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Fachwerkhaus mit gehäkelter Spitze: Rita Dichtl-Manz fertigt wunderschöne Quilts mit selbst gefärbten Stoffen.

Internationaler Museumstag im Heimatmuseum Arget

Das Muster ihres Lebens

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Türkise Sterne aus Marrakesch, hundertblättrige Rosen: Die Quilt-Ausstellung von Rita Dichtl-Manz tauchte das Argeter Heimatmuseum in kräftige Farben und hauchte dem traditionellen Haus passend zum internationalen Museumstag das Gefühl der weiten Welt ein.

ArgetEs ist die erste Einzelausstellung von Rita Dichtl-Manz. Mitgebracht hat die sympathische Sauerlacherin etwa 30 Quilts und drei Mini-Serien. Alles aus den vergangenen 20 Jahren. Mit sicherem Blick hat sie für jedes Werk den richtigen Platz gefunden. Die lichtdurchfluteten Räume im ersten Stock des alten Pfarrhofs sind ideal. An vielen Stellen hat die Zeit auf dem Putz Spuren hinterlassen, die Wände wirken lebendig und warm. So, wie auch die Quilts von Dichtl-Manz.

Seit 2006 ist sie Mitglied der Gröbenzeller Quiltgruppe mit 22 Mitgliedern ab 27 Jahren. „Alles Frauen, die meisten sind etwa ab 50-Plus aufwärts“, erzählt die 61-Jährige. Da sie auch Occhi-Spitze und Klöppeln lernen wollte, trat sie „art textil“ in Dachau bei, einem Verein für künstlerisches und handwerklich-textilem Gestalten. Handarbeit war schon immer ihr Ding – und kreative Erfüllung neben dem Beruf. Mit Ehemann Wolfgang, Bauphysiker und Sachverständiger, unterhält sie ein Büro für Schallschutz am Hochbau. Da ist Präzision gefragt – wie bei den Quilts. „Man muss schon sorgfältig arbeiten, sonst ist am Ende alles schief“, erzählt sie und lacht.

Eingetaucht in die Näherei

Dem Muster folgt ein weiteres ihrer Hobbys: „Ich tauche leidenschaftlich gern“. Nicht mal eben so mit Schnorchel, sondern professionell mit voller Montur, am liebsten im Roten Meer, dem Mittelmeer, den Philippinen. „Überall, wo es warm ist und gern in Gesellschaft“, so Dichtl-Manz. Bei den Münchner Seeteufeln ist sie daher Mitglied. Mit einer Applikationsdecke für Tochter Laura tauchte Rita Dichtl-Manz 1988 vollends in die Näherei ein. Storch, Fisch und Katze im Quadrat finden sich auf der Kinderdecke wieder. „In einer Zeitschrift gab es die Vorlage dafür, den Rest habe ich damals improvisiert“, erinnert sie sich. Erst Jahre später habe sie dann einen ersten Patchwork-Kursus bei der VHS in Sauerlach besucht. „Nachdem die Kursleiterin aber aufhörte, musste ich wechseln“.

Unerschöpflicher Ideenreichtum

Mangels Angebot in Sauerlach kam sie zur VHS in Unterhaching. Heute ist sie dort selbst Dozentin. Viele weitere Kurse hat sie zuvor aber noch selbst belegen müssen, um solche Arbeiten wie die in Arget nähen zu können. In den meisten spiegelt sich ein Teil ihres Lebens wider, greift sie zu unterschiedlichen Techniken. Immer wieder sind Fische zu sehen. Für einen „Brief-Marken-Quilt“, ein filigranes Werk in zarten Farben, hat sie unter anderem alte Briefe und -marken eingescannt, auf Stoff ausgedruckt und dann dreilagig zusammengefügt. „Auch die Geburtsanzeige von meinem Mann ist dabei, von 1946“, sagt sie dann.

Alle Stoffe sind selbst gefärbt, der Ideenreichtum ist erstaunlich. Sogar Rost gibt einigen ganz besonderen Charakter. Dafür legt sie ihre Stoffe auf den Boden, gibt Metallenes wie alte Fahrradketten darauf und begießt alles wochenlang mit Salzwasser. Die Abdrücke sind verblüffend – und schön. „Es macht einfach riesigen Spaß, zu experimentieren“, sagt Rita Dichtl-Manz vergnügt. Freilich ist auch das schmucke Dirndl, das sie in der Ausstellung trägt, selbst genäht.

Viele Interessierte, darunter auch manche Kursteilnehmerinnen von Rita Dichtl-Manz, kamen ins Heimatmuseum nach Arget, um sich die eintägige Ausstellung anzuschauen. Viel Leben herrschte in dem sonst stillen Gemäuer. Die Mitglieder des Fördervereins führten die Besucher durch die Räume und sorgten in bewährter Weise fürs leibliche Wohl am Internationalen Museumstag.

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