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Ein Jahr intensiver Arbeit liegt hinter den Koordinatoren des Helferkreises: (v.l.) Niclas Grothe (Freizeit), Marion Dietrich (Gesamtleitung), Ekkehard Denbek (Beschaffung), Amelie von Borries (Öffentlichkeitsarbeit), Anja Vogler-Matauschek (Hausaufgabenbetreuung) und Gerd Jaeger (Deutschkurse).

Ein Jahr Asylunterkunft am Lindenweg

Aus Flüchtlingen werden Freunde

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Sauerlach - Seit gut einem Jahr gibt es in Sauerlach die Flüchtlingsunterkunft am Lindenweg. Viel ist seither geschehen. Jetzt ziehen die ehrenamtlichen Helfer Bilanz.

„Fürs tägliche Leben brauchen die Flüchtlinge uns eigentlich nicht mehr“, sagt Amelie von Borries. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ist aktiv dabei seit der ersten Stunde. Insgesamt 16 Familien, darunter neun aus Afghanistan, drei aus Nigeria sowie jeweils eine Familie aus Albanien, Tschetschenien, dem Irak sowie aus Syrien leben seit gut einem Jahr in der Gemeinde. Die meisten von ihnen in der Unterbringung am Lindenweg, einige seit kurzem auch in Haushälften am Heuweg und an der Hofoldinger Straße. Es sind mittlerweile etwa 80 Menschen, die der Helferkreis betreut.

ist erste Priorität Eines ist in dieser Zeit ganz deutlich geworden: „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, erläutert Gerd Jaeger, zuständig für den Deutschunterricht. Viel Herzblut steckt der pensionierte Volkswirt in die Ausbildung seiner so unterschiedlichen Schüler. Darunter Erwachsene verschiedenen Alters, Menschen ohne und mit Schulbildung, Analphabeten. „Anfang des Jahres mussten wir zwei Lerngruppen bilden, weil die individuellen Lernerfolge so unterschiedlich waren“, erzählt der 78-Jährige. Wie solle man sich denn über die Religion und Kulturen unterhalten, wenn die Worte fehlten. Drei Personen aus der ersten Gruppe hätten bereits einen Job. Peu à peu laufen die anfänglich zu bewältigenden Arbeiten aus, die Aufgaben werden weniger. „Beispielsweise wird die Kleiderkammer kaum noch genutzt, die Menschen kennen sich jetzt aus und holen sich Kleidung aus ihrem Kulturkreis“, sagt Marion Dietrich, Sprecherin und zuständig für die Gesamtkoordination. Beliebt seien natürlich auch Flohmärkte. „Bei den Männern gefragt sind freilich Bayern-München-Shirts“, beobachtete Gerd Jaeger.

Aber die meisten Frauen aus dem Lindenhaus sind geschickt mit Nadel und Faden. Gemeinsam mit ihnen hat Susann Imhoff vom Helferkreis in einem Raum der VHS eine Nähstube eingerichtet. Zwei Stunden pro Woche sitzen sie hier beieinander. „Genäht wird alles, von Abänderungen gespendeter Kleidung über Bettwäsche, Turnsäckchen oder Taschen“, so Imhoff. Neun Nähmaschinen und die Stoffe stammen ebenfalls aus Spenden. Die Teilnehmerinnen aus Afghanistan und Syrien hätten mit vielen kreativen Ideen überrascht. „Im Sticken sind sie Weltmeister“, ist Imhoff wirklich beeindruckt. Das Projekt sei für beide Seiten eine große Bereicherung. „Wir sprechen nur Deutsch und sind richtige Freundinnen geworden.“ Wichtig sei es, und da sind sich alle im Helferkreis einig, Begegnungsstätten und Plattformen für gemeinsame Aktivitäten zu schaffen. Wie das jüngste Gemeindefest der evangelischen Kirche etwa, an dem auch Menschen vom Lindenweg mit Freude teilnahmen. Oder die Offentage des Heimatmuseums in Arget, oder sportliche Veranstaltungen. „Wir bieten sogar einen Schwimmkursus für Kinder in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Holzkirchen an“, berichtet Niclas Grothe (19), Leiter des Arbeitskreises Freizeit. In Planung sei ebenfalls ein Handbuch mit den Freizeitmöglichkeiten der Region.

Wären allerdings die zwei weiteren, anfangs geplanten Flüchtlingsunterkünfte mit nochmals 140 Menschen nach Sauerlach gekommen – an der Sommerstraße sowie Am-Otterloher-Feld – hätten sie die Aufgaben nicht bewältigen können. Der Kelch sei noch einmal an ihnen vorbei gegangen, da sind sich alle einig. „Man weiß aber nicht, wie sich die Lage entwickelt“, sagt Anja Vogler-Matauschek, zuständig für die Hausaufgabenbetreuung. Und auch das steht bereits fest: Ohne den engagierten Helferkreis wäre vieles so nicht möglich gewesen, fehlte dem Begriff „Integration“ mancher Inhalt.

Kathrin Kohnke

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