der Ottostraße, mit freiem Blick auf die grüne Flur. „Ich war ganz erschrocken, als ich am 7. September dort die beginnende Baustelle entdeckte“, sagt der Familienvater. Ein kurzes Gespräch mit den Bauarbeitern klärte auf. Gemeinsam mit Nachbarn suchte Popp noch am gleichen Tag Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) auf. Dort stellten sie den Antrag auf Überprüfung und Änderung dieses Standorts. Über die Vorberatung im Bauausschuss kam die Problematik in den Gemeinderat.

„Wir haben im Viertel regelrecht Klinken geputzt“, sagt Popp und lächelt. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gingen er von Tür zu Tür rund um die Hubertusstraße, und klärte die Anwohner auf. 114 Unterschriften seien dabei zusammen gekommen. Jeder dieser Haushalte findet sich als roter Punkt auf einem digitalen Lageplan wieder: als Anlage zum Antrag an den Gemeinderat.

Der Standort an Pechlerweg/Hubertusstraße war bei der Gemeinde überhaupt erst akut geworden, weil eine andere Wertstoffinsel im Zuge des damaligen Pflegeheim-Neubaus hatte weichen müssen. Ein Ersatzbau musste her. Die Gemeinde untersuchte daraufhin verschiedene Örtlichkeiten, die einige Kriterien erfüllen sollten. „Es musste sich unter anderem um ein gemeindliches Grundstück handeln, das beschränkte die Auswahl immens“, erläuterte Bogner. So kam es zum umstrittenen Standort.

Dann, noch am Tag der Sitzung, die entscheidende Wende in Form einer Mitteilung der bayerischen Staatsforsten. Diese signalisierten, dass die Wertstoffinsel auch im Bereich des ehemaligen Forstamtes realisiert werden könne. Die Gemeinde ist bereits Mieter des Forsthauses, das die Musikschule nutzt. Für das Areal des Wertstoffhäuschens, das an der Einfahrt der Hubertusstraße realisiert werden soll, müsse lediglich ein eigener Mietvertrag geschlossen werden. „Sie haben riesiges Glück“, betonte Bogner gegenüber den Anwohnern. Der Gemeinderat gab einstimmig grünes Licht. Die Bürgerfrage-Stunde hatte sich einmal mehr als wertvolles Instrumentarium erwiesen, als direkter Draht zur Gemeinde. Martin Popp und die Anwohner des Hubertus-Viertels haben diese Chance genutzt.

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