+
Die Schlingnatter fühlt sich wohl im Biotop an der Sommerstraße.

Geschützte Schlingnatter lebt im Biotop in Sauerlach

Schlange verhindert Asyl-Unterkunft

  • schließen

Sauerlach – Die Unterschriftensammler atmen auf: Keine Asylunterkunft an der Sommerstraße. Schuld ist eine Schlange.

Die Schlingnatter ist es, die manchem Sauerlacher gute Laune bereitet. Dafür hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) bei der Bürgerversammlung gesorgt, als er das Aus für die geplante Asylbewerber-Unterkunft an der Sommerstraße verkündete. „Aus naturschutzrechtlichen Gründen, aus Bestandschutz“, lautet die offizielle Begründung. „Das hat zum Aufatmen geführt, ich wollte diese Information nicht vorwegnehmen“, sagte Bürgermeisterin Barbara Bogner. 

Kein Platz war in der Mehrzweckhalle mehr frei, so groß war das Interesse der Sauerlacher bei der Versammlung. Womöglich auch, weil bereits im Vorfeld bekannt gewesen war, dass der Themenbereich „Asyl“ auf den Tisch kommen würde. Zu der Asylunterkunft am Lindenweg mit etwa 70 Bewohnern, die seit Juni besteht, sollten heuer zwei weitere hinzukommen. 

Beide Standorte sind vom Landratsamt eingehend geprüft worden. Zur Unterkunft Am-Otterloher-Feld wird es voraussichtlich in der Sitzung des Bauausschusses am 3. Mai detaillierte Fakten geben. Mit deren Baubeginn rechnet die Verwaltung im Juni oder Juli, mit einem Einzug der ersten Flüchtlingen im September. 

„Laut Verteilerschlüssel hat Sauerlach mit etwa 7600 Einwohnern heuer 170 Flüchtlinge unterzubringen, und nicht mehr 204, wie zuvor berechnet“, verdeutlichte der Landrat. Die nach unten korrigierte Zahl basiere auf der momentan gebremsten Zuwanderung. 

Er gehe davon aus, das der Zustrom aber wieder erstarken werde, weil es bis dato keine gemeinsame europäische Lösung gebe. „Hunderttausende Flüchtlinge sind allein in 2015 gekommen, die noch keinen Antrag auf Asyl gestellt haben“, gab Göbel zu bedenken. „Abzüglich der Menschen in der neuen Unterkunft am Otterloher-Feld, die der am Lindenweg ähneln wird, bleiben dann nur noch 30 Personen über, die wir heuer noch unterzubringen haben“, ergänzte Barbara Bogner. 

Von Beginn an hatte es gegen den Standort auf dem Biotop Sommerstraße Bedenken unter den Anwohnern gegeben. Auch eine Unterschriftenliste mit annähernd 250 Namen waren ins Rathaus geschickt worden. Unterstützung erhalten die Anwohner nun von der Schlingnatter. 

„Tatsächlich sind naturschutzrechtliche Belange der Grund dafür, dass der Standort nicht mehr weiterverfolgt wird“, bestätigt die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage. Auf dem entsprechenden Grundstück seien Schlingnattern beheimatet, die unter Artenschutz stehen und deshalb streng geschützt seien, erläutert eine Sprecherin. Fast beiläufig hatte Landrat Göbel bei der Bürgerversammlung die Bombe platzen lassen. 

Am langen Tisch, an dem die Initiatoren der Unterschriftenaktion gemeinsam saßen, waren teils strahlende Gesichter zu sehen, aber die Freude äußerten sie verhalten. Erleichterung auch bei Helmut Dietrich. Der Sauerlacher Architekt hatte schon die Frage-Viertelstunde in einer Sitzung des Gemeinderats genutzt, um die Verwaltung um die Rücknahme des Sommerstraßen-Beschlusses zu bitten. 

Im letzten Teil der Bürgerversammlung – Fragen und Anregungen – ergriff der 74-jährige Anwohner der Herbststraße nun erneut das Wort. „Ich möchte anregen, dass sich jetzt die Mitglieder der Initiative zusammentun, um das kleine Biotop an der Sommerstraße zu pflegen“, sagte Dietrich. Ein guter Vorschlag, fand so mancher. Und sicher auch im Sinn der Schlingnatter.

Katrin Kohnke

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schlachthof-Gelände:Daimler siedelt sich an
Schlachthof ist out, Daimler ist in: Auf dem Areal an der A99 bei Aschheim, direkt hinter den Möbelhäusern, werden bald Nutzfahrzeuge von Daimler stehen.
Schlachthof-Gelände:Daimler siedelt sich an
Straßen-Ausbau im Münchner Osten kostet 8,3 Milliarden Euro
Der Verkehrskollaps droht. Die A94 und die A99 werden ausgebaut. Ein Überblick über die Konzepte bis zum Jahr 2030.
Straßen-Ausbau im Münchner Osten kostet 8,3 Milliarden Euro
Gemeinderat entscheidet: „Am Fidsche“ darf nicht bleiben
Der kleine Weg zur Wasserwacht am Heimstettner See darf nun doch nicht „Am Fidsche“ heißen. Warum, das ist eine Geschichte über falsche Kompetenzen.
Gemeinderat entscheidet: „Am Fidsche“ darf nicht bleiben
Schneespuren als Beweis für Alkoholfahrt
Da hat sich eine Betrunkene selbst in die Bredouille gebracht: Mit ihrem Auto fuhr sie ausgerechnet zur Polizei, um sich zu beschweren.
Schneespuren als Beweis für Alkoholfahrt

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion