Sorgt sich um den Ortsverband: VdK-Chef Walter Lederwascher fühlt sich manchmal als Alleinunterhalter.
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Sorgt sich um den Ortsverband: VdK-Chef Walter Lederwascher fühlt sich manchmal als Alleinunterhalter.

VdK bangt um seine Zukunft

Weil Ehrenamtliche fehlen: Sozialverband droht das Aus

Für Rentner, Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderung ist der Sozialverband VdK eine wichtige Stütze im Kampf für soziale Gerechtigkeit. Doch dem Verband für Oberhaching und Sauerlach droht nun das Aus, weil es niemanden gibt, der sich in der Vorstandschaft engagieren möchte. VdK-Chef Walter Lederwascher ist zutiefst besorgt.

Sauerlach/Oberhaching – Walter Lederwascher ist keiner, der lange stillsitzen kann. Rumhocken und Kreuzworträtsel lösen – das ist dem Vorsitzenden des VdK Ortsverband Oberhaching-Sauerlach auf Dauer zu wenig. „Nach dem Renteneintritt wollte ich eine Aufgabe“, sagt der heute 70-Jährige. Beinahe 60 Jahre lang hat er Zither gespielt, bis das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging. Was aber ging: Sich vor Leute stellen und Reden halten. „Ich stehe gerne auf der Bühne“, sagt er.

Keine Frage: Walter Lederwascher ist ein Macher. Er hat als Konstrukteur für Brückenbau gearbeitet. Zupacken, planen – das ist definitiv seine Welt und seit 2010 steht er dem VdK-Ortsverband vor. Erfolgreich: Die Mitgliederzahl hat sich seitdem verdoppelt, aktuell sind es laut Lederwascher exakt 555 (siehe Kasten). Irgendwas hat er also richtig gemacht: Musikveranstaltungen, Lesungen, auf Leute zugehen, aber auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen. „Ich bin hier im Ortsverband so eine Art Alleinunterhalter.“

Es braucht viel Engagement und Idealismus

Alleinunterhalter ist seine Passion und gleichzeitig wohl sein größtes Problem. Wenn Walter Lederwascher „Alleinunterhalter“ sagt, meint er auch immer Einzelkämpfer. Als Vorsitzender versucht er sich bislang um alles zu kümmern: Der Sauerlacher besucht Sitzungen vom Kreisverband und unterstützt seine Kassenführerin Christa Quirmbach. Er verteilt Ehrenurkunden, geht auf Beerdigungen von VdK-Mitgliedern, pflegt den Kontakt zur Kommunalpolitik. Ein weites Feld, das viel Engagement und Idealismus braucht. Das muss man wollen.

Der Ortsverband hatte unter seiner Führung zwar ordentlich Mitgliederzuwachs, das Interesse sich hier zu engagieren, tendiert aber eher gegen null. Schuld daran sei auch die „Spaßgesellschaft“, sagt Lederwascher. „Denjenigen, die noch im Beruf stehen, ist es zu viel. Die anderen wollen sich nicht festlegen.“ Freizeit sei vielen Leuten eben wichtiger als ehrenamtliches Engagement.

Nächstes Jahr soll neuer Vorstand gewählt werden

Nicht umsonst heißt es in der Einladung zur Jahreshauptversammlung, die morgen im Hachinger Hof in Oberhaching stattfinden soll: „Dringend ehrenamtliche Mitglieder für Vorstandschaft gesucht, damit der Fortbestand des Ortsverbands gesichert wird.“ Es geht also um Existenzielles, denn es droht auch Überalterung. „In diesem Jahr sind bereits 15 Mitglieder gestorben“, erzählt Lederwascher. Am 30. April nächsten Jahres soll ein neuer Vorsitzender, wenn nicht der komplette Vorstand, neu gewählt werden. Zeit genug also, dass jemand sich dazu durchringt, Lederwaschers Posten zu übernehmen. Sicher keine leichte Aufgabe, die man so eben im Vorbeigehen bewältigt.

Unterstützung tut da not. Lederwascher bietet seinem potenziellen Nachfolger oder Nachfolgerin selbstverständlich Hilfe und Unterstützung an, da will er gerne noch vier weitere Jahre wirken. „In den Bereich kann man sich ja nicht in einem halben Jahr einarbeiten. Das braucht einige Zeit.“ Und nur rumsitzen, das ist ja auch nichts.

Volker Camehn

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