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Dieser junge Igel ist Wilma Barth im eigenen Garten in die Hände gefallen. Er ist etwa vier Wochen alt und 250 Gramm leicht. In den meisten Fällen aber bekommt sie die Tiere von empathischen Findern.

Vor dem Winterschlaf

Igel-Liebe: Diese Sauerlacherin rettet die kleinen Tiere vor dem Tod

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Wilma Barth kümmert sich derzeit um zwölf hilflose Igel. Schon  seit vielen Jahren hat sie eine Auffangstation in Sauerlach und ist über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Viele der Tiere kommen mit sehr schlimmen Verletzungen zu ihr.

Sauerlach – Ab Oktober ist das Nahrungsangebot für die Igel stark reduziert. Sie finden nichts mehr, weil sich die Insekten bereits zurückgezogen haben, Larven gibt es auch keine. Bei vielen geht der Überlebenskampf gegen die Kälte los. Denn nur ein gut ernährter Igel übersteht den langen Winterschlaf. Zur gleichen Zeit geht es bei Wilma Barth in Sauerlach zu wie im Taubenschlag. Sie hat sogar einen zu Hause im Garten – neben den Gehegen für die Igel, die schon wieder ein paar Pfunde am Bauch zugelegt haben. Grundschulkinder und Gruppen aus den Kindergärten besichtigen das Tierheim Sauerlach und lauschen den Tipps und Erzählungen.

Nicht nur echte Igel wohnen bei Wilma Barth

Wo man hinschaut bei den Barths, sieht man Igel. Auf der Tischdecke erscheint das Motiv, darauf zur Dekoration Kastanienigel, auf der Ablage Mecki-Figuren. Es ist eine Leidenschaft, das gibt die Sauerlacherin unumwunden zu. Vornehmlich kümmert sich die 49-Jährige um hilflose und kranke Igel, die sie bis zur Genesung aufpäppelt und erst dann frei herumstreunern lässt, wenn sie wieder fit für die Natur sind. Aber auch Eichhörnchen oder Siebschläfer finden hier ein betreutes Obdach mit medizinischer Versorgung.

Überall Igel: Selbst die Dekorationen im Haus der Barths zeugen von der Leidenschaft für die Stacheltiere.

Durch die sozialen Medien ist die Auffangstation mittlerweile sehr bekannt. Das Einzugsgebiet reicht von Oberland bis in die Landeshauptstadt bei einer Kapazität von rund 50 Igeln. Es ist die bisherige Höchstzahl, die Wilma Barth bei sich zu Hause aufgenommen hat. Im Moment hegt sie zwölf Igelchen. Eine fachliche Ausbildung in Veterinärmedizin hat sie zwar nicht, aber ihr täglicher Kontakt zu den Tieren von Kindesbeinen an und eine große Lernbereitschaft zeichnen sie aus und machen ihre Arbeit über alle Zweifel erhaben.

Igelretterin seit Tag eins

Vor vier Jahren hat Wilma Barth den Tierschutzverein Sauerlach gegründet. Um Igel kümmert sie sich jedoch ihr Leben lang. Schon als die Eltern in Sendling wohnten und das Häuschen in Sauerlach als Wochenend-Domizil nutzten, war die Natur und ihre Lebewesen ihre Spielgefährten, Plüschtiere brauchte es nicht. Die Mama ist mittlerweile 90 Jahre alt, und die jüngere Generation kümmert sich um Haus und Garten. Die Mutter hatte dereinst der jungen Wilma die Vorliebe für Igel quasi in die Wiege gelegt. Garten naturbelassen nicht alles wegkehren, die Laubhaufen liegen lässt, in denen sich die Insekten als Nahrungsmittel einnisten. Das erzählt die Tochter, während sie im Gespräch die Hände mit Desinfektionsmittel wäscht. Die Igel mag sie nicht mit Handschuhen anfassen, aber es besteht bei Nachlässigkeit doch die Gefahr, sich einen Pilz einzufangen.

Hält den kleinen Igel warm in ihren Armen: Wilma Barth hat sich ihr Wissen über die Tiere selbst angeeignet.

Überall lauern umgekehrt die Gefahren für die Igel durch den Menschen. Beim Durchstechen des Komposthaufens mit der Mistgabel aufgespießt. Halb ertrunken, weil sie in den Teich gefallen sind. Rasenroboter oder Trimmer, die dem Igel den Kopf abschlagen. „Ich habe auch schon skalpierte Igel bekommen. Da kommt jede Hilfe zu spät.“ Bei den Gartenarbeiten also Vorsicht. Die Laubbläser blasen auch die gut genährten Igel durch den Garten. Dabei können sie sich verletzen. Die größte Gefahrenquelle sind die gelben Säcke, entweder kommen sie nicht mehr heraus oder verletzten sich an an geöffneten Dosen.

Rund 90 Prozent der Igel kommen durch

Es kommen täglich neue Bewohner hinzu. Gott sei Dank gibt es sehr viel mehr Beispiele von geretteten Igeln als von traurigen Beerdigungen. Zu rund 90 Prozent kommen sie durch, die Jungigel erreichen die kritische Gewichtsmarke von 500 bis 600 Gramm. Dann können sie in den Winterschlaf verfallen. Sie haben es sich dann unterm dichten Laub gemütlich gemacht und atmen ruhig. Das Nästchen sieht man gar nicht. Wenn sie im Oktober oder November erst auf der Station eintrudeln, ist eine Auswilderung nicht mehr möglich und sie kommen auf die Intensivstation im Wintergarten. Dort sind auch mehrere Kaninchen frei laufend unterwegs. Wer glaubt, dass die Kleinen bis Weihnachten eingeschlafen sind: Nichts da! Aber schließlich ist es für Wilma Barth ein Geschenk, zufriedene Schnauferer aus dem Wintergarten zu vernehmen.

Ein Igel kostet am Tag zwischen einem und 1,50 Euro, hat Wilma Barth ausgerechnet – ohne die Medikamente und tierärztlichen Maßnahmen. Wer die Igelstation unterstützen möchte, kann an den Verein spenden unter IBAN: DE81 1001 1001 2620 3448 13.

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