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Mit viel Fachliteratur hat sich der Grüne Engel von Sauerlach, Bruno Geisert, zu Hause eingedeckt.

Sauerlacher erhält den Grünen Engel

Er liebt die Vogelstimmen

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Seit gut 50 Jahren engagiert sich der Sauerlacher Bruno Geisert für den Naturschutz. Ehrenamtlich und aus vollem Herzen. Der 73-Jährige gründete die Ortsgruppe des Bund Naturschutz in Sauerlach und initiierte hier die Agenda 21. Ein Grund für die Ehrung. Das Bayerische Staatsministerium für Umweltschutz vergibt dafür eine treffende Auszeichnung: den Grünen Engel.

Sauerlach – Schon als Bub war Bruno Geisert der Buntspecht auf dem Telegrafenmast wichtiger als des Lehrers Wort. Damals besuchte der Naturfreund die Volksschule in Kempten. „Der Unterricht war mir egal, wenn ich einen Vogel sah“, sagt der 73-Jährige vergnügt. Er hatte Glück. „Mein Lehrer sagte nur: Geh’ raus Bruno, schau’ ihn dir an und komm’ wieder“. Diesem klugen Pädagogen ist es sicher auch zu verdanken, dass aus Bruno Geisert ein aktiver Vogelkundler wurde.

Heute ist er gleich in mehreren ornithologischen Projekten und Verbänden engagiert. Gemeinsam mit Ehefrau Helga und seinen „Fellkindern“, zwei feuerroten Katzen, lebt er seit 1973 in Sauerlach. Ein großer, naturnaher Garten umgibt sein Haus. Ein Wohlfühl-Refugium für alles, was da kreucht und fleucht. Das fanden auch die Katzen: Sie kamen und blieben.

Bruno Geisert promovierte in Biologie und Chemie und entschied sich fürs Lehramt. Bis zum Ruhestand unterrichtete er am Münchner Asamgymnasium – und am Unterhachinger Lise-Meitner-Gymnasium. Mit einer Unterbrechung. Von 1982 bis 1987 lehrte er in Santiago de Chile an einer Privatschule. Der Deutsche Schulverband machte es möglich. Seine Frau Helga, damals Chemotechnikerin am Zoologischen Institut München, ließ sich beurlauben und folgte. In seiner Freizeit erkundete das Paar im VW-Bus Land und Leute. „Die Zeit werden wir nie vergessen, sie hat uns sehr geprägt“, sagen beide heute.

Schon als Bub habe er in die weite Welt gewollt, erinnert sich Bruno Geisert und lacht. Kaum aus Chile zurück, gründete er 1989 die Ortsgruppe des Bund Naturschutz in Sauerlach, war neun Jahre Vorsitzender, später im Beirat. Heute gibt es an die 150 Mitglieder. Auf seine Initiative hin beschloss der Gemeinderat 1997 die Gründung der lokalen Agenda. Noch heute ist er Mitglied des Agendarats und im steten Dialog mit der Gemeinde.

Dass das Ministerium auf ihn aufmerksam wurde, ist Helmut Kahl, dem Agenda-Leiter, zu verdanken. Dieser schlug ihn vor eineinhalb Jahren vor. Die Liste der Gründe dafür ist lang. Geisert ist in vielen Vereinen und Verbänden aktiv, so in der Ornithologischen Gesellschaft Bayern und dem Verband Deutscher Biologen. Er pflegt Biotope, unternimmt Vogelstimmenwanderungen, Fledermausaktionen und hält Vorträge. Mit größter Sorge betrachtet Bruno Geisert seit Längerem den Rückgang der Arten, aktuell der Insekten, in Folge der Vögel. „Diese stehen am Ende einer Nahrungskette“, sagt der Ornithologe und warnt: „Die Zerstörung der Lebensräume ist der entscheidende Grund, warum die Artenvielfalt schwindet“. Bereits 75 Prozent der Insekten seien fort.

Cora Albath, die Vorsitzende der Ortsgruppe, habe bereits einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt, um die Biodiversität in Sauerlach zu retten (siehe Kasten). Näheres: www.sauerlach.bund-naturschutz.de. Die nächste Versammlung der Ortsgruppe ist übrigens am 18. April, 20 Uhr, in der VHS, Bahnhofstr. 5. „Gäste sind stets willkommen“, so Geisert.

Der Grüne Engel

Seit 2011 vergibt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz den Grünen Engel für ehrenamtliches, langjähriges Wirken im Naturschutz. 17 Mal ging die Ehrung heuer nach Oberbayern. Die Preisverleihung fand im Maximilianssaal der Regierung von Oberbayern statt. Umweltministerin Ulrike Scharf überreichte den Preisträgern, darunter Bruno Geisert, den Grünen Engel in Form von Urkunde und Ehrennadel. Nur einmal jährlich finden die Verleihungen in den sieben Regierungsbezirken statt.

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