1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Sauerlach

Mobilfunkmast Kleineichenhausen: „Ich will kein Versuchskaninchen sein“

Erstellt:

Von: Laura Forster

Kommentare

Kritisch hörten die etwa 60 Gäste dem Vortag des Experten zu.
Kritisch hörten die etwa 60 Gäste dem Vortag des Experten zu.  © Robert Brouczek

Bei einer Bürgerversammlung zum Mobilfunkstandort Kleineichenhausen erklärt ein Experte die Hintergründe.

Sauerlach – Seit Monaten ist der mögliche Mobilfunkmast Kleineichenhausen Streitpunkt in der Gemeinde Sauerlach. Ein Teil der Anwohner setzt sich vehement gegen das Vorhaben der Telekom ein, hat sogar die Bürgerinitiative „Ortsteile Sauerlach-West“ gegründet. Der andere Teil würde sich über eine bessere mobile Anbindung freuen, denn auch in Ortschaften der Kommune gibt es noch weiße Flecken. Schnell eine E-Mail im Bus beantworten oder ein Telefonat mit der besten Freundin auf der nächsten Parkbank führen, ist dort oft nicht so einfach. Doch Smartphones gehören mittlerweile zum Alltag unserer Gesellschaft, wir sind ständig online und erreichbar. In einer Bürgerversammlung zum Thema Mobilfunkmast wollte Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) mit einem Experten Klarheit schaffen.

Barbara Bogner
Elektromagnetische Felder spürt auch Bogner. © Robert Brouczek

„Ich muss zugeben, dass auch ich nachts aufwache, wenn ich vergessen habe, das Wlan auszuschalten“, sagte Bogner bei der Veranstaltung. „Wenn es Gegner des Mobilfunkmasten gibt, weiß ich, wovon sie sprechen.“ Wie schädlich das Ganze jedoch sei, stehe auf einem ganz anderen Stern. Fakt ist, dass das derzeitige Netz der westlichen Ortsteile der Kommune nicht ausreicht. Vor allem während des Lockdowns, als viele Bürger im Homeoffice gearbeitet haben, sei das Internet regelmäßig zusammengebrochen. „Ab halb zehn war das Handy tot“, sagte Andrea Killer aus Altkirchen. „Ich weiß, dass viele hier Angst vor den Strahlen haben, aber ein Smartphone kann auch Leben retten.“

Hier soll der Funkmast stehen. 
Hier soll der Funkmast stehen.  © Kohnke/Archiv

Vor allem vor den möglichen gesundheitlichen Folgen fürchten sich einige. Eine klare Entwarnung kann Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt nicht geben – trotz Tausender Studien. „Man kann aus wissenschaftlicher Sicht nie beweisen, dass etwas zu 100 Prozent gefahrlos ist“, sagte er. Das Restrisiko der elektromagnetischen Felder sei jedoch sehr gering. Ganz besonders außerhalb des unzugänglichen Sicherheitsbereichs, den die „Bundesnetzagentur zentimetergenau ausrechnet“, erklärte Kurz etwa 60 Zuhörern. „Es wird so sein, dass am äußersten Eck des Sicherheitsabstands der Grenzwert, der für die Allgemeinbevölkerung bei 0,08 Watt pro Kilogramm liegt, schon längst unterschritten ist“, sagt der Experte.

Rede und Antwort stand Experte Thomas Kurz.
Rede und Antwort stand Experte Thomas Kurz. © Robert Brouczek

Trotzdem äußert der Argeter Stefan Scherer Bedenken: „Wie kann sich jemand anmaßen, etwas in die Bevölkerung raus zu jagen, wenn es noch keine Langzeitstudie gibt?“, schimpfte er. „Ich will kein Versuchskaninchen sein.“ Kurz antwortete: der Ausbau des Mobilfunknetzes sei eine von der Gesellschaft getroffene Entscheidung. „Das Nutzerverhalten bringt den Ausbau“, bestätigte auch Bürgermeisterin Bogner. Eine höhere Strahlenbelastung als von den entfernten Basisstationen gehe von den Endgeräten aus. „Jeder sollte bei seinem eigenem Handy anfangen“, riet Kurz.

Bislang hat der Bauausschuss den Antrag für den Mobilfunkmasten wegen der nicht gesicherten Erschließung abgelehnt, sagt Bogner. „Wie es jetzt weitergeht, schau’n mer mal.“

Aus der Gemeinde: Erst musste die Wahl in Sauerlach neu ausgezählt werden. Dann verlor eine Gemeinderätin ihr Mandat, ein Neuer kam. Das sagen die Fraktionen dazu.

Auch interessant

Kommentare