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"Eigentlich bin ich ein Spießer": Lederhosendesigner Michi Thalhammer (39) aus Sauerlach.

Tattoos auf Hirschlederne

Ex-Wilderer motzt die Lederhose auf

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Sauerlach - Tattoos und Lederhosen – für Michi Thalhammer (39) ist das kein Widerspruch. Er hat sogar eine Geschäftsidee daraus entwickelt. In seinem Laden in Sauerlach verkauft er traditionelle Hirschlederne mit Motiven, die im Tattoo-Stil gebrannt sind.

Kürzlich hat sich ein Kunde sein Hochzeitsdatum in die neue Lederhose brennen lassen, andere wählen ein Motiv aus; den „Wolpertinger“ etwa oder „Jennerwein“. Oder sie lassen eigene Ideen auf Leder verewigen. „Durch das Brennen bleibt das weiche Material des Leders erhalten“, sagt Michi Thalhammer. Auf den speziellen Brennstab, den er selbst entwickelt hat, hat er sogar ein Patent angemeldet.

Den Brennstab zu sehen bekommt der Besucher des Ladens „Brandner und Kneißl“ in der K.-W-Raiffeisenstraße allerdings nicht. „Geheim“, grinst der 39-Jährige.

Dafür führt er in das Tattoo-Studio im hinteren Teil des Ladens, einen hellen, freundlichen Raum. Hier arbeiten die Tätowiererinnen Marion Glas und Katharina Menne an der Hautmalerei – und an den Motiven für die Lederhosen. Denn Michi Thalhammer, der frühere Sänger der Wiesn-Band „Wuidara Pistols“, hat „zwar viele Ideen, zeichnen kann ich aber nicht“.

Und Sozialpädagoge wollte er auch nicht mehr sein, den Beruf, den er vor seiner Bandlaufbahn gelernt hat. „Ich war es nicht mit Leib und Seele“, sagt der 39-Jährige. „Meine Meinung ist, man kann nur gut sein in Sachen, die man gerne macht.“

Und so reifte langsam, in vielen Gedankenspielen, an denen auch seine Frau beteiligt war, die Idee für den Lederhosen-Laden mit Tattoo-Studio, für den „bayerischen Surfstil“. Er vereinigt die Dinge, für die Thalhammers Herz schlägt. „Über allem steht die Liebe zu Strand, Sonne, Meer.“ Wenn möglich, ist er mit der Familie am Meer, in den vergangenen Jahren war es Florida. „Ich mag diesen Lifestyle“, sagt der Jungunternehmer, der zunächst in Baierbrunn, später in München aufgewachsen ist und heute mit seiner Familie in Otterloh lebt.

Ein „bisschen Beach-Boy-Feeling“, eine „gewisse Portion Punk und Rock’n Roll“, das taugt Thalhammer. „Ich bin überzeugter Bayer und ich liebe Bayern, aber ich habe noch mehr im Blick. Ich lebe gern mit anderen Kulturen.“ Thalhammer trägt ein selbst designtes T-Shirt mit der Aufschrift „Aloha Bavaria“, seine Arme sind von oben bis unten voller Tattoos, nahe am Handgelenk steht der Name seiner Tochter, irgendwo zwischen den fein gestochenen Mustern findet sich ein Totenkopf mit Gamsbart, das Logo der Band „Wuidara Pistols“. Tätowiert ist er noch an Rücken und Beinen; Gesicht und Hände jedoch: „niemals“. Er trage die Tattoos auch „nicht, um cool zu sein“, betont der 39-Jährige. „Ich finde sie einfach schön.“ Und so kam er eben irgendwann auf die Idee, auch die Lederhosen zu „brennen“.

Es gibt drei Modelle, keine Kniebundhosen, aus sämisch gegerbtem Hirschleder, das Thalhammer aus einer österreichischen Gerberei bezieht. Alles Unikate, bei manchen sieht man deutlich die Narben im Leder. „Der Hirsch hat gelebt, der ist nicht nur für meine Hos’n gestorben“, betont Thalhammer. „Das Material ist hochwertig, dieses Leder hält Generationen.“

Ohne Branding, das nach Motiv berechnet wird (etwa 230 bis 290 Euro), kostet eine Lederhose um die 1100 Euro. Nachhaltigkeit ist ihm wichtig, sagt Thalhammer. Neben den Hirschledernen verkauft er in seinem Laden T-Shirts, Strickwaren und Accessoires, die vorwiegend aus heimischen Betrieben und nachhaltiger Produktion stammen. „Für mich passt das hier alles verdammt gut zusammen“, sagt der Ladeninhaber, der kürzlich mit „Brandner und Kneißl“ Einjähriges gefeiert hat.

Den Laden hat er nach „bayerischen Rebellen“ benannt, sagt Thalhammer: dem Brandner Kaspar, der dem Tod ein Schnippchen schlägt, und Räuber Matthias Kneißl: „Traditionell und doch mit eigenem Kopf.“ Bilanz nach einem Jahr: Das Geschäft laufe, im Ort sei er „sensationell gut aufgenommen worden“. Im Übrigen, sagt Thalhammer und grinst, dürfe sein Aussehen nicht darüber hinweg täuschen: „Eigentlich bin ich ein Spießer.“

Bernadette Heimann

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