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Blick über den Großseehamer See (Gemeinde Weyarn) hinweg zu den Alpen: Amelie Müller liebt diese Perspektive.
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In diesem Sack wird der Ballon verstaut.
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Nach der Landung muss die Luft raus.
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Nach der Landung wird die Technik überprüft
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Amelie Müller (16) aus Sauerlach. Hier mit Vater Theo direkt nach der Landung auf dem kleinen Sportflughafen Antersberg.
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Hier das sogenannte Konturenfahren, dicht über einem Waldstück.
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Blick in die analoge Luftraumkarte.
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Auf Augenhöhe mit einem Kleinflugzeug.

Starke Teamarbeit: Eine Fahrt mit Deutschlands jüngster Heißluftballon-Pilotin

Über allen Gipfeln

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Ein kurzer Zug an dem kleinen roten Hebel, sofort schießt ein meterhoher Feuerstrahl nach oben, begleitet von einem lauten Zischen wie bei einer Dampflokomotive. Und plötzlich schweben wir in der Luft: Fast unmerklich, abgelenkt vom typischen Geräusch, hat uns Amelie Müller abheben lassen. Die 16-Jährige aus Sauerlach ist Deutschlands jüngste Heißluftballon-Pilotin – wir durften sie auf einer Fahrt bis in über 4000 Meter Höhe begleiten.

Sauerlach– Dass Ballonfahren körperlich fordernde Teamarbeit ist, merken wir bei der rund einstündigen Startvorbereitung. Zupacken ist angesagt auf der offiziell als Startplatz zugelassenen Wiese beim „Auerhof“ in Feldkirchen-Westerham, wo Amelie Müllers Ballonsportgruppe Leitzachtal ihren Stützpunkt hat. Den Korb aus dem Anhänger wuchten, vier Propangasflaschen montieren, den Ballon aus dem Transportsack ziehen und auf der schneebedeckten Wiese ausbreiten – es gibt jede Menge zu tun. Die Kommandos dazu kommen von der 16-Jährigen: Als Pilotin ist sie heute die Chefin.

Zwei Leute halten mit ordentlich Muskelkraft die Ballonöffnung auf, damit ein Ventilator ihn aufblasen kann, was rund 20 Minuten dauert. Währenddessen geht Amelie Müller die vorgeschriebene Checkliste durch, überprüft Schläuche und Druck der Gasflaschen, den Brenner, die Polsterungen, die Ballonfestigung, Funk- und GPS-Gerät, Tragkraftberechnung für die Treibstoffmenge und vieles mehr. „Lauschen, sehen, lauschen: Das gehört vorm Start alles dazu“, sagt die Pilotin. Auch ein Tablet wird montiert – mit einer sogenannten ICAO-Karte, auf der alle für die Luftfahrt relevanten Parameter zu sehen sind.

„Glück ab, gut Land“, ruft uns, kurz bevor es richtig losgeht, Steffen Rösler den branchentypischen Gruß zu. Er ist heute der Verfolger – das „Erdferkel“, wie es im Ballonfahrerjargon heißt: Seine Aufgabe besteht darin, per Funk und Sichtkontakt den blau-weiß-roten Ballon im Auge zu behalten, um zwei Stunden später, nach der Landung, mit dem Materialanhänger am Landeplatz zu stehen.

Wo dieser sein wird? „Das lässt sich nie genau vorhersagen“, erläutert Amelie Müller. „Es gibt ja kein Lenkrad, keinen Steuerknüppel.“ Allein der Wind bestimmt die Richtung, und trotz relativ präziser Windprognosen für unterschiedliche Höhenschichten kommt es immer wieder kleinräumig zu Änderungen. Das merken wir bei unserer zweistündigen Ballonfahrt, das GPS zeigt später auf der Karte den genauen Verlauf der 25-Kilometer-Route an: erst nach Osten, dann nach Norden, am Ende mit einem kleinen Schlenker.

