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Wandern und Bergsteigen waren seine Leidenschaft. Über 100 Gipfel hat Hubert Klingsbögl aus Sauerlach bestiegen. Seine letzte Tour aber endete tödlich. 

Ein kleiner Ausrutscher endete tödlich

Tragischer Bergtod eines Abenteurers: Gemeinde nimmt bewegenden Abschied

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Ein tragischer Bergunfall kostete Hubert Klingsbögl das Leben. Jetzt nahm die Gemeinde Sauerlach bewegt Abschied. Rund 200 Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre.

Sauerlach – Am 25. August starb Hubert Klingsbögl bei einem tragischen Bergunglück. Nun nahmen gut 200 Menschen Abschied von dem 82-Jährigen. „Es war uns Trost und auch Freude zu sehen, dass so viele Sauerlacher meinen Vater auf seinem letzten Weg begleitet haben“, sagt Hubertus Klingsbögl, der Sohn des Verstorbenen. Geblieben ist eine Fülle von Erinnerungen an einen gütigen Mann, der nie ernsthaft krank war und geprägt von der Liebe zu Familie und Natur. Sohn, Schwiegertochter und zwei Enkel wohnten im gleichen Haus. 55 gesegnete Ehejahre verbanden ihn mit seiner Gattin Josefa, die seine Faszination für die Bergwelt teilte.

Abschied von Hubert Klingsbögl: Er bestieg über 100 Gipfel

Es mögen über 100 Gipfel sein, die Hubert Klingsbögl bestiegen hat, stets unverletzt. Darunter sogar der höchste Berg der Alpen mit seinen stolzen 4810 Metern: „Den Mont Blanc haben die Beiden damals gemeinsam erklommen“, weiß der Sohn von den Eltern. Langeweile war für Hubert Klingsbögl ein Fremdwort. „Mein Vater hat immer mehr Aufgaben als Zeit gehabt“. Ein Gartenmensch war er allerdings nicht. Dessen Pflege überließ er den berufenen Händen seiner Josefa.

Sauerlach nimmt Abschied von Hubert Klingsbögl: Ein Tüftler und Sammler

Er war Tüftler und voller Erfindergeist, schon immer gewesen. Entsprechend die berufliche Laufbahn: Maschinenschlosser-Lehre bei der BayWa in Holzkirchen, Flugzeugwartung in München-Riem, Ingenieurstudium, ab 1963 bis zum Ruhestand Konstrukteur bei Bölkow in Ottobrunn, heute Airbus. „Bis vor etwa 20 Jahren war mein Vater auch begeisterter Segelflieger“, erzählt der Sohn. Vereinsmäßig organisiert in der Flugsportgruppe Bölkow in Neubiberg, Bad Tölz und Vogtareuth.

Und statt Briefmarkten oder Münzen sammelte er Nägel in jeder Form und Länge. „Seine Sammlung zählte über 1000 verschiedene Exponate“, erzählt Sohn Hubertus und lächelt. Sein Vater schrieb gar ein Buch zum Thema, 200 Seiten stark: „Der Nageleinschlag von Nägeln eines Jeden“, so der Titel. „Der Clou war eine Bohrung oben durch den Deckel, um an einem Nagel griffbereit aufgehängt werden zu können“. Des Vaters „Nagelschau“ war Teil einer Sonderausstellung im Heimatmuseum in Arget. Augenzwinkernd und humorvoll erklärte Hubert Klingsbögl den Besuchern sein Werk.

Sauerlach in Trauer: Hubert Klingsbögl liebte Heimat und Politik

Im Museum selbst kannte er jeden Winkel. Er war Gründungsmitglied des Fördervereins und von 2004 bis 2013 dessen Vorsitzender. Ein Mann der ersten Stunde. Bis zuletzt brachte er sich im historischen Ensemble an der Holzkirchener Straße ein.

Als jüngster von drei Söhnen wurde Hubert Klingsbögl am 29. Mai 1937 in Miesbach geboren. Der Bub wuchs auf einem Bauernhof nahe Irschenberg auf. 1964 wurde er Sauerlacher und gern in der Gemeinde aktiv, etwa als Gründungsmitglied der Unabhängigen Bürgervereinigung (UBV). Für sie kandidierte er zweimal als Gemeinderat. Eine durchaus politische Familie: Schon Vater Josef war Bürgermeister in Irschenberg gewesen (1952-1966). Und Hubert Klingsbögl liebte das Reisen. Unvergessen für den damals zehnjährigen Hubertus war die Reise der Familie zum Nordkap, der Mitternachtssonne entgegen. „Natürlich in einem selbst umgebauten Wohnmobil“, erinnert er sich. Später bereiste der Vater weite Teile der Erde, meist mit einer Gruppe. Von den USA, Australien, Nordafrika, Singapur, Moskau bis zuletzt 2014 nach Israel.

Hubert Klingsbögl aus Sauerlach: Ausrutscher bei Bergtour endete tödlich

Seine letzte Tour am Königssee sollte tragisch enden. Gemeinsam mit zwei etwa gleichaltrigen, langjährigen Bergkameraden machte sich Klingsbögl am25. August auf zu einer zweitägigen Tour. Es ging Richtung Gotzenalm im Berchtesgadener Land. Ein unglücklicher Ausrutscher genügte für einen Sturz in 70 Meter Tiefe, der tödlich endete. „Es war ein tragisches Unglück“, sagt Sohn Hubertus. Ein klassischer Bergunfall, der Tod in den geliebten Bergen, so müsse man es sehen. Was bliebe, sei die Erinnerung an einen großartigen Menschen. „Ein liebevoller, guter Vater, Ehemann und Opa“, sagt sein Sohn. Die letzte Ruhestätte fand Hubert Klingsbögl jetzt auf dem Alten Friedhof in Sauerlach.

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