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Mehr Landluft geht nicht: Ort der Bettelhochzeit ist der prachtvolle Misthaufen auf dem Jaud-Hof.
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Zahlreiche „Hochzeitsgäste“ verfolgen die herrliche Trauung auf dem Jaud-Hof in Gumpertshausen.
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Das Brautpaar (v.l.), Estephania Wiedelungen und Schorschy van Smiedlein.

Fasching 2020: Bettelhochzeit

Ein Ja-Wort hoch droben auf dem Mist

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Pfundig und vor allem durstig feierten die Altkirchner Burschen ein seltenes Schauspiel: die Bettelhochzeit 2020. Nur alle acht Jahre findet hier dieses urig-schöne Spektakel statt, erstmals 1996.

Gumpertshausen – Gut 200 Gäste kamen zur Hochzeit auf dem Festmisthaufen des Jaud-Hofes in Gumpertshausen. Die Männer als Frauen verkleidet und umgekehrt. Allen voran ein fantastisches Brautpaar, wie es gegensätzlicher kaum sein kann. Eine wahre Wuchtbrumme dabei die Braut, scherzhaft „Estephania Wiedelungen“ genannt. Stephan Wiedl verkörpert sie mit unvergleichlicher Grandezza. Eine Charmeoffensive von 1,96 Meter Größe und ordentlichem Bartwuchs. „Das Brautkleid haben wir bei Ebay bestellen müssen“, erzählt der 17-Jährige und grinst währenddessen breit. Dabei wallt die blonde Perücke über seine breiten Schultern. Bis Mitternacht ist er Braut, wird mit Schorschy van Smiedlein (Georg Schmied) ein Paar mimen. Der ebenfalls 17-Jährige ist noch Schüler und von zarter Statur. Bartwuchs eher Fehlanzeige, daher die Attrappe. „Wie David und Goliath“, scherzt einer aus der buckligen Verwandtschaft.Das letzte Mal fand der Spaß vor acht Jahren statt.

Los geht‘s im Schützenheim

Jeder Gast hat heute eine entsprechende Rolle. Bereits am Morgen findet sich die Gesellschaft im Schützenheim Altkirchen ein, dem Hotspot der ganzen Feierlichkeit. Bei Morgensuppe, Weißwürschtn und ersten Bieren wappnet sich die kunterbunte Gesellschaft für den Hochzeitszug nach Gumpertshaausen. Nur dort, auf dem Festmisthaufen des Jaud-Hofes, werden die Ringe getauscht. Ein Fußmarsch von rund sechs Minuten. Allen vorweg die Dietramszeller Blasmusik. Auch die Musikanten haben sich dem konträren Geschlechterbild angepasst. Franziskus der Jaschbergler – alias Burschen-Vorstand Franz Jaud (19) – hat heute als Hochzeitslader das Sagen. Sicher wird er später alle wieder zum Schützenheim geleiten, wo das vermeintliche Hochzeitspaar nur noch bis Mitternacht ein solches ist. Ehrentänze, Abdanken und Entführung der Braut inklusive.

Glitzernde Regenbogenperücke

Im Bettelzug marschiert das Ehepaar Andrea und Johann Killer mit. Der Vorstand der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen ist nicht wiederzuerkennen mit glitzernder Regenbogen-Perücke in Charleston-Manier. Ihm hat es vor allem der historische Traktor angetan, mit dem das durstige Brautpaar chauffiert wird. „Der stammt etwa aus den 30er Jahren“, sagt Killer und schwärmt. Erst heuer hätte der Traktor einen alten, seltenen Sendling-Motor bekommen. Das Getöse ist spektakulär. „Dieses Geräusch ist Heimat“, ruft Killer und strahlt. Damit führt das Hochzeitspaar alsdann den Zug an. Höhepunkt des Tages: die Zeremonie auf dem imposant hohem Misthaufen. Mehr Heimatduft geht ebenfalls nicht.

Pfarrer nimmt das Ja-Wort ab

Umringt von den Gästen, und in Ermangelung eines nüchternen Pfarrers, nahm Michael Kiendl (alias Genoveva Gschwendner) als dessen Köchin das Faschings-Ja-Wort ab. „Ministranten, zapft doch schon mal das Fass an“, hieß die frische Devise vor der Lesung aus dem Bräustüberl. „So eine Bettelhochzeit ist ein Faschingsbrauch, der sich schon an einer traditionellen Hochzeit orientiert“, erklärt Korbinian Jaud (22), Vorstandsmitglied bei den Burschen. Freilich nur im weitesten Sinne. „Auf keinen Fall wollen wir dabei die Kirche verunglimpfen. Es ist einfach eine Gaudi“, sagt Jaud.

Für die Veranstaltung haben viele der etwa 35 Burschen im Alter von 16 bis 35 Jahren mit angepackt. Bis Mitternacht hielt das Ja-Wort, die Scheidung folgt mit dem Rosenmontag.

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