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Überraschende Wende: Sauerlach begräbt Krematorium-Pläne

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Von: Volker Camehn

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Verbrennung im Krematorium. © Felix Kästle

Das war’s dann wohl: In Sauerlach wird es in absehbarer Zeit kein Krematorium geben. Das beschloss der Gemeinderat jetzt auf seiner jüngsten Sitzung. Eine Wende um 180 Grad.

Sauerlach - Noch im September hatte man sich hier mehrheitlich bei nur einer Gegenstimme für den Bau einer Feuerbestattungsanlage ausgesprochen. Errichtet werden sollte diese unweit des Heizkraftwerkes nördlich der Hofoldinger Straße. Ein recht ungeeigneter Standort, fand damals zumindest Wolfgang Büsch (Grüne). Sein Bedenken damals: Die Anfahrt zum geplanten Gymnasium würde dann womöglich mit dem Hinweis „Zum Gymnasium am Krematorium rechts“ ausgeschildert werden. Und wer von der Autobahn nach Sauerlach reinfährt, würde als erstes die Verbrennungsanlage sehen. „Dieser Standort passt einfach nicht“, so der Dritte Bürgermeister damals. Mit dieser Position stand Büsch damals noch ziemlich alleine da, sogar in der eigenen Fraktion. Kurze Zeit später trat noch ein weiterer Anbieter auf den Plan, auf einmal standen zwei Krematorien im Gewerbegebiet zur Debatte. Die Pläne sind nunmehr heiße Luft. Beide Bauvorhaben wurden beerdigt.

Widerstand aus der Bevölkerung

Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr. Einerseits hatte sich lautstarker Widerstand unter den Sauerlacher Bürgern formiert, es folgten hitzige Debatten vor allem in den sozialen Netzwerken. Die Sauerlacher machten ihrem Unmut aber auch offline Luft. Soviel Öffentlichkeit war selten: Auf der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend war der Saal schier überfüllt, stand das Thema „Krematorium“ doch gleich mehrmals auf der Tagesordnung: Einmal hatte die Bürgerinitiative gegen den Bau einer oder mehrerer Bestattungsanlagen einen Antrag zur Durchführung eines Bürgerentscheids gestellt, fast gleichzeitig hatte die CSU am 11. November einen umfänglichen Antrag zum Thema eingereicht. Die Grünen beantragten ferner die „Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses zum Bebauungsplan „Sondergebiet Feuerbestattung“.

Es gibt gar keine Überlastung in Münchner Krematorium

Die Hauptargumente und Befürchtungen der Krematorien-Gegner: schädliche Emissionen, was der Grüne Axel Horn allerdings mit Verweis auf den Straßenverkehr gleichwohl als „Panikmache“ bezeichnet, „auch wenn es sicher gute Gründe gegen den Krematorien-Bau gibt“, so Horn. In der Tat war im Gemeinderat die Stimmung längst gekippt. Hintergrund: Sieben Bürgervertreter, darunter Wolfgang Büsch und Rathauschefin Barbara Bogner (UBV), hatten zwischenzeitlich das neue Krematorium am Münchner Ostfriedhof besichtigt. Hier arbeiten derzeit drei Verbrennungsöfen, ein vierter steht bereit, ist aber noch gar nicht im Betrieb. Kurz: Die Münchner Anlage ist alles andere als ausgelastet, „Wartezeiten gibt es hier nicht“, hat Büsch recherchiert. Damit entfalle das Argument der Krematorien-Anbieter, dass enormer Bedarf für das Münchner Umland bestehe, ein Krematorium in Sauerlach also gebraucht würde. „Man hat uns da wohl falsch informiert“, so Bogner. Für Axel Horn ist zudem klar: „Wir tun den Krematorien-Betreibern sicher einen Gefallen, wenn wir das Projekt rechtzeitig stoppen.“

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