Zum Ballonfahren ist die Sauerlacherin über ihren Vater Theo Müller gekommen – der 54-Jährige frönt seit zwei Jahrzehnten dem luftigen Hobby, hat heuer an Neujahr sogar eine Alpenüberquerung absolviert und fungiert mittlerweile auch als Ausbilder. „Mit zehn Jahren durfte ich das erste Mal mitfahren. Faszination und Leidenschaft wurden sofort geweckt – ich liebe diese Freiheit dort oben“, sagt Amelie Müller. Zum 14. Geburtstag erhielt sie die Ausbildung geschenkt, mit 15 bestand sie die umfangreiche Theorie- und Praxisprüfung durchs Luftfahrtbundesamt mit Fächern wie Luftrecht, Navigation, Meteorologie, einem Sprechfunkzeugnis sowie einer Alleinfahrt. Jetzt, gerade 16 geworden, darf die Gymnasiastin alleinverantwortlich einen Heißluftballon manövrieren. Als jüngste Pilotin Deutschlands.

Welche Herausforderungen im Detail zu meistern sind, erleben wir bei unserer zweistündigen Ballonfahrt. Der Wind treibt uns zunächst parallel zur A 8 in Richtung Chiemsee, über der Abhörstation in Bad Aibling geht’s dann mehr nach Norden. Als der Höhenmesser über 3000 Meter anzeigt, wird es Zeit, sich bei der Deutschen Flugsicherung zu melden. Papa Theo übernimmt das, gibt per Funk die Ballonkennung durch: „Delta Oskar Charly X-Ray Ecco – hören Sie uns? Wir sind ein Heißluftballon und bitten um Erlaubnis, für 15 Minuten auf 4000 Meter aufzusteigen.“ Am anderen Ende der Leitung erfolgt per Radar ein Luftraum-Check durch den nächstgelegenen Tower – alles okay, wir dürfen für eine Viertelstunde noch höher hinauf. Und stöpseln uns für die dünnere Luft kurzzeitig sogar Flaschensauerstoff in die Nase.

Der Blick schweift in die Ferne, vom Großglockner zur Zugspitze, über den Chiemsee mit der Herreninsel, auf die Ortschaften unser uns, wo Autos aussehen wie umherwuselnde Ameisen. Nun aber wird es Zeit, an die Landung zu denken, der Treibstoff für vier Personen ist genau berechnet, gut 30 Minuten Navigationsreserve bleiben noch.

„Starten kann man, landen muss man“, sagt Theo Müller, und Tochter Amelie erklärt: „Jede Landung ist anders, ich muss mich auf die Situation einlassen und schnell Entscheidungen treffen. Wie heute, als wir bei Tuntenhausen über einen Wald gleiten, vor der Landewiese in spe der Wind aber leicht dreht. Ein kräftiger Zug am roten Hebel, Heißluft in den Ballon – wir steigen wieder und suchen eine neue Strömung. Vor dem nächsten Waldstück stört eine Stromleitung, dann ist eine Wiese zu batzig. Am kleinen Sportflugplatz Antersberg schließlich passt alles: Der 16-Jährigen gelingt eine Punktlandung– sanft setzen wir auf. Ein Idealfall. Und nicht so abenteuerlich wie bei der Prüfungsfahrt, als eine Lee-Welle den Ballon durchsacken ließ und das Wetter die Landung verkomplizierte. Bis hin zu einer 40-Meter-Schleifspur. „Das war ein bisschen brenzlig, aber der Prüfer war total zufrieden“, erzählt die Sauerlacherin.

Mit der Landung ist die Ballonfahrt längst nicht zu Ende. Die Luft muss raus, wie beim Tauziehen zerren wir an einem Seil, bis die Hülle flach am Boden liegt. Steffen Rösler, der „Verfolger“, ist auch schon zur Stelle. Aber bevor wir im Auto zurück zum „Auerhof“ fahren, gibt’s für Reporter plus Ehefrau nach überstandener Ballon-Premiere und unvergesslichen Eindrücken noch ein Ritual: die Ballonfahrertaufe, bei der eine Haarsträhne entflammt und mit Sekt gelöscht wird.

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