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Die 24 Gespanne und Reiter mit insgesamt 71 Rössern gehen vor dem Umritt in Position.

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4000 Besucher beim St. Anna-Fest: Der Duft von Kräutern, Leder und Pferden

  • Kathrin Kohnke
    vonKathrin Kohnke
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Etwa 4000 Bittgänger fanden den Weg zur St. Anna-Kapelle in Staucharting. In jedem Jahr am 26. Juli wird hier am Namenstag der heiligen Anna gedacht, der Mutter der Jungfrau Maria, der Großmutter Jesu Christi.

Sauerlach – Wer nur konnte, kam in den Deisenhofer Forst zum Festgottesdienst mit anschließendem Pferdeumritt. Pfarrer Josef Steinberger und Prälat Josef Obermeier segneten heuer 71 Rösser. Der Tag gilt allen Sauerlachern längst als Feiertag. Umso schöner, dass dieser heuer auf Freitag fiel und ein langes Wochenende einläutete.

Rund 4000 Besucher waren zum Fest gekommen. 

Die Stimmung an dem lichtdurchfluteten, magischen Ort war feierlich und gemütlich. Herzstück der Wallfahrt ist die St. Anna-Kapelle, die geschichtlich auf das Jahr 1692 zurückgeht. Im kühlen Schatten der hohen Bäume hielt Prälat Josef Obermeiser die Predigt des Feldgottesdienstes, weihte die schwarzen Wetterkerzen. Derweil kündigte im Hintergrund fröhliches Gewieher und Glöckchenklang die Ankunft der ersten Gespanne an. 24 waren es später. Es duftete nach den Kräutern des Waldes, Leder und Pferd.

Wallfahrt war die Erlaubnis, die Welt kennenzulernen

Prälat Obermeier erinnerte daran, dass es Knechten und Mägden früher nur für eine Wallfahrt erlaubt war, überhaupt den Hof zu verlassen. „Von Erlaubnis kommt das Wort Urlaub her“, so der Geistliche. „Wallfahrtswege waren die Erlaubnis, die Welt kennenzulernen“. So sei Europa aus diesen Wallfahrten einst zusammengewachsen. Ein fragiles Gebilde, doch es gäbe die Straßen und gleiche Leidenswege – „das verbindet!“. Hinsichtlich der heiligen Anna wartete der Prälat mit einer weltlichen Erklärung auf. „Die heilige Anna gibt es gar nicht in der Heiligen Schrift, sie ist ein großartiges Glaubensprodukt der gläubigen Christen“.

Das erste St. Anna-Fest für Sauerlachs Pfarrverbandsleiter. Pfarrer Josef Steinberger sparten denn auch nicht am Weihrauch und segnete Ross und Reiter mit Freude.

Die Vorfahren, einfache Leute, hätten es nicht so mit großen Namen gehabt. Sie sagten, wenn ich etwas brauche, nehme ich etwas, das nahe ist. „Die Oma hat mehr Zeit als die Himmelskönigin Maria, sich um meine kleinen Sorgen zu kümmern“. So jedenfalls stelle er persönlich sich das Ganze vor.

Eine große Ehre an alle Großeltern

Vielleicht bedeute das Wort Anna ja Amme oder Großmutter im Alten Testament. Dies sei eine Ehre für alle, die Großmütter und -väter sind. Und teils Auftrag, Verantwortung zu übernehmen – etwa auf die Enkel aufzupassen. „Doch die Jüngeren sollten auch wissen, dass man im Ruhestand auch mal in den Urlaub fahren will und dass die Alten ein Recht auf Ruhe haben“, sagte der Prälat augenzwinkernd. Jemand applaudierte zustimmend.

Voller Stolz tragen die Madln des Trachtenvereins Edelweiß-Brunnthal ihre Tracht: Veronika (l.) und Theresia Hauser (r.) sind hier die Jugendleiterinnen.

Dreimal galt es später für die Gespanne und Reiter, den Parcours um die kleine Waldkapelle zu umrunden. Wie in den Vorjahren eröffneten vier berittene Polizisten der Pferdestaffel Riem den Umritt auf stolzen Prachtrössern. Im Wechsel mit dem Prälaten segnete erstmals auch Sauerlachs Pfarrverbandsleiter, Dekan Josef Steinberger Ross und Reiter – mit Weihwasser, Weihrauch und Kreuzreliquiar. Es ist das erste St. Anna-Fest des Pfarrers, und es hat ihn rundum beeindruckt. „Ich habe vorher ja keine Ahnung gehabt“, sagt er nach dem Umritt sichtlich zufrieden. Eine lebendige Verbindung von Tradition und Glauben. Dies sei, was die Menschen suchten.

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