+
Für ihre brachiale Diebestour verwendete die Gang Polen-Böller.

Das „Gangsterdasein“ währt nur kurz

Zu einem drastischen Mittel griffen 2015 sechs Jugendliche: In unterschiedlicher Besetzung sprengten sie mit sogenannten Polen-Böllern insgesamt sechs Zigarettenautomaten in Gelting, Sauerlach und Hofolding auf. Sachschaden: 20 000 Euro. Die Männer mussten sich jetzt vor Gericht verantworten.

Sauerlach – Alles begann mit einer „jugendtypischen Blödheit“, wie Richter Urs Wäckerlin die erste Tat bezeichnete. Am Neujahrstag 2015 fuhren fünf der sechs Angeklagten ziellos mit dem Auto umher. Einer von ihnen, ein heute 21 Jahre alter Maurer aus dem sächsischen Bad Muskau (Landkreis Görlitz), hatte einen von der Silvesternacht übrig gebliebenen Böller dabei. Der Knallkörper mit dem Namen „Kobra 7“, den er auf einem Markt in Polen gekauft hatte, ist wegen seiner starken Sprengkraft in Deutschland verboten. Man habe in jener Nacht den Böller nur mal ausprobieren wollen, beteuerten die Angeklagten. Als Testobjekt diente ein freistehender Zigarettenautomat im Gewerbegebiet Gelting. „Wir haben nicht gewusst, was passiert“, sagte ein kaufmännischer Auszubildender aus Wolfratshausen (21). Entsprechend überrascht seien sie gewesen, als es nach einer lauten Detonation Geld und Zigaretten regnete. Der Sachse sowie ein Zimmerer und ein Azubi (beide 20, beide aus Egling) bekamen danach kalte Füße.

Ein heute 21-jähriger Dietramszeller war jedoch auf den Geschmack gekommen. „Er sonnte sich im Glanz des Gangsterdaseins, fühlte sich toll, ein Ding zu drehen“, charakterisierte Staatsanwalt Matthias Braumandl den Kopf der Truppe, der den Erfolg der erste Sprengung auf Bildern in seinem Handy festgehalten hatte. Bei einem Besuch bei seinem Freund in Bad Muskau deckte sich der Lagerist mit Böllern ein. Am 18. Mai 2015 sprengte er einen Automaten im Sauerlacher Ortsteil Lochhofen. Danach wurde es auch dem Wolfratshauser, der ihn wie schon beim ersten Mal begleitet hatte, zu heiß. „Ich wusste, dass es nicht lange gut gehen kann, bei so einer krassen Aktion“ sagte er vor Gericht. An seine Stelle trat ein Lagerist (18) aus Egling. Das neue Team zerstörte noch vier weitere Automaten in Hofolding, Sauerlach und erneut in Gelting. Dann waren die Böller aufgebraucht. Mittels einer Funkzellenanalyse kam die Kripo den Tätern auf die Spur. Die Handys der beiden Angeklagten aus Dietramszell und Wolfratshausen waren zur selben Zeit an den Tatorten in Gelting und Lochhofen geortet worden. Im Verhör packte der Wolfratshauser umfassend aus. In der Verhandlung waren alle Mittäter geständig, reuig und einsichtig. Das wirkte sich auf die Urteile ebenso vorteilhaft aus, wie die Tatsache, dass sie alle in geordneten Verhältnissen leben, in Ausbildung oder Arbeit sind, seither nichts mehr angestellt und den Sachschaden teilweise bereits beglichen haben.

Vier Angeklagte wurden zu Sozialarbeit zwischen 32 und 56 Stunden verurteilt. Der an vier Taten beteiligte 18-Jährige muss zudem 500 Euro an die Brücke Oberland zahlen. Der junge Sachse wurde zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Am härtesten wurde der mehrfach vorbelastete und zudem wegen unerlaubtem Besitz eines Luftgewehrs und eines Butterfly-Messers angeklagte „Mastermind“ (Wäckerlin) bestraft: Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung sowie 72 Stunden Sozialdienst und finanzielle Schadenswiedergutmachung. Zwar bescheinigte das Gericht ihm „eine positive Entwicklung“. Die erste Tat könne man als Dummheit betrachten. „Aber danach war erhebliche kriminelle Energie im Spiel“, begründete Wäckerlin, warum das Schöffengericht die für eine Jugendstrafe erforderliche schwere der Schuld für gegeben ansah.
Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Das Befahren der Isar im Landkreis München ist ab Samstag, 19. August, bis auf Weiteres verboten. Damit reagiert das Landratsamt auf die gefährliche Hochwasser-Situation …
Ab sofort Boot-Verbot auf der Isar
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein
Als der Mann am Telefon eine Verdoppelung des Gewinns versprach, war der Widerstand einer 24-jährigen Unterschleißheimerin erlahmt.
Unterschleißheimerin (24) fällt auf Betrüger herein
Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe
Familie Hoyler aus Hochmutting fürchtet um das Leben ihrer Lämmchen. Saatkrähen könnten ihr Feind sein.
Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe
Lkw klemmt Motorradfahrerin ein
Ein Lkw-Fahrer hat in Oberschleißheim an einer Kreuzung eine wartende Motorradfahrerin übersehen und mit seinem Truck gerammt. 
Lkw klemmt Motorradfahrerin ein

Kommentare