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Im Land der glücklichen Hühner: Dieses Paar hat aus einem Hobby einen echten Bio-Betrieb gemacht

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Monika und Florian Bock setzen auf Freilandhaltung. 80 Legehennen, 160 Masthennen und sieben Gänse fühlen sich hier in Altkirchen wohl. 
Monika und Florian Bock setzen auf Freilandhaltung. 80 Legehennen, 160 Masthennen und sieben Gänse fühlen sich hier in Altkirchen wohl.  © Volker Camehn

Florian Bock und seine Frau Monika aus Altkirchen beschäftigen sich seit acht Jahren mit Hühnern, anfangs nur als Hobby. Inzwischen betreiben sie einen zertifizierten Bioland-Betrieb und verraten, wieso ihre Hühner hier ein glückliches Leben haben.

Sauerlach – Ohne Gockel geht gar nichts, weiß Florian Bock. „In einer Hühner-Schar muss es immer einen Hahn geben, sonst werden die Hennen aggressiv.“ Man könnte auch sagen: Er ordnet, einem strengen Patriarchen gleich, das Sozialgefüge.„Da haben wir wohl alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte“, erzählt Florian Bock. Ungeimpfte Hühner gekauft, diese dann falsch und zu viel gefüttert. „Das war ein teures Hobby.“ Geschichte.

80 Legehennen, 160 Masthennen und sieben Gänse

Seine Frau und er haben Fachbücher gewälzt, sich Rat beim Geflügelzuchtverein geholt und schnell gelernt, dass es bei allem Idealismus auch jede Menge Bürokratie zu beachten gibt. Etwa, dass man Hühnerhaltung grundsätzlich beim Veterinäramt anmelden muss. Und was 2013 Jahren mit ein paar Hühnern für die Selbstversorgung begann, ist ab 1. Oktober dieses Jahres ein zertifizierter Bioland-Betrieb. Die Bocks halten in Altkirchen inzwischen jede Menge Federvieh, verteilt rund um ihr Einfamilienhaus: 80 Legehennen, 160 Masthennen und sieben Gänse dürften sich hier ziemlich wohlfühlen. Ein halbes Hektar Land haben sie hierfür gepachtet.

Etwa 300 Eier pro Jahr legen die Hühner der Rasse Lohmann Brown. 
Etwa 300 Eier pro Jahr legen die Hühner der Rasse Lohmann Brown.  © Volker Camehn

Auch wenn es bisher nur als Nebenerwerb reicht: „Bock’s Weidehendl“ hat mittlerweile einen guten Namen in der Region. „Die Nachfrage ist enorm“, sagen sie. Frische Eier, Fleisch von glücklichen Hühnern – vor allem in der Pandemie sei der Bedarf sehr stark angestiegen. „Die Restaurants waren ja zu, es wurde mehr zuhause gekocht“, erklärt sich Monika Bock (41) den Hühner-Hype.

Gut vier Quadratmeter Auslauffläche pro Legehenne

„Wir achten auch beim Futter darauf, dass es Bio ist“, betont Florian Bock. Das muss es auch, sonst gibt es keine Zertifizierung, die Einhaltung der Bioland-Kriterien wird streng kontrolliert. Mitunter sei das aber auch eine Sache des guten Geschmacks: „Ich habe den Eindruck, dass meine Hühner das Bio-Futter lieber fressen, als Körner aus Industriestandard“, hat der 42-Jährige beobachtet. Das Futter beziehen die zwei Hühnerhalter aus Augsburg, „Regionalität und damit kurze Anlieferwege ist uns wichtig.“ Wichtig ist aber vor allem, dass die Tiere genug Auslauf haben: Gut vier Quadratmeter Auslauffläche pro Legehenne der Rasse Lohmann Brown gibt es hier. Freilandhaltung eben.

Aber auch das Artgerechte stößt an Grenzen. Lohmann Brown ist eine sogenannte Hybridzucht „Diese Hennen legen jede etwa 300 Eier pro Jahr“, sagt Florian Bock. Das Leben dieses Hochleistungsgeflügels ist gefühlt kurz: Nach 14 Monaten werden sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft. Denn die stete Eierproduktion fordert ihren Tribut. „Nach einem Jahr wird die Schale zu dünn und brüchig, die Eier lassen sich dann nicht mehr verkaufen“, erklärt Bock.

Geschlachtet wird vor Ort

Geschlachtet wird vor Ort, das macht Florian Bock aber nicht selbst: „Dafür brauchst du einen entsprechenden Sachkundenachweis. Und den habe ich nicht.“ Es scheint, dass das ihm auch ganz recht so ist. Wer ein Suppenhuhn haben will, muss bei Familie Bock vorbestellen und mitunter so lange warten, bis wieder geschlachtet wird. Das kann leicht mal ein halbes Jahr dauern, einfach vorbeifahren und mitnehmen – das geht hier nicht. Masthennen haben eine noch kürzere Lebenserwartung als ihre Kolleginnen: 60 bis 70 Tage werden sie gepeppelt, dürfen im Sand scharren und durch die Gegend laufen. Ab drei Kilogramm Lebendgewicht ist dann Schluss. Lieferzeit: acht bis zehn Wochen „und nur auf Bestellung“, sagt Monika Bock.

Die Gockel haben es da besser, können sie doch bis zu zehn Jahre alt werden. „Wenn die Hähne im Alter nicht aggressiv werden, sterben sie bei uns eines natürlich Todes“, sagt Monika Bock. „Ansonsten wandern sie in die Suppe.“

Volker Camehn

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