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Auch von Prügel spricht der Zeuge gegen einen 23-jährigen Sauerlacher, der ein Pärchen aus der Oberpfalz betrogen haben soll. 

Zeuge schildert irre Szenen

Banaler Unfall in Sauerlach doch eher Irrsinns-Krimi? - Rohe Gewalt, Verfolgungsjagd, schmerzhaftes Versehen

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Eine junge Frau wird zwischen zwei Autos eingeklemmt und schwer verletzt. Doch dieser nächtliche Unfall in Sauerlach ufert aus in eine Räuberpistole über einen betrügerischen Goldhändler, eine Entführung und eine wilde Hatz, die im Landkreis München spektakulär endet.

Sauerlach – Zunächst klang der Vorfall zwar schmerzhaft - aber unverdächtig. Doch hinter einem vermeintlichen Unfall beim Rangieren im beschaulichen Sauerlach scheint sich eine schier unglaubliche Kriminalgeschichte zu verbergen... Ihre möglichen Bestandteile: Ein sechsstelliger Geldbetrag, rohe Gewalt, eine Verfolgungsjagd und schwierige polizeiliche Ermittlungen.

Dabei war der offen erkennbare Startpunkt eben recht banal ausgefallen. Ein 32-jähriger BMW-Fahrer aus dem Kreis Neumarkt in der Oberpfalz hatte in der Nacht zum Sonntag eine 26-Jährige aus dem selben Landkreis beim Rückwärtsfahren in Sauerlach erfasst – die Frau wurde zwischen zwei Pkw eingeklemmt und schwer an Bein und Hüfte verletzt. Seltsam: Die beiden Oberpfälzer seien in getrennten Fahrzeugen vor Ort gewesen. Ob und wie sie sich kannten, dazu könne sich die Polizei nicht äußern, hieß es zunächst.

Sauerlach: Dem Unfall soll ein Streit vorausgegangen sein - Kripo ermittelt

Einen Tag später berichtet das Präsidium von einem weiteren Beteiligten - und einer pikanten Vorgeschichte: Dem Unfall vorausgegangen sei ein Streit zwischen einem 23-jährigen Sauerlacher und dem späteren Unfallfahrer. Der Jüngere, ein polizeibekannter Betrüger, habe den Älteren wohl mit Goldgeschäften übers Ohr gehauen – bei mehreren Bargeldübergaben habe der Oberpfälzer dem Sauerlacher insgesamt über 100.000 Euro anvertraut, die dieser für ihn investieren sollte. Über die Anlagestrategie gab es aber offenbar Unstimmigkeiten, die in Sauerlach eskalierten. Nun ermittelt das Dezernat Wirtschaftskriminalität der Kripo.

Landkreis München: Bemerkenswerter Anruf - Zeuge schildert Details vom Sauerlacher Tatort

Doch das ist noch nicht alles. In der Redaktion des Münchner Merkur klingelt nach dem ersten Bericht das Telefon. Ein Anrufer schildert Details vom Tatort und zu den Beteiligten, die die Polizei später bestätigen wird. Er hinterlässt Nummer und Name, will aber anonym bleiben. Er ist offenkundig mit den Umständen jener Nacht vertraut, gehört zum erweiterten Kreis der Beteiligten aufseiten des Sauerlachers und ist unzufrieden mit der Darstellung der Polizei.

Sauerlacher soll verprügelt und in den Kofferraum gesperrt worden sein

Zwar stimme es wohl, dass der junge Mann mehrfach wegen Betrugs aufgefallen sei und auch dieses Mal wieder etwas im Argen liege. Doch habe die Geschichte eine weitere Komponente: Der Sauerlacher sei an dem Abend zuvor zu seinem „Geschäftspartner“ in die Oberpfalz gefahren. 

Dort sei er in Gegenwart mehrerer Personen, darunter des 32-Jährigen und der 26-Jährigen, die übrigens miteinander liiert seien, grün und blau geprügelt und mit einem Bolzenschussgerät bedroht worden. Offenbar um Geld zurückzubekommen, habe ihn ein Quartett in den Kofferraum seines eigenen BMWs – des späteren Unfallfahrzeugs – gepackt und zurück nach Sauerlach gekarrt.

Kriminalität: Rätselhafter Unfall in Sauerlach - Polizei will sich zu Details nicht äußern

Dort, so der Anrufer weiter, sei die Entführung Bekannten des jungen Mannes aufgefallen. Sie hätten die Familie verständigt, die die Polizei angerufen und sich aus dem Raum München aufgemacht habe, um die mutmaßlichen Entführer zu stoppen. Das sei nach einer Verfolgungsjagd gelungen. 

Bei einem finalen Fluchtversuch habe der 32-Jährige dann versehentlich seine eigene Freundin/Ehefrau angefahren und eingeklemmt. Die Polizeistreife soll da dem Anrufer zufolge bereits vor Ort gewesen sein. Der Anrufer wirft der Polizei vor, die Gewalt gegenüber dem 23-Jährigen nicht energisch genug zu verfolgen. Zudem habe die Familie tätig werden müssen, um die mutmaßliche Entführung zu stoppen.

Auf Anfrage des Münchner Merkur räumt ein Polizeisprecher ein, dass im Rahmen der Vorfälle in Sauerlach noch weitere Straftaten verfolgt würden. „Für die Anwohner hat es sich wie ein Unfallgeschehen dargestellt“, begründet er den offiziellen Pressebericht. Zu den weiteren Details, die der anonyme Anrufer schildert, äußerte sich die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht.

Josef Ametsbichler/fn

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