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Die Totengräber Schippe und Schaufe, Robert und Hans-Peter Essendorfer (r.), veräppeln Philomena (Theresa Essendorfer). Im richtigen Leben sind alle drei Geschwister.

Theateraufführungen im Trachtenheim

Gespenstisch gut

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Sauerlach - Das junge Ensemble der "Römastoana" sorgt mit dem Stück "Gspenstermacher" für ausverkaufte Vorstellungen

Ein frisches, gut gelauntes Ensemble und ein rundum originelles Stück: Das ist der Stoff, aus dem gelungene Theaterabende sind. Der Dreiakter „Gspenstermacher“ von Ralph Wallner beschert dem Sauerlacher Trachtenverein „D´Römastoana“ gleich viermal ein ausverkauftes Haus. Das Stück hatte jetzt Premiere. 

Witzig und frech, nie pietätlos. Die Aufführung vergeht wie im Fluge. Gespenstisch, könnte man fast sagen. Und jedes Mal, wenn sich der Vorhang senkt, stellt sich im Publikum die Frage: „Hat er oder sie das Gift nun getrunken?“ Regisseurin Elke Maier strahlt, die Rechnung geht auf, ihre Laien-Darsteller machen es richtig gut. Der Saal ist ohne Tische voll bestuhlt, hat etwa 170 Plätze.

Die Handlung ist rasch erzählt: „Gspenstermacher“ spielt um die Jahrhundertwende in einer Spelunke im Moortaler Moos. Nebel wabern, Türen knarzen – da fehlen im Grunde nur Geister. Für die sorgen später, mehr oder weniger gewollt, die zwei Totengräber Schippe und Schaufe. Hintergrund: Das „Amt für Bestattungen und sonstige freudige Familienereignisse“ teilte den beiden mit, dass sie kein Gehalt mehr bekommen, sondern nur noch eine Prämie. Mehr graben, mehr Geld heißt die Devise. Einer der beiden findet eine Flasche mit Gift. „Nur mit a Leich wirst reich“, dämmert beiden. Ein Opfer lässt nicht auf sich warten. Die Geburt einer neuen Geschäftsidee? Da kommen die Graberer an Grenzen. Ein Fluch toppt noch das Ganze: Nur die beiden können die „Gspenster“ sehen. Aber es gibt auch die Liebe, Eifersucht und eine Art von höherer Gerechtigkeit im Stück. Und später am Abend ein – na ja, ein Happyend ist es im Grunde schon. 

Dem Publikum hat es sichtlich gefallen, es wurde herzhaft gelacht, gestaunt, applaudiert. Dafür sorgten die ideal besetzten Charaktere. Jeder im jungen Team hatte seine (Haupt-)Rolle. Pure Spielfreude. Wie bei Schippe und Schaufe, der eine schlauer, der andere ein bisserl doof – gespielt von den Brüdern Robert (21) und Hans-Peter (23) Essendorfer. Beide Graberer unglaublich verfressen. „Du Ego – isst mir immer alles weg“, beschwert sich der eine. Beinah hätten sie selbst das Gift getrunken. „Dann hätte ja jeder den anderen begraben müssen“, sagt Schaufe. Oder Marianne Kastenmüller (24) als Moorwirtin Rosa – kratzig, aber doch mit Herz. „I bin dot. Einfach so hopplahopp über den Jordan gegan

en. Gut, dass ich das nicht mehr erleben muss“, stellt sie erbleichend fest. Ihr Gegenpart ist Silvia Zellner (27) als reiche Witwe Veichtl. Beide liefern sich herrliche Gefechte um die Gunst des Schausta-Jackl (Michael Kiendl, 36). Der findet das gar nicht lustig. „Heiraten ist etwas für Männer ohne Schmerzempfinden“, lautet sein Credo. Aus Wirtin und Witwe wird später noch ein erstaunliches Duo. Überzeugend ebenfalls Barbara Glatzel (30) als schlaues Dirndl und ihr großer Schwarm, Knecht Leo (Roman Richter, 27). Immer wieder Beifall kassiert Theresa Essendorfer (27) als in Rätseln und Reimen sprechende Philomena. „Ist die Magd mal wieder rund, war der Bauer wohl der Grund.“ Orakelnd legt sie als weise Dorfirre so ihre Karten.

„Gspenstermacher“ von Ralph Wallner gehört derzeit zu den meistgespielten Stücken im süddeutschen Raum. Auch die Aufführungen der „Römastoana“ am 19. und 20. März sind – wie von Geisterhand – ausverkauft. kko

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