Behörden überprüfen Reiterhöfe

Sauerlacher glaubt: „Pferde-Urin gefährdet das Grundwasser“

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Josef Kastenmüller ist sich sicher: Zu viele Pferde pinkeln ins Sauerlacher Grundwasser. Jetzt haben die Behörden reagiert.

Sauerlach – Die Gemeinde Sauerlach liegt herrlich im Grünen. Ideal für Ross und Reiter. Und da liegt das Problem: viele Pferde, viele Äppel, vor allem aber Urin. Diese Hinterlassenschaft gefährdet das Grundwasser mit Nitrat, befürchtet Josef Kastenmüller (68). Der Sauerlacher konfrontierte die Behörden, zwei Reiterhöfe wurden überprüft.

Zwei Pferdehöfe unter Verdacht

Josef Kastenmüller wohnt am Schelcherweg. Direkt in Sichtweite befinden sich mehrere Pferdeweiden. Vor etwa einem Jahr will er Mängel bei zwei Pferdehöfen ausgemacht haben - ein Misthaufen auf unbefestigtem Grund und ein nicht befestigter Stallboden. Die Sorge: Pferde-Urin könnte das Grundwasser mit Nitrat belasten.

Der Holzhändler und Spediteur im Ruhestand gilt als Querdenker, als politischer Kopf. „Es geht darum, das Trinkwasser zu bewahren, gerade für zukünftige Generationen“, fordert Kastenmüller. In Sichtnähe zu seinem Haus am Schelcherweg sind große Pferdeweiden. Vor über einem Jahr sei ihm die Problematik aufgefallen, so Kastenmüller. Er sei Tierliebhaber, sagt er und streichelt liebevoll seine Hunde. Meist sei es der Mensch, der die Fehler mache. Landwirte würden regelrecht mit Verordnungen getriezt, was die Ausbringung der Gülle beträfe. Nicht so Reiterhöfe, meint Kastenmüller. Einige wenige seien keine Gefahr, aber es gäbe halt gut ein Dutzend in der Gemeinde.

Die punktuelle Einleitung von Urin könne auch in 40 Metern Tiefe liegendes Grundwasser erreichen. Er habe vor Ort bei zwei Pferdehaltungen Mängel beobachtet: einmal einen Misthaufen auf unbefestigtem Grund, bei der anderen keinen befestigten Stallboden bei etwa 50 Pferden. „Direkt und konzentriert gelangen so große Mengen Urin in den Boden“, sagt Kastenmüller. Es geht ihm um Grund- und Trinkwasserschutz im Allgemeinen, überall auf Gemeindegrund. Vernünftig seien für ihn Pferdeboxen, die dicht gemacht werden und eine Schräge von etwa zwei Prozent haben. „Am tiefsten Punkt nimmt eine Rinne den Urin auf und führt ihn in eine Jauchegrube. Vor Ort hätte er anderes beobachtet. „Es ist ein Irrglaube, dass mit Stroheinstreuung der Urin gebunden wird“, sagt Kastenmüller. Früher seien die Pferdeställe der Bauernhöfe stets an eine Jauchegrube angeschlossen gewesen.

Kontrollen ergeben keinen Befund

Der 68-Jährige zog alle Register und wandte sich an die Deutsche Umwelthilfe mit Sitz in Berlin, die aber auf die Zuständigkeit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt München verwies. Er informierte das Wasserwirtschaftsamt und die Bayerische Staatskanzlei, welche das Anliegen an das zuständige Umweltministerium delegierte. Am 20. Juni dann ein Gespräch am runden Tisch mit Vertretern des Fachzentrums Pferdehaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), des Landrats- und des Wasserwirtschaftsamts. Resultate aus dem Protokoll: Der Beschwerde Kastenmüllers wurde nachgegangen, beide Reitbetriebe wurden auf den Umgang mit und die Lagerung von wassergefährdenden Stoffen überprüft. Auch wurde die Nitratbelastung in der Messstelle der Wasserversorgung Sauerlachs kontrolliert – ohne Befund.

Weiterhin bittet das Wasserwirtschaftsamt das Landratsamt, bei Vorhaben mit Pferdehaltungen stets das Fachzentrum für Pferdehaltung einzuschalten, um eine häufigere Umsetzung von dichten Stallböden zu erreichen. Zudem soll künftig bei drohender Grundwasserbelastung eine Verschärfung der Vorgaben geprüft werden.

Gegenüber dem Münchner Merkur zeigte sich Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner überrascht. Sie habe von einer möglichen Gefährdung des Grundwassers durch Pferdehaltungen nichts gehört. Es gäbe etwa fünf große und sieben kleinere Reiterhöfe. Rings um die Gemeinde befänden sich Wasserschutzgebiete. „Wir prüfen regelmäßig das Grundwasser und haben einen sehr guten Status“, versichert Bogner. Allerdings wisse sie, dass Brunnthal Nitratprobleme habe. „Das liegt aber vermutlich an der Düngung der Landwirtschaft“, sagt die Bürgermeisterin.

Kastenmüller indessen ist mit dem Erreichten nicht zufrieden. Immerhin eines habe er bewirkt: alle Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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