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Roswitha Stage will andere Briefeschreiber warnen, Geldscheine in den Umschlag zu legen. Die 160 Euro hat sie inzwischen abgeschrieben. 

Sauerlacherin wollte Enkel beschenken

Geld aus Briefen geklaut  - doch von der Post gibt es keine Hilfe

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Zweimal ist Geld verschwunden. Insgesamt 160 Euro, die Roswitha Stage mit Brief und Kuvert verschickt hat. Die 78-Jährige ist verärgert. „Ich wollte meinen beiden Enkelinnen zu Ostern eine Freude machen“, erzählt die Sauerlacherin, „weil wir uns wegen der Corona-Einschränkungen nicht besuchen konnten.“

Sauerlach– Am 8. April hat Roswitha Stage den ersten Brief adressiert und nach München geschickt, 30 Euro für jedes Kinder, insgesamt 60 Euro steckte sie in das weiße Kuvert und einen Brief, mit dem sie zum Festtag grüßen wollte. Als sie an Ostern anrief, fragte die zehnjährige Ida: „Womit wolltest du uns denn eine Freude machen, Oma?“ – „Ich habe doch 60 Euro geschickt“, antwortete sie entgeistert. „Aber da war gar nichts in dem Brief“, ließ das Kind die Großmutter wissen. Die stutzte zwar, als die Schwiegertochter erzählte, dass das Kuvert mit Tesafilm verschlossen sei, trotzdem zweifelte Roswitha Stage zuerst an ihrem Gedächtnis, verunsichert fragte sie sich, ob sie vielleicht vergessen hatte, die Geldscheine in den Umschlag zu legen.

Auch der zweite Brief kommt nicht an 

„Weil mir die Kinder leid taten, schrieb ich zum Trost einen zweiten Brief.“ Diesmal legte sie 100 Euro hinein, frankierte den Umschlag mit einer 80-Cent-Marke und schickte ihn am 16. April.

Vier Tage später kam er in München an, doch wieder war die Freude getrübt. Die Schwiegertochter berichtete, dass kein Geld enthalten und der Brief wieder mit Tesafilm verschlossen war. „Das war ein Schock“, diesmal war Roswitha Stage klar: Jemand hat das Geld gestohlen.

Ohne Beleg kein Nachforschungsantrag

Im Internet wollte sie einen Nachforschungsantrag stellen. „Das ging ins Leere, ich hätte einen Nachweis erbringen müssen, dass ich den Brief aufgegeben habe“, einen Beleg hat die 78-Jährige aber nicht.

Die Post muss nicht für den Schaden aufkommen. In den allgemeinen Geschäftsbestimmungen steht, dass Sendungen, die Geld enthalten, von der Beförderung ausgeschlossen sind. Eine Ausnahme ist das Angebot „Wert National“, gegen einen Aufpreis von 4,30 Euro zum Porto. „Das wäre die richtige Versendungsform gewesen“, sagt Dieter Nawrath von der Pressestelle der Deutschen Post. Früher hieß dieser Service „Wertbrief“, hier ist der Versand von bis zu 100 Euro und Wertgegenständen bis 500 Euro versichert. Der Kunde bekommt einen Einlieferungsbeleg in der Postfiliale und kann die Briefsendung auch online verfolgen.

Sprecher der Post: „Auch bei der Post gibt es schwarze Schafe“

Rechtlich gesehen, ist die Post nicht zu belangen. Dass die Geldscheine nicht beim Empfänger ankamen, bedauere man. „160 Euro sind ja kein Kleckerlesbetrag“, sagt Nawrath. „Über die Gründe kann man nur spekulieren.“ Nachforschungen stellt die Post im Fall von Roswitha Stages nicht an. „Das ist schwierig bei 55 Millionen Briefsendungen pro Tag in Deutschland,“ sagt Nawrath.

Grundsätzlich sei es natürlich schon so, dass es auch bei der Post, „schwarze Schafe“ gebe. „Wir haben Securityexperten, die präventiv oder bei Verdachtsmomenten tätig werden.“ Allgemein rät Nawrath Absendern, sich in den Postfilialen beraten zu lassen, bei welchem Versand die Post haftet. Und er warnt: „An das Geburtstagskind, sollte nicht groß auf einem Brief stehen“, das könnte eine Einladung sein, „wenn es jemand darauf anlegt, Briefe zu öffnen.“

Roswitha Stage wusste bisher nicht, dass man Geld nicht in einem Brief verschicken darf. „Aber das Briefgeheimnis gilt wohl noch“, sagt sie, „die Briefe hätten nicht geöffnet werden dürfen.“ Das stößt ihr noch übel auf, auch wenn sie das Geld längst abgeschrieben hat.  

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