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Falsch ausgezählt: Wahl-Blamage in Sauerlach

  • Kathrin Kohnke
    vonKathrin Kohnke
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Jetzt ist es tatsächlich passiert. Die UBV in Sauerlach hatte den richtigen Riecher, als sie das Ergebnis der Gemeinderatswahl anzweifelte.

Sauerlach– Landratsamt und Verwaltung haben mittlerweile alle Wahlzettel nachgezählt, und das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CSU und UBV ist entschieden. Die Unabhängigen Bürger haben 49 Stimmen mehr und damit ihren siebten Sitz im Gemeinderat. Ausbaden müssen das die Christsozialen – ihnen bleiben nur noch sechs Sitze.

„Ich freue mich wie ein Schnitzel!“, sagt eine strahlende Bürgermeisterin. Ein so deutliches Ergebnis sei überraschend, „aber mei, das Nachzählen hat sich gelohnt“, so Barbara Bogner (UBV) auf Anfrage. Sie habe das Ergebnis telefonisch von Klaus Koch (UBV) erfahren. „Er und seine Gattin haben darauf erst mal eine Piccolo aufgemacht.“ Nun ist die UBV auch wieder die stärkste Gruppierung im Gremium.

Etwas gemäßigter, eher sportlich, nahm UBV-Vorsitzender Klaus Zimmermann die Nachricht auf. Natürlich freue er sich. Aber: „In der vorherigen Amtszeit hatten wir acht Sitze im Rat, die CSU sieben. Jetzt haben beide einen Sitz weniger“, so der Vorsitzende. Und der eine Sitz mehr bedeute für ihn nicht automatisch, dass die UBV auch jeden Beschluss mehrheitlich in der Tasche hätte. „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang, jeder entscheidet nach bestem Wissen“, so Zimmermann. Bei dem kommenden Vorgehen habe jetzt die Bürgermeisterin Entscheidungshoheit.

CSU: „Gegebenenfalls die Wahlprüfung anfechten“

Wie ein Blitz traf die Nachricht hingegen die Sauerlacher CSU. Sie war mit der knappen Mehrheit von nur sechs Stimmen bislang die Nummer Eins. „Jetzt wird aller Wahrscheinlichkeit nach Andrea Killer gehen müssen“, bedauert CSU-Ortschef Markus Hoffmann den Ausgang der Wahlprüfung. Die engagierte Gemeinderätin war für Hubert Zellner als erste Nachrückerin ins Gremium eingezogen. Dieser konnte das Amt nicht antreten, weil er gleichzeitig Bauamtsleiter der Gemeinde ist. Das Ergebnis insgesamt erwischte Hoffmann kalt. In dieser Dimension sei er darauf nicht vorbereitet gewesen. Jetzt werde es zunächst eine Vorstandssitzung geben, gibt er Auskunft. „Wir werden schauen, wo die Fehler lagen und gegebenenfalls die Wahlprüfung anfechten“, so der Vorsitzende.

Voraussichtlich in der Gemeinderatssitzung am 28. Juli wird dann Robert Maier, Sauerlachs ehemaliger Geschäftsleiter, für die UBV vereidigt. Weitere Konsequenzen der Wahlprüfung: „Da die CSU einen Sitz verliert und Andrea Killer in einigen Ausschüssen vertreten war, werden diese wohl neu besetzt werden müssen“, erläutert Bogner. Bisher in den Gremien gefasste Beschlüsse blieben amtlich. „Da sehe ich keine Probleme. Das Recht, das gilt, ist recht!“, so Bogner. Bei den anderen Fraktionen hätten sich keine maßgeblichen Änderungen ergeben.

Noch läuft die Einspruchsfrist

Die erneute Auszählung der Gemeinderatswahl erfolgte vom 17. bis 18. Juni im Sauerlacher Rathaus. Sämtliche Stimmbezirke wurden dabei von je drei Vertretern der Verwaltung und des Landratsamtes geprüft. Die UBV errang jetzt 27 489 Stimmen gegenüben ihrem schärfsten Konkurrenten, den Christsozialen, die bei 27 440 Stimmen landeten. Die Bürgervereinigung hatte die Wahl aufgrund der hauchdünnen Mehrheit der CSU angefochten. Ursächlich dafür waren unter anderem auch Zweifel an der Funktionsweise der Scanner-Stifte für die Auszählung gewesen. Vor Erlass eines amtlichen Berichtigungsbescheids und der so genannten Verbescheidung der Anfechtung haben alle Beteiligten noch die Möglichkeit zum Einspruch beim Landratsamt. Diese Frist läuft am 8. Juli ab.

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