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Heilige Geldverächter als Kirchenpatrone

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Schwert und Gefäß: Der Zweitpatron Damian auf dem Hauptaltar der St. Michaelskirche in Arget.
Schwert und Gefäß: Der Zweitpatron Damian auf dem Hauptaltar der St. Michaelskirche in Arget. © Trost

Die Ärzte Cosmas und Damian sind Zweitpatrone in Arget. Kirchweih findet am 26. und 29. September statt.

Sauerlach – Der Sauerlacher Ortsteil Arget hat nicht nur einen Kirchenpatron, den heiligen Michael. Cosmas und Damian sind dort die Zweitpatrone. „Das Patroziniumsfest feiert die Pfarrei Arget am Tage des hl. Michael (29.9.), und das Kirchweihfest am Tage der hl. Ärzte Cosmas und Damian (26.9.) als zweite Patrone des Hauptaltars“, schreibt der Pfarrer und Heimatforscher Karl Hobmair in einem Hachinger Heimatbuch. Wir klären auf, was es mit den heiligen Geldverächtern auf sich hat.

Die heiligen Geldverächter

Die Legende berichtet: „Cosmas und Damianus waren leibliche Brüder … Sie lernten die Kunst der Ärzte und empfingen so große Gnade in der Kunst von dem heiligen Geist, dass sie alles Siechtum von Menschen und Tieren vertrieben. Dafür nahmen sie kein Gut“ und wurden deshalb als die „heiligen Geldverächter“ gepriesen. Die Zwillingsbrüder, die als Ärzte in Syrien und der Türkei segensreich gewirkt haben, sollen unter Kaiser Diokletian um 303 den Martertod erlitten haben. Sie werden als Patrone der Ärzte, Apotheker und Barbiere verehrt.

Letztes Werk vonIgnaz Günther

Während Cosmas und Damian meist als Ärzte im besten Mannesalter abgebildet wurden, stellt sie Ignaz Günther als gealterte Männer mit langen Bärten dar. Es wird überliefert, dass „der Meister und sein Schwiegervater Modell standen“, so Informationen des Pfarramts in Arget. So zeigen die beiden Figuren in ihrer Haltung und ihren markanten Gesichtern „eine etwas müde, spätzeitliche Noblesse“, wie Kunsthistoriker Peter Volk in seiner Monographie über Ignaz Günther schreibt, und einen „Hauch von Resignation“. Damit charakterisiert Volk nicht nur den gealterten Bildhauer selbst – die 1774/75 geschaffenen Heiligenfiguren gelten als Günthers letzte Werke, die in seiner Werkstatt erst nach dem Tod des Meisters im Jahr 1775 fertiggestellt worden sind – sondern auch die Epoche des Barocks und Rokokos.

Kurfürst Max Josef hatte 1770 verordnet, die Baumeister und Bildhauer sollten auf Prunk und überflüssigen Zierrat verzichten. Die nunmehr verlangte Verhaltenheit ist an der im Unterschied zur Barockzeit ruhigen, lässig-eleganten Bewegung und den stoisch konzentrierten Gesichtszügen der beiden Figuren in Arget mit ihren orientalischen Fantasiekostümen erkennbar.

Kennzeichnende Attribute der beiden Ärzte – Harnglas oder andere medizinische Geräte – fehlen bei den Figuren in Arget; nur Damian trägt ein Gefäß für Salben. Auffällig ist, dass beide Heilige, die in der Regel ohne Waffen abgebildet werden, jeweils ein langes Schwert in ihren Händen halten. Es sind Symbole ihres Martyriums. In der Domschatzkammer in Essen, wo die beiden Stadtpatrone sind, wird das angeblich bei ihrer Enthauptung benutzte Schwert gezeigt.

Verehrung bereits vor der Reformation

Die Verehrung von Cosmas und Damian ist bereits im frühen Mittelalter in Deutschland nachweisbar. Reliquien kamen im 9. Jahrhundert nach Hildesheim, Essen und Bremen, wo um 1400 ein kostbarer Reliquienschrein gefertigt wurde. Nachdem Bremen evangelisch geworden war, ließ Kurfürst Maximilian von Bayern den Schrein 1649 in die St.-Michaels-Kirche in München überführen (Cosmas und Damian sind auch Patrone des Jesuitenordens).

Verehrung auch in Arget eingeführt?

Ist die Verehrung der beiden heiligen Ärzte nach der feierlichen Reliquien-Übertragung nach München auch in St. Michael in Arget eingeführt worden? Die Vermutung liegt nahe, dass die „Errettung“ der Gebeine der beiden Heiligen aus dem lutherisch gewordenen Bremen ins Zentrum der Gegenreformation in München auch im Umland gefeiert und dargestellt worden ist.

Es war aber anders. Bereits 1510 ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1177 von dem „würdigen Gottshaus zu Argatt“ die Rede, das „Sannd Michels-Cosman-Damiani“ geweiht ist. St. Michael besaß also – zumindest seit diesem Datum – ein Doppelpatrozinium, das bis zum heutigen Tag begangen wird.

Arget war damit kein Einzelfall. Auch in der Frauenkirche in München gab es 1471 einen Cosmas-Damian-Altar, so Informationen aus einem Buch von 1868. In der von Herzog Sigismund um 1480 erbauten St. Wolfgangskirche in München-Obermenzing (nahe der Blutenburg) zeigen Farbglasbilder den hl. Cosmas mit einem Uringlas und den hl. Damian mit Salbbüchse und Buch. Die Verehrung der beiden heiligen Geldverächter hat im Oberland eine lange Tradition.

Von Werner Trost

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