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„Müder Wanderer, stehe still, mach bei Sankt Corona Rast. Dich im Gebet ihr fromm empfiehl, wenn Du manch Kummer und Sorgen hast.“ – so lautet eine Inschrift an der St.-Corona-Kapelle bei Arget. Flankiert wird die Inschrift auf dem Bild von den orthodoxen Erzpriestern Apostolos Malamoussis (l.) und Georgios Vletsis. Sie beteten dort für die Heilung Erkrankter und die Bekämpfung der Krankheit und ließen eigens eine Ikone für die Kapelle fertigen.

Kuriose Namensgleicheit

Die Heilige Corona hat eine Kapelle in Sauerlach - Orthodoxe stiften Ikone

  • Kathrin Kohnke
    vonKathrin Kohnke
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Ein verstecktes Kleinod hat dieser Tage Konjunktur: Viele Kerzen brennen an der St.-Corona-Kapelle bei Arget. Die Patronin der Metzger und des Geldes wurde früher auch gegen Seuchen angerufen. Wegen der Viruspandemie bekommt das Kirchlein ein besonderes Geschenk.

Arget – Der Sauerlacher Ortschronist Helmut Berthold kommt oft hierher. Erst neulich hat der 79-Jährige das Laub aus der Regenrinne der kleinen Kapelle St.-Corona bei Arget gefischt. Und eine Mutter mit zwei Kindern und Hund im Wald getroffen, die dort um Schutz für ihre Familie gebetet hatte – um Schutz vor dem Virus, das derzeit die Welt aus den Angeln hebt.

Die Kapelle der Heiligen St. Corona steht im Wald von Arget, an der Michaeli-Straße Richtung Gumpertsham.

Für die Abhilfe gegen die grassierende Pandemie qualifiziert die Heilige mehr als nur der Name, den sie mit dem Virus gemeinsam hat. Ortschronist Berthold, ein unerschöpflicher Quell an Heimatwissen, erklärt: „Sie ist die Patronin der Schatzgräber und Metzger, aber auch Schutzheilige gegen Seuchen.“ Doch ihr Schicksal war grausig: Bereits im Alter von 16 Jahren wurde sie hingerichtet, ihres christlichen Glaubens wegen. Man band das Mädchen der Überlieferung nach zwischen zwei zusammengespannte Palmen. Als diese auseinanderschnellten, zerriss es ihren Körper. Vermutlich im 2. Jahrhundert in Syrien oder Ägypten wurde sie so zur Märtyrerin.

Corona-Kapelle geht aufs 17. Jahrhundert zurück

Das Grab der Heiligen Corona mit dem Hauptreliquienschrein liegt in Feltre in Venetien, Norditalien – einer von dem Virus besonders betroffenen Region. Dass die Heilige auch im Wald von Arget, an der Michaeli-Straße Richtung Gumpertsham, in einer Kapelle angebetet wird, hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert. Damals wurde das Kirchlein gebaut, das hat Heimatpfleger Berthold einer Chronik des damaligen Pfarrers entnommen.

Der Altarraum der St.-Corona-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert.

Schon davor habe an gleicher Stelle eine kleine Hütte gestanden. „Dort gab es ein hölzernes Bildnis, das von einer Familie mitgenommen wurde – aber auf wundersame Weise immer wieder den Weg zurück fand“, erzählt Berthold. Ein kleines Wunder, das 1648 den Bau der Kapelle bewirkt haben soll. Die Weihe erfolgte 1672 durch den Freisinger Weihbischof.

Dreimal jährlich fanden Wallfahrten statt, die im Laufe der Zeit offenbar ausuferten. Überliefert ist die Klage des damaligen Pfarrers: „Die Jungen trinken, tanzen und springen, raufen und schlagen“, zitiert Berthold. So wurde die Kapelle 1807 abgerissen. Ein Argeter Wirt sicherte sich Mauerwerk für einen Schweinestall, doch die Zucht wollte nicht gelingen. „Die Steine konnten dann wieder für den Wiederaufbau genutzt werden, so um 1820“, erzählt Berthold.

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Argeter renovierten die Kapelle 1986

1986 erfolgte die jüngste Renovierung. „Da hat die Kapelle Grundmauern aus Beton bekommen, ein neues Dach und neue Farbe“. Auch sei der Innenraum renoviert worden. Die Pfarrangehörigen hätten an der nur etwa 8,70 Meter langen und 6,40 Meter breiten Kapelle viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. So finden Gläubige gut anderthalb Kilometer von der Argeter Kirche St. Michael entfernt einen Ort zum Innehalten vor. Es könnte ja sein, dass die Heilige Corona bis heute ein offenes Ohr für die Sorgen ihrer Besucher hat. Schaden kann ein kurzes Gebet derzeit jedenfalls nicht – solange sich die Besucher auch an die weltlichen Abstandsregeln halten.

Wegen Coronavirus: Orthodoxe Gemeinde stiftet besonderes Geschenk

Als die Coronavirus-Pandemie auch Bayern erreichte, suchten zwei in München tätige Geistliche der Griechisch-Orthodoxen Metropolie Deutschlands die St. Corona-Kapelle in Arget auf. Die Erzpriester Apostolos Malamoussis und Georgios Vletis sprachen Bittgebete gegen die Krankheit. Und Malamoussis beauftragte den Ikonenmaler Paschalis Dougalis, Kantor der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in München, eine Ikone der Heiligen zu malen. 

Die Märtyrerin St. Corona auf der Ikone, die die griechisch-orthodoxe Allerheiligenkirche München der Kapelle in der Gemeinde Sauerlach stiften wird. Rechts ist das Martyrium der Heiligen dargestellt, die zwischen zwei Palmen zerrissen worden sein soll.

Sie ist 40 Tage lang auf dem Altar der Allerheiligenkirche (Ungererstraße 131) aufgestellt, bevor sie als Geschenk an ihren neuen Bestimmungsort kommen soll: die St.-Corona-Kapelle in Arget. In den 40 Tagen sprechen die Erzpriester täglich Gebete an die Heilige Corona und an die Mutter Gottes für die Rettung vor der Pandemie. 

Am 14. Mai, ihrem Gedenktag, soll im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes die persönliche Übergabe an Sauerlachs Pfarrverbandsleiter Josef Steinberger stattfinden, falls öffentliche Gottesdienste dann wieder erlaubt sein sollten. Es ist das erste Mal , dass eine in Deutschland nach griechisch-orthodoxem Ritus gemalte Ikone der Heiligen Corona in München geweiht wurde. „Es ist wirklich eine schöne ökumenische Geste“, so Steinberger.

